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Aus drei werden vier: Manche Haushalte in Nieder-Mörlen wollten 2015 die gelbe Tonne schon mal im Alleingang durchsetzen. Dieser Versuch ist gescheitert, doch ab 2021 soll das grau-gelbe Gefäß für Verpackungsmüll die Regel sein. (Archivbild: bk)

Abfallreform geplant

Verpackungsmüll: Gelbe Tonne ersetzt Sack in der Wetterau - Details bekannt

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Mit Gelben Säcken gibt es oft Ärger, trotzdem wird in der Wetterau seit 25 Jahren auf diese Form der Verpackungsmüll-Sammlung gesetzt. Jetzt planen die Kommunen eine Reform: Tonne statt Sack.

Der Einsatz von Gelben Säcken sorgt oft für Beschwerden. Kritikpunkte sind etwa die schlechte Qualität des dünnen Materials oder die Lieferengpässe, die manchmal auftreten. Richtig sauer werden viele Wetterauer, wenn die Säcke zu spät abgeholt werden und deshalb Ratten anlocken oder wenn starker Wind die großen Beutel auf die Straße wirbelt, wo sie überfahren werden. Der Müll beeinträchtigt das Stadtbild und landet nicht selten in der Natur. Größere Proteste gab es zuletzt an Pfingsten, als die Säcke zu spät abgeholt wurden. Ein Sturm verteilte die Säcke auf den Straßen, sie platzten auf, ihr Inhalt lockte Ratten und Marder an.

Trotz solcher Vorfälle haben einige Gemeinden im Zuständigkeitsbereich des Abfallwirtschaftsbetriebs Wetterau (AWB), dem alle Kommunen mit Ausnahme von Bad Vilbel angehören, die Einführung der Gelben Tonne in der Vergangenheit nicht vorangetrieben. Inzwischen herrscht nach Angaben von AWB-Chef Dr. Jürgen Roth aber weitgehende Einigkeit in Sachen Umstellung, alle wollten an einem Strang ziehen. "Das neue Verpackungsgesetz, das am 1. Januar in Kraft getreten ist, stärkt die Verhandlungsposition der Kommunen gegenüber dem Dualen System", nennt er einen Grund für den Sinneswandel. Zum 1. Januar 2021 soll die Tonne für Verpackungsmüll in der Wetterau Einzug halten.

Gelbe Tonne in der Wetterau: Schwierige Verhandlungen

Zuvor müssen schwierige Gespräche mit dem Dualen System geführt werden, das für die Verwertung des Verpackungsmülls zuständig ist. 24 Kommunen aus dem Kreis wollen den AWB beauftragen, die Verhandlungen zu führen. "Nur noch ganz wenige Gemeinden müssen zustimmen, ich rechne damit spätestens nächste Woche", sagt Roth. Der AWB stehe "unter Zeitdruck", denn die Umstellung benötige eine lange Vorlaufzeit. Bereits im kommenden Frühjahr muss das Duale System den Entsorgungsauftrag, der zurzeit an die Firma Weisgerber in Wächtersbach vergeben ist, neu ausschreiben.

Bis dahin muss geklärt sein, ob sich beide Seiten auf die Einführung der Gelben Tonne einigen können. Wie der AWB-Geschäftsführer betont, könnten die Kommunen den etwa zehn Duale-System-Unternehmen, die im Kreisgebiet tätig sind, ihre Vorstellungen nicht aufzwingen. "Ich gehe aber davon aus, dass der Verhandlungsführer der Gegenseite, die Firma Zentek, die Gelbe Tonne akzeptieren wird." Kommt es zu keiner Einigung, wird ein Gericht entscheiden. Letztlich müssen die Verhandlungsergebnisse von den beteiligten Städten und Gemeinden sowie von zwei Dritteln der Duale-System-Unternehmen abgesegnet werden.

Gelbe Tonne in der Wetterau: Keine Wahlfreiheit

Ein wichtiges Thema bei den Gesprächen wird die künftige Rolle der Gelben Säcke sein. Vor allem Städte würden in manchen Sammelbezirken gerne weiter darauf setzen. Ein Beispiel ist Bad Nauheim. Wie Bürgermeister Klaus Kreß in der Parlamentssitzung am Dienstagabend erläutert hat, habe der AWB einen klaren Verhandlungsauftrag. "Unsere Minimalforderung: grundsätzlich Tonne, in Sonderfällen weiterhin Säcke." In manchen Straßenzügen, etwa in der Altstadt, gebe es auf den Grundstücken schlicht keinen Platz für eine vierte Abfalltonne, nannte der Rathauschef einen Grund.

Eine Wahlfreiheit für alle Haushalte wird sich nach Auffassung des AWB-Chefs in den Verhandlungen kaum durchsetzen lassen. "Dagegen sprechen wirtschaftliche Zwänge bei den Entsorgern, zum Beispiel was den Fahrzeugpark angeht." Wie Roth bestätigt, wird die Gelbe Tonne bereits in etlichen hessischen Kommunen eingesetzt. Städte wie Frankfurt, Gießen oder Bad Vilbel hätten sich meist bereits bei der Einführung der Getrenntsammlung von Verpackungsmüll für diese Variante entschieden. Zu einer Umstellung sei es in den seltensten Fällen gekommen. Das neue Verpackungsgesetz biete den Wetterauer Kommunen jetzt bessere Möglichkeiten für den geplanten Umstieg.

Gelbe Tonne in der Wetterau: "Abfall-Rebellion" scheitert

Im Jahr 2015 hatten einige Bewohner der Gegend rund um die Straße In den Nußgärten in Nieder-Mörlen die Nase voll: Im Freien gelagerte Gelbe Säcke, so ihre Erfahrung, lockten Ratten an, die Beutel aufrissen und den Verpackungsmüll verteilten. Manche Haushalte versuchten sich deshalb als "Abfall-Rebellen", schafften sich Gelbe Tonnen an und sammelten darin ihre leeren Verpackungen. Die damals für die Entsorgung diese Müllfraktion zuständige Firma Remondis spielte zunächst mit. Über Monate wurden die Tonnen geleert, obwohl das Unternehmen laut Vertrag nicht dazu verpflichtet gewesen wäre. Im Spätherbst 2016 war es damit vorbei. Hauptgrund: Remondis hatte im "Sackgebiet" Wetterau nicht genügend Fahrzeuge mit entsprechener Hebevorrichtung für Tonnen. Deshalb mussten die Mitarbeiter die Tonnen anheben, um sie entleeren zu können. Dagegen legte die Berufsgenossenschaft ihr Veto ein.

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