Mundschutz wird in Schulen empfohlen, ist kein Muss. Spätestens im Schulbuss aber ist die Maske verpflichtend. 		FOTOS: NICI MERZ/JÜRGEN WAGNER
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Mundschutz wird in Schulen empfohlen, ist kein Muss. Spätestens im Schulbuss aber ist die Maske verpflichtend. FOTOS: NICI MERZ/JÜRGEN WAGNER

Schulbetrieb läuft wieder an

Unterrichtsplanung richtet sich nach dem Live-Ticker

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Die Corona-Krise ist die erste Pandemie, mit der es die Schulen zu tun bekommen. Täglich ändert sich die Situation, der Schulbetrieb orientiert sich am Live-Ticker der Nachrichtenagenturen.

Die Atmosphäre in der Schule sei »ein bisschen unheimlich«, sagt eine Realschülerin. In der Henry-Benrath-Schule in Friedberg lernen sonst 1000 Schülerinnen und Schüler in 44 Klassen. In dieser Woche waren es 130 aus fünf Abschlussklassen, aufgeteilt in jeweils zwei Gruppen. Die Räume liegen weit auseinander, es gibt eigene Ein- und Ausgänge, eigene Schulhöfe. »Wenn man durch die leeren Flure geht, ist das ganz komisch«, sagt die Schülerin.

Komisch und gleichzeitig beglückend für die Schüler ist, dass niemand sitzenbleibt. »Da haben ein paar Leute Schwein gehabt«, sagt ein Hauptschüler. »Aber ist doch cool.«

Freie Plätze auf dem Lehrerparkplatz, nur zwei Fahrräder im Ständer. Würde der Laufbläser nicht infernalisch lärmen, könnte man sagen: Alles ist ruhig an der HBS. Ein Hausmeister der benachbarten Dieffenbach-Schule berichtet, wie in Zeiten von Corona die Planungen vom einen auf den anderen Tag über den Haufen geworfen werden. Mittwochs tagte die Gesamtkonferenz, da hieß es: Am Montag kommen die Abschlussklassen, pro Raum werden zehn Kinder unterrichtet. Was bedeutet: Hygienemaßnahmen vorbereiten, Tische und Stühle stellen. Als das am Freitagabend erledigt war, kippte ein Gericht den Beschluss der Kultusminister; die Grundschüler bleiben vorerst alle zu Hause. Die ganze Arbeit umsonst.

Als sich Tanja Wesemann, Schulleiterin der Henry-Benrath-Schule, am Telefon meldet, erzählt sie als stolz vom 1. Preis, den ihre Schule gewonnen hat. An der HBS gibt es anstelle einer Schülerzeitung ein Pausenradio und die Instagram-Seite »Henry-Online«, die vom Kultusminister ausgezeichnet wurden. Doch solche Preise, hinter denen stets großes Engagement steht, rücken derzeit in den Hintergrund.

Digitales Lernen in der Schule

»Wir beschäftigen uns im Kollegium momentan mehr mit digitalem Lernen.« Die HBS sei darauf gut vorbereitet, das IT-Team habe die Kollegen im Umgang mit der Lernplattform »Wtkedu« des Wetteraukreises geschult. Schüler mit eigenem PC können zu Hause Unterrichtsmaterialien abrufen. Wer keinen PC hat, bekommt den Lernstoff per Post oder die Lehrerin bringt’s vorbei. Wesemann: »Wir gehen da unterschiedliche Wege, dank des großen Engagements der Lehrkräfte, der Eltern und Schüler klappt das sehr gut.«

Die Abschlussklassenschüler und ihre Eltern wurden vergangene Woche brieflich über erforderliche Hygienemaßnahmen informiert, in der HBS ging die Schulleitung durch alle Klassenräume, um die Schüler zu instruieren, welche Toilette sie benutzen dürfen und wie die Räume zu lüften sind.

Diese Woche standen nur die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathe auf dem Lehrplan. Die Abschlussprüfungen wurden vom 11. auf den 25. Mai verschoben. Wesemann: »Dadurch haben wir etwas Zeit gewonnen. Momentan wird viel Lernstoff wiederholt.« Was die Zukunft bringt? Schwierig zu sagen. Wesemann: »Wir wissen nur das, was uns der Kultusminister sagt. Aber wir machen das Beste daraus.«

Kein Schüler muss in diesem Schuljahr sitzenbleiben

Martin Göbler, Leiter der Friedberger Augustinerschule, kann sich da seiner Kollegin anschließen. »Wir können nur alle versuchen, das Beste aus dieser Situation zu machen.« Göbler verspürt eine Art Gelassenheit in der Schullandschaft. Die Pandemie ist da, also gilt es, die Krise so gut wie möglich zu meistern - das ist offenbar die Devise. An der Augustinerschule werden zu normalen Zeiten rund 1250 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Derzeit sind es rund 100. Die sollen, wenn sie auf dem Weg zum Klassenraum sind, Masken tragen. Göbler: »Das ist nicht verpflichtend, sondern eine Empfehlung.« Es gibt auch hier kleine Klassengruppen und genügend Abstand zwischen den Tischen.

Der digitale Unterricht funktioniere gut, sagt Göbler. Die Schüler arbeiten an eigenen Laptops oder PCs. »In wenigen Fällen gab es Kollisionen mit Eltern, die im Home Office arbeiteten und den PC selbst benötigten.« Das seien aber Ausnahmen, man habe Regelungen gefunden, um solche Probleme zu beheben. Bekämen alle Schüler vom Schulträger einen Laptop gestellt: Wären digitale Probleme dann nicht leichter zu bewältigen? Göbler: »Das wäre das Optimum.«

Auch an der »August« wird niemand sitzenbleiben. »Die Lehrer können Empfehlungen aussprechen, dass ein Schüler oder eine Schülerin die Klasse freiwillig wiederholt. Theoretisch können die Eltern aber sagen: Mein Kind wird trotzdem versetzt.« Dann müssen diese Schüler eben im nächsten Schuljahr zeigen, dass sie den Lernstoff beherrschen.

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