Vertrauliche und schnelle Versorgung

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Wetteraukreis (prw). Seit Anfang des Monats wird in zwei Buslinien der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) über das Angebot der Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung informiert. Plakate machen in den Bussen der Linie 30 und 31 über die Möglichkeit einer vertraulichen medizinischen Versorgung nach sexualisierter Gewalt im Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim aufmerksam, berichtet die Kreisverwaltung.

Für viele Frauen ist es schwierig, unmittelbar nach einer Vergewaltigung Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Angst, sofort zu einer Anzeige gedrängt zu werden, ist groß. Ziel des Angebotes ist es deshalb, einen schnellen und einfachen Zugang zu medizinischer Versorgung zu schaffen und - auf Wunsch - gerichtsmedizinisch verwertbare Befunde zu sichern. So haben Frauen Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob sie eine Anzeige erstatten wollen oder nicht. Außerdem sollen Frauen schneller den Weg zu weiterführenden Hilfs- und Beratungsangeboten finden.

Im Wetteraukreis ist der Frauen-Notruf Wetterau die Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt. Neben der Beratung sind die Mitarbeiterinnen für organisatorische Fragen rund um das Angebot zuständig und sorgen u. a. mit dem Fachdienst Frauen und Chancengleichheit des Kreises für die Öffentlichkeitsarbeit.

30 Anzeigen, hohe Dunkelziffer

Wie notwendig das Angebot ist, verdeutlicht ein Blick in die Statistik: Im Wetteraukreis verzeichnet die Polizei jährlich rund 30 Anzeigen wegen Vergewaltigungen. Von einer sehr hohen Dunkelziffer ist auszugehen. Da die meisten Taten nicht angezeigt werden, bleiben die Täter oft straffrei. Meist sind die Opfer unmittelbar nach der Tat nicht in der Lage, eine Entscheidung für oder gegen eine Anzeige zu treffen.

»Besonders schwerwiegend wirkt es sich aus, dass sich die gewaltbetroffenen Frauen deshalb auch häufig nicht medizinisch versorgen lassen«, schätzt Christa Mansky vom Frauen-Notruf Wetterau die Situation ein.

Seit Einführung des Angebotes im Wetteraukreis Ende 2015 wurden bis Ende 2020 79 Frauen im Hochwaldkrankenhaus versorgt. Demgegenüber steht eine hohe Dunkelziffer von Frauen, die im Anschluss an eine Vergewaltigung keine Hilfe in Anspruch nehmen: Oft kennen sie das Angebot nicht oder fürchten, dass gegen ihren Willen die Polizei eingeschaltet wird.

Seit Anfang Oktober soll deshalb die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden. »Wir freuen uns, dass wir mit der Plakataktion in unseren Bussen dazu beitragen, das Angebot noch bekannter zu machen«, sagt Armin Klein, Geschäftsführer der VGO.

Auch Landrat Jan Weckler freut sich über die aufmerksamkeitsstarke Werbung für das Angebot und hofft, dass viele Wetterauerinnen auf das Modell aufmerksam werden: Ihm ist wichtig, »dass Frauen, die von einer Vergewaltigung betroffen sind, Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung haben - unabhängig von einer Anzeige«.

Das Angebot der »Medizinischen Soforthilfe nach Vergewaltigung« fußt auf einer engen Zusammenarbeit von Hochwaldkrankenhaus, Frauen-Notruf, Polizeidienststelle Wetterau und Fachdienst Frauen und Chancengleichheit. Unter www.soforthilfe- nach-vergewaltigung.de finden Interessierte sowie Hilfesuchende Informationen über das Programm.

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