Marcus Schepp, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands, an der Nitrat-Messstelle am Ossenheimer Wäldchen. Eine frühere Abfalldeponie, eine Sandgrube und die US-Armee könnten die Werte verfälschen, glauben die Landwirte. FOTO: PM
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Marcus Schepp, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands, an der Nitrat-Messstelle am Ossenheimer Wäldchen. Eine frühere Abfalldeponie, eine Sandgrube und die US-Armee könnten die Werte verfälschen, glauben die Landwirte. FOTO: PM

Bauern zweifeln an Messstelle

Verfälschen Abfalldeponie, Sandgrube und US-Armee die Nitrat-Messung im Ossenheimer Wäldchen

  • vonred Redaktion
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In Bezug auf den erhöhten Nitrat-Gehalt im Grundwasser gilt die Wetterau als rotes Gebiet. Aber verantwortlich dafür sei vor allem die Messstelle am Ossenheimer Wäldchen bei Friedberg, kritisiert der Regionalbauernverband. Er fordert weitere Messstellen.

Die große Bedeutung der Messstelle liege darin, dass sie im "Teilmessnetz Nitrat" nach Europäischer Wasserrahmenrichtlinie alleinig den nördlichen Bereich der Wetterau abdecke; die gemessenen Werte also stellvertretend dafür herangezogen würden, die Nitratimmissionen zwischen Münzenberg, Wöllstadt und Altenstadt abzubilden. Neben vier weiteren Messstellen in der mittleren und südlichen Wetterau sei sie maßgeblich mit dafür verantwortlich, dass der flächenmäßig von Frankfurt nach Münzenberg reichende Grundwasserkörper per Verordnung 2019 als "nitratsensibles Gebiet" eingestuft wurde, heißt es in einer Pressemitteilung des Regionalbauernverbands. Gemeinsam mit dem Kreisbeigeordneten Matthias Walther (CDU) sowie Vertretern der Landwirtschaftsverwaltung und der Wasserschutzberatung machte sich der Bauernvorstand nun ein Bild vor Ort.

Man habe große Zweifel daran, dass die Messstelle Ossenheim "tatsächlich valide Werte in Bezug auf Nitrat aus der Landwirtschaft liefert". Zwei alteingesessene Ossenheimer Landwirte, Gerd Preussner und Walter Haub, hätten den Verband darauf hingewiesen, dass hier früher die Abfalldeponie der Gemeinde Ossenheim gewesen sei. Außerdem habe sich in der Nähe eine Sandgrube befunden, wo Sand abgebaut wurde.

Uwe Schmittberger, stellvertretender Betriebsleiter des Wetterauer Abfallwirtschaftsbetriebs hatte laut der Pressemitteilung Einsicht in Kartenwerke des Landes sowie in das Altlastenkataster genommen und bestätigte beide Punkte. Zudem habe er angemerkt, dass das Terrain durch die Amerikaner stark bearbeitet worden sei; es seien damals große Bodenbewegungen vorgenommen worden.

Gutachter eingeschaltet

Auf die Zweifel an der Objektivität der Messstelle angesprochen habe der zuständige Dezernenten Matthias Walther das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) um eine Stellungnahme gebeten. Antwort: "Das HLNUG sieht keine Veranlassung, an der Gültigkeit und Repräsentativität der Messstelle zu zweifeln, da man davon ausgehe, dass die kartierten Altlasten wahrscheinlich keinen Einfluss auf die Messstelle ausüben würden, ferner liege die angesprochene Deponie abstromig der Messstelle", teilt der Bauernverband mit. Beigefügt waren demnach ein Gutachten zur Abfalldeponie aus dem Jahre 2009 sowie aktuelle Messwerte. "Erwartungsgemäß hat das HLNUG, welches ja selbst die Entscheidung zum Standort dieser Messstelle getroffen hatte, unsere Fragen bezüglich der Abfalldeponie und der Sandgrube als nicht relevant eingestuft. Unsere Zweifel sind damit allerdings nicht ausgeräumt", betont Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbands. Dieser habe die Angelegenheit einem Gutachter auf dem Fachgebiet der Hydrogeologie übergeben, der bereits die anderen 85 hessischen Messstellen unter die Lupe genommen und bei mehr als einem Drittel gravierende Mängel festgestellt habe. Rahn-Farr: "Er wird jetzt konkret noch einmal die Gegebenheiten in Ossenheim untersuchen und unsere neueren Erkenntnisse zur Nachbarschaft mit der Abfalldeponie und der Sandgrube mit berücksichtigen"

Weniger Dünger in Aussicht gestellt

Kreislandwirt Michael Schneller findet es unverhältnismäßig, ein so riesiges Gebiet zum "roten Gebiet" zu machen, wenn eine Messstelle, die mit Zweifeln behaftet sei, dazu beitrage. "Wir müssen uns 100-prozentig darauf verlassen können, dass die gemessenen Werte auch tatsächlich durch die Landwirtschaft entstanden sind. Wenn das in einem Gebiet so sein sollte, dann sind wir natürlich bereit, durch Umstellung der Bewirtschaftung hier an der Verbesserung der Werte mitzuarbeiten", sagt er. Dies habe gravierende Folgen für die Bauern, man dürfe deshalb damit nicht leichtfertig umgehen. "Sollten die hohen Nitratwerte nicht durch die Landwirtschaft verursacht sein, wird nämlich auch eine Einschränkung der Düngung keine Verbesserung bringen - alle Mühen und Kosten umsonst."

Der Regionalbauernverband fordert deshalb mehr Messstellen in der Wetterau, die "bezüglich Standort, Wartung und Probennahme über jeden Zweifel erhaben" seien.

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