Große Teile des Waldes auf dem Wintersteinkamm sind durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer zerstört. Ein Ergebnis des Klimawandels. Naturschützer fordern, die Lücken mit Windrädern zu füllen. Andere halten das für Naturfrevel. FOTO: NICI MERZ
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Große Teile des Waldes auf dem Wintersteinkamm sind durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer zerstört. Ein Ergebnis des Klimawandels. Naturschützer fordern, die Lücken mit Windrädern zu füllen. Andere halten das für Naturfrevel. FOTO: NICI MERZ

Windkraftanlagen

Verein fordert: 23 Windräder auf dem Winterstein bei Friedberg

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Werden Windräder auf dem Winterstein umweltfreundliche Energie erzeugen? Oder ist der Bau von Windrädern im Wald Umweltfrevel? Ein Verein bringt für das Areal bei Friedberg 23 Anlagen ins Spiel.

Der Bebauungsplan für das "Natur- und Erholungsgebiet Winterstein" wird momentan beraten. Naturschutzverbände geben ihre Stellungnahmen ab, so auch der Energiebildungsverein (EBV) mit Sitz in Rockenberg. Wie EBV-Vorsitzender Diethard Stamm schreibt, sei man "verwundert, dass die Verfasser des Planes in den Kommunen neben extrem umstrittenen politischen Einflussnahmen auch noch elementare physikalische Mängel und Rechtsverstöße in das Papier gebracht haben".

EBV sieht Eingriff in Wettbewerbsrecht

Klar sei, dass im Flächennutzungsplan und im Regionalplan Flächen wie das Wintersteingebiet als Anteil an der hessenweit gültigen Zwei-Prozent-Windkraftfläche ausgewiesen sind. Friedberg, Rosbach, Ober-Mörlen und Wehrheim hätten deshalb eine Verpflichtung, dieses windhöffige Gebiet vollständig der Windkraftnutzung zuzuführen. "Dies mit drei Windkraftanlagen (WKA) abzuspeisen, wie jetzt geschehen, wäre so, als wenn man einem hungrigen Kind ein Plätzchen mit dem Hinweis gibt: Jetzt hast du satt zu sein."

Teile man die 414 Hektar große Wintersteinfläche durch die benötigte Fläche für eine WKA von maximal 18 Hektar, könne man von 23 Anlagen ausgehen, schreibt Stamm: "Auf dieser Basis haben die Kommunen zu arbeiten. Nicht erlaubt sei hingegen die jetzt noch in dem Papier stehende Vorgabe, dass nur "getriebefreie" WKAs eingesetzt werden dürften, da dies ein grundloser massiver Eingriff ins Wettbewerbsrecht sei. Da es in Deutschland praktisch nur eine Firma gebe, die so etwas herstelle, sei man zwangsläufig deren Preisen ausgesetzt, Konkurrenzangebote könnten nicht abgefragt werden.

Eine weitere "Zumutung" sei die nicht zulässige Festschreibung im B-Plan auf eine maximale Nabenhöhe von 145 Metern und gleichzeitig ein vorgeschriebener Flügelmindestabstand von 45 Metern über der Oberkante des Fundaments.

Einladung an die Ersteller des Plans

Stamm: "Dies belegt die Notwendigkeit, dass die B-Plan-Ersteller dringend einen Grundlehrgang zur Windkraft beim EBV besuchen sollten. Dort würden sie erfahren, dass die Standard-Flügellänge einer WKA bei 65 Metern liegt und sich somit automatisch schon bei 145 Metern Nabenhöhe ein Abstand zum Fundament von 80 Metern ergibt." Es sei wichtig, die Nabenhöhe offenzulassen, damit die WKA-Flügel in größerer Höhe stärkeren Wind und praktisch keine Vögel mehr erfassen könnten. Dies sei auch wichtig für den Ertrag der Kommunen, den der neue EEG-Entwurf des Bundesregierung ausdrücklich vorsehe, egal wer Betreiber der Windräder ist. Das EEG sehe auch die finanzielle Beteiligung der Bürger vor. Auch deshalb sei die Vollausnutzung der Wintersteinfläche geboten.

Der EBV fordert, die Kommunen sollten ein Gesamtkonzept für den Winterstein erstellen, in dem der Schwerpunkt das Einbeziehen professioneller Planer sein müsse. Der aktuelle B-Plan sei rechtlich nicht haltbar und müsse grundlegend überarbeitet werden. Würden die Eingaben des EBV dabei nicht beachtet, erwäge man eine Klage. Das Wintersteingebiet verdeutliche die Auswirkungen des Klimawandels. Eine "Verhinderungsplanung" in dem großflächig zerstörten Wald dürfe nicht zugelassen werden. Die 23 vorgeschlagenen Windräder erzeugten immerhin rund 80 Prozent des aktuell benötigten Stroms in den vier Kommunen. Stamm: "Alleine dies erfordert ein Umdenken."

Der EBV ruft die Bevölkerung auf, gegen die Planung der vier Kommunen zu protestieren. Die nächste Gelegenheit dazu ist am Klima-Streiktag am Freitag, 25. September, gemeinsam mit "Fridays for Future" in Friedberg. Stamm wird eine Rede halten und den Zusammenhang zwischen Klimawandel, zerstörten Waldgebieten und dem Gegenwirken durch möglichst viele Windkraftanlagen auf dem Gelände des Wintersteins erläutern.

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