In einem Kleingarten im Mühlfeld in Fauerbach sorgen über 80 Bienenvölker für Ärger bei den Nachbarn. Diese klagen, dass parkende Autos, zu trocknende Wäsche und Dachschrägfenster ständig mit Bienenkot verschmutzt seien. Laut Veterinäramt sind die Tiere aber nicht krank.
+
In einem Kleingarten im Mühlfeld in Fauerbach sorgen über 80 Bienenvölker für Ärger bei den Nachbarn. Diese klagen, dass parkende Autos, zu trocknende Wäsche und Dachschrägfenster ständig mit Bienenkot verschmutzt seien. Laut Veterinäramt sind die Tiere aber nicht krank.

Klage über Verschmutzung

Verkotung: 80 Bienenvölker im Garten ärgern die Nachbarn in Friedberg - Anonymer Brief kursiert

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Alle mögen Bienen. Auch die Bewohner im Mühlfeld in Friedberg-Fauerbach. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Über 80 Bienenstöcke stehen in einem Garten direkt hinter der Wohnbebauung.

In Großstädten klagen Bewohner über Füchse und Wildschweine, die Mülltonnen durchwühlen, in Fauerbach im Mühlfeld gibt es Ärger über fleißige Pollensammler. Warum das so ist, erklärt Anwohner Eckhardt Bieler. »Alle Vierbeiner im Wohngebiet werden, wenn sie ›mal müssen‹, pflichtbewusst an der Leine in die Felder geführt.« Mehrere hunderttausend Bienen aus 80 Stöcken könne man nicht an die Leine nehmen. »Sie müssen aber auch jeden Tag.«

Die Spuren seien nicht zu übersehen: Schwer zu beseitigende Verkotungen auf geparkten Autos, Wäschestücken, Markisen, Dachflächenfenster und Wintergärten im Umkreis von rund 200 Meter. Die Bienenstöcke stünden viel zu nahe an der Wohnbebauung. Der Garten liegt genau zwischen Kläranlage und Häusern. »2019 gab es diese Verschmutzungen nicht.«

Da standen, wie ein Nachbar erzählt, die Bienenstöcke noch auf einem Grundstück an der B 3-Umgehung in der Nähe des Burgfelds. Die Nachbarn glauben, die Bienen seien krank, hätten Durchfall. Und sie fragen sich, ob das überhaupt erlaubt ist, so viele Bienenstöcke auf einem einzigen Grundstück direkt hinter der Wohnbebauung.

Sinnvoll sei das auf keinen Fall, sagen die heimischen Imker. »Ach, der Katastrophen-Imker!«, ruft einer am Telefon aus. So viele Völker nebeneinander, das sei nicht normal. Auch Reinhold Witzel, Vorsitzender der heimischen Imkervereinigung aus Nieder-Mörlen, sieht die Menge an Bienenstöcke kritisch. Der Mann sei kein Vereinsmitglied, ziehe Bienen und verkaufe sie. »Das ist legal.« Aber ist das auch artgerecht? »Vielleicht sechs oder acht Völker« könne man auf einer solchen Fläche halten, sagt Witzels Kollege Ernst Ruppel aus Dorheim. Ruppel weiß: Leiden Bienen an Mangelernährung, koten sie alles zu. Ob die Bienen im Mühlfeld angesichts ihrer Menge genügend Nahrung finden, kann Ruppel nicht sagen. Der erfahrene Imker hat seine Zweifel. Normalerweise gebe es »ganz wenige Beschwerden« wegen Belästigung durch Bienen, sagt Witzel. »Oft dann, wenn Bienenstöcke zu nahe am Nachbargrundstück stehen. Das lässt sich aber meist gütlich regeln.« Im Mühlfeld bezweifeln das viele Anwohner.

Anonymer Brief kursiert im Mühlfeld

Nicht alle Bewohner ärgern sich über die Bienen. »Das ist völlig übertrieben«, sagt ein Mann. Ihm und anderen stößt noch sauer auf, dass vor Wochen ein anonymes Schreiben in der Straße kursierte, mit Telefonnummern von Rathausmitarbeitern und der Aufforderung, diese anzurufen. In dem Schreiben wurden Lackschäden an Autos erwähnt.

Eckhardt Bieler hat keine Probleme, seinen Namen zu nennen, wenn er Kritik loswerden will. Bieler fragt sich, ob das Aufstellen von über 80 Bienenstöcken auf einem so kleinen Grundstück rechtmäßig ist. Das Friedberger Ordnungsamt verweist bei dieser Frage auf die Kreisverwaltung und das dortige Veterinäramt. Die Pressestelle des Wetteraukreises teilte mit, die Bienen seien entgegen anderslautender Behauptungen gesund. Es gebe keine Handhabe gegen den Imker, alles sei rechtens.

Aber auch artgerecht? Ernst Ruppel hat da Bedenken. Auch wenn es keine Handhabe seitens der Aufsichtsbehörden gebe, kann sich Ruppel vorstellen, dass die Anwohner vor Gericht Recht bekämen, weil es schlicht zu viele Bienen auf einem Fleck seien. Dazu müssten die Anwohner aber eine Klage einreichen. Hilfe von den Behörden dürfen sie nicht erwarten. Der Imker aus dem Mühlfeld war für die WZ nicht erreichbar.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare