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Unterversorgt und überfordert

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Wetteraukreis (pm). Die Lage in Indien ist dramatisch. Pro Tag infizieren sich mehr als 400 000 Menschen neu mit Corona, rund 4000 Menschen sterben. Die Zahlen steigen täglich. Das Gesundheitssystem droht zusammenzubrechen und ist am Rande seiner Möglichkeiten. Menschen versuchen verzweifelt, in Krankenhäusern ein freies Bett für ihre Angehörigen zu bekommen.

Die Vorräte an Sauerstoff für an Covid-19 Erkrankte sind in einigen Regionen aufgebraucht, die Krematorien überlastet, berichtet das evangelische Dekanat Wetterau.

Seit Jahrzehnten sind die evangelischen Dekanate Wetterau und Gießen mit der Church of North India in Amritsar partnerschaftlich verbunden. Bischof Pradeep Samantaroy schreibt in seinem Krisenbericht von der aktuellen Lage: »Viele unserer Freunde, Kollegen und Familienmitglieder mussten ins Krankenhaus, einige sind gestorben.« Medizinische Einrichtungen im ganzen Land seien überfordert mit der Flut an Patienten und den Virusmutationen. Und der erwartete Höhepunkt der Infektionswelle Mitte Mai stehe noch bevor.

Problem ist Mangel an Sauerstoff

Ein großes Problem ist der Mangel an Sauerstoff. »Das führt nicht nur für viele Menschen zum Tod, sondern schafft auch die Rahmenbedingungen für mehr Gewaltausschreitungen und Unruhen.« Außerdem gehe der Impfstoff aus. Hilfslieferungen aus dem Ausland sind angekündigt, unter andere aus den USA und Deutschland. Die ersten haben Indien in diesen Tagen erreicht. Verantwortlich für die dramatische Lage ist unter anderem die Verbreitung der Corona-Mutante B.1.617. Die Gesamtzahl der Toten in dem Land liegt offiziell bei rund 200 000 - Experten gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus.

Viele Teile des Landes befinden sich im Lockdown, wie der Bischof berichtet. In Punjab gelte die Ausgangssperre an Wochentagen von 18 Uhr abends bis 5 Uhr morgens, am Wochenende herrsche ein generelles Ausgangsverbot. Schulen sind geschlossen und halten am Online-Unterricht fest.

Viele Saisonarbeiter aus Punjab kehrten aus Angst vor einem kompletten Lockdown in ihre Heimatstädte zurück. Sie hätten es derzeit schwer, Arbeit zu finden. »Auch wenn der landesweite Lockdown die Ausbreitung verlangsamt, erschweren die hohe Bevölkerungsdichte sowie die niedrigen Lebensstandards in Teilen des Landes die Bekämpfung des Virus.« Die Diözese plant daher akute Nothilfen: Die Verteilung von Mahlzeiten, Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln wie Masken, Desinfektionsmittel und Seife wie im letzten Jahr soll wieder aufgenommen werden.

Spendenkonto eingerichtet

Durch das gute Netzwerk der Diözese, so der Bischof, könne man den Kontakt zwischen bedürftigen Menschen und medizinischen Einrichtungen herstellen und so Sauerstofflieferungen veranlassen oder bei der Suche nach freien Krankenhausbetten helfen.

Außerdem arbeite die Diözese mit medizinischem Personal zusammen, um möglichst viele Menschen in der Region testen und impfen zu lassen. Die Kirche in Nordindien sieht sich in der Verantwortung, die Menschen zu unterstützen und sie zu ermutigen. Der Bischof ruft die ökumenischen Partner auf, die Menschen in Indien in ihre Gebete einzuschließen. Das evangelische Dekanat Wetterau bereitet eine Spendenaktion vor, um die Nothilfe vor Ort zu unterstützen. Spenden für die Hilfsaktion mit dem Stichwort »Corona-Hilfe Nordindien« werden erbeten an: Förderverein Amritsar, Volksbank Mittelhessen, IBAN DE62 5139 0000 0061 2367 08, Stichwort »Corona Relief Diözese Amritsar«

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