An der Singbergschule in Wölfersheim wird ab Montag wieder etwas mehr Leben einkehren. Um Abstände zu wahren, stehen die Tische weiter auseinander. Schulleiter Olaf Bogusch und sein Team haben zudem Hinweisschilder aufgehängt.
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An der Singbergschule in Wölfersheim wird ab Montag wieder etwas mehr Leben einkehren. Um Abstände zu wahren, stehen die Tische weiter auseinander. Schulleiter Olaf Bogusch und sein Team haben zudem Hinweisschilder aufgehängt.

Corona-Lockerungen

Unterricht auf Abstand: Wetterauer Schulen treffen Vorkehrungen

  • Anna-Luisa Hortien
    vonAnna-Luisa Hortien
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Am Montag soll der Unterricht für einige Schüler wieder beginnen. An der Wölfersheimer Singbergschule sind es rund 170. Schulleiter Olaf Bogusch ist zuversichtlich, dass der Start gelingt.

Die Vorbereitungen für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs laufen auf Hochtouren. An der Wölfersheimer Singbergschule werden Klassenräume umgeräumt und Hinweisschilder angebracht. Schulleiter Olaf Bogusch und sein Team müssen dafür sorgen, dass genug Seife da ist und den Einsatz der Lehrkräfte koordinieren. Schon die ganze Woche sind sie damit beschäftigt, die Vorgaben an der Gesamtschule umzusetzen. Am Mittwochabend hat das Kultusministerium zusätzlich einen Hygieneplan veröffentlicht, der zum Beispiel vorgibt, was zu tun ist, wenn ein Schüler Anzeichen für eine Infektion mit dem Corona-Virus zeigt.

»Am Montag kehren zunächst die Abschlussklassen in die Schule zurück«, sagt Bogusch. Das sind die Schüler der zehnten Realschulklassen sowie der neunten Hauptschulklassen, außerdem die Schüler der Jahrgangsstufe 12. »Die Abiturienten bereiten sich zu Hause in Absprache mit ihren Lehrern auf die mündlichen Prüfungen vor.« Die finden vom 25. Mai bis zum 5. Juni statt.

Corona Krise: Schulen öffnen wieder und unterrichten zunächst nur Prüfungsfächer

Doch wie lässt sich sicherstellen, dass die vorerst rund 170 Schüler im neuen Schulalltag Abstand zueinander halten? »Wir profitieren im Moment noch davon, dass unsere Schule so groß ist«, sagt Bogusch. Die Klassen seien auf unterschiedliche Gebäude aufgeteilt, wenn möglich würden sie sogar verschiedene Treppenaufgänge nutzen. »Die Schüler sollen so wenig Kontakt wie möglich haben.« In einem Klassenraum sollen maximal 15 Schüler unterrichtet werden, die weit auseinander sitzen. »Wenn die Klassen größer sind, teilen wir sie auf zwei Räume auf, mit jeweils einer Lehrkraft.«

Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören - also etwa über 60 oder schwanger sind -, müssen nicht in die Schule kommen. »Sie organisieren weiterhin den Unterricht für die Schüler, die noch zu Hause sind.« Aktuell entstünden dadurch keine Lücken. »Wenn noch mehr Schüler wieder in die Schule dürfen, könnten das aber passieren.«

Der Hygieneplan sieht vor, dass Schüler, die bei einer Infektion mit dem Virus dem Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ausgesetzt sind, vom Schulbetrieb nach ärztlicher Bescheinigung befreit sind. Gleiches gilt für Schüler, die mit Angehörigen einer Risikogruppe in einem Hausstand leben.

Unterrichtet werden sollen in den Abschlussklassen zunächst die Prüfungsfächer, also Deutsch, Mathe und Englisch, sagt Bogusch. Die Prüfungen werden vom 25. bis 29. Mai geschrieben. Für die Abschlussklassen ende der Unterricht danach. Die Jahrgangsstufe 12 werde zunächst in den Leistungskursen sowie in Deutsch und Mathe unterrichtet. »Sport- und Musikunterricht entfallen allerdings«, sagt Bogusch. Es sei ein langsamer Einstieg, danach müsse man sehen, wie es weitergehe. Dann stelle sich auch die Frage, ob man die Schulklassen an unterschiedlichen Tagen unterrichte. Das sei zunächst aber nicht notwendig.

In den Pausen sei geplant, dass sich die Schüler nur auf den Schulhöfen aufhielten, die zu ihrem Gebäude gehörten. Aufsichtskräfte würden darauf achten, dass Abstand gehalten werde. Nach Schulschluss soll es eine Bus-Aufsicht geben. »Morgens bitten wir die Schüler, zügig zu ihren Gebäuden zu gehen«, sagt Bogusch. Er gehe davon aus, dass auch einige Schüler mit dem Auto zur Schule gebracht würden.

Corona-Krise: Keine Maskenpflicht im Klassenraum

In öffentlichen Verkehrsmitteln, wie den Schulbusse, ist das Tragen einer Mund-Nasen-Maske verpflichtend. »Während des Unterrichts sieht das der Plan nicht vor.« Am Donnerstagmittag gab es noch keine Maskenpflicht für Schulen. »Ich halte es aber für sinnvoll und empfehle den Schülern, zumindest in der Pause eine Maske zu tragen«, sagt Bogusch. »Jeder, der möchte, kann das natürlich auch im Unterricht tun.«

Insgesamt sieht Bogusch die Schule für die kommende Woche gut aufgestellt. »Der Unterricht mit den Abschlussklassen und der Jahrgangsstufe 12 ist leistbar«, sagt er. »Spannend wird es, wenn noch mehr Schüler hinzukommen.« Dann müsste einiges überdacht und flexibel reagiert werden. Oft kämen neue Infos kurzfristig. »Wichtig ist, dass wir alle ruhig bleiben und mit Geduld an die Sache herangehen«, sagt Bogusch. Er bitte um Verständnis, wenn am ersten Tag nicht gleich alles rund laufe. »Das ist kein böser Wille, sondern der für uns alle neuen Situation geschuldet.«

Corona-Krise: Wetterauer Lehrer plagen Sorgen vor Schulöffnung

Zur Öffnung der Schulen am Montag gibt es unterschiedliche Meinungen. Für eine Grundschullehrerin aus dem Wetteraukreis kommt sie zu früh. »Das Kontaktverbot gilt bis zum 4. Mai, aber die Schule startet eine Woche früher, das verstehe ich nicht«, sagt die Lehrerin, die anonym bleiben möchte. »Warum wartet man nicht noch eine Woche, das hätte keinen großen Unterschied gemacht.« Sie findet außerdem, dass die Entscheidung zu kurzfristig gefallen sei. Vergangenen Mittwoch hatte Ministerpräsident Volker Bouffier die Entscheidung verkündet. Die Vorlaufzeit sie zu kurz.

Die Lehrerin kritisiert außerdem mangelnde Unterstützung vom Schulträger, dem Wetteraukreis. »Der Kreis sollte Standards setzen und ein Konzept vorgeben«, findet sie. Bis das Kultusministerium den Hygieneplan am Mittwochabend veröffentlich habe, sei jede Schule weitestgehend auf sich gestellt gewesen. Sie wisse, so die Lehrerin, dass es in anderen Kreisen besser gelaufen sei. Der Hochtaunuskreis habe direkt ein Hygienekonzept für die Schulen ausgearbeitet. Jedes Kind solle am Montag ein eigenes Handtuch und eine eigene Seife erhalten.

Die Lehrerin und ihre Kolleginnen haben Sorge, ob die Hygienestandards an Wetterauer Schulen eingehalten werden können. Nicht überall seien Papierhandtücher und Desinfektionsmittel vorhanden. Klassenräume sollten täglich gereinigt werden. »Ich frage mich, wie das sichergestellt wird«, sagt die Lehrerin. Sie habe Bedenken, dass Lehrer und Schüler am Ende selbst mit anpacken müssten. Sie frage sich außerdem, wie der Schulträger kontrolliere, dass Abstands- und Hygieneregeln eingehalten würden.

Schulöffnung am Montag: Keine Notbetreuung für Kinder von Lehrern

Nicht nur Lehrer, auch die Eltern hätten viele Fragen, die die Schulleiter beantworten müssten. »Es wäre schön, wenn der Kreis den Schulen ein Konzept vorgegeben hätte, auf das sie sich dabei stützen könnten.«

Zudem sei die Personalsituation schwierig. »Wir haben sowieso einen hohen Krankenstand«, sagt die Lehrerin. Manche Kollegen könnten eigentlich zu Hause bleiben, wollten aber ihre Klassen und die Schulleiter nicht hängen lassen. Aufgrund der kleinen Gruppengröße würden mehr Lehrer benötigt. Und: Wer selbst kleine Kinder zu Hause habe, müsse eine Betreuung organisieren. Denn aktuell seien Kinder von Lehrern nicht für die Notbetreuung vorgesehen. »Die Schulleitung versucht uns da zum Glück entgegenzukommen.«

Für die Wetterauer Lehrerin und ihre Kollegen bleiben viele Fragen offen: Was, wenn Kollegen am Virus erkranken? Werden die Kinder genug Abstand halten? Wann sollen die Lehrer dazwischen gehen? Wie wird die Frühstückspause ablaufen? Ist eine Schutzscheibe am Lehrerpult notwendig? Sollten Lehrer einen Mundschutz tragen? Dem Montag blickt sie deshalb sorgenvoll entgegen. »Für mich ging das alles einfach zu schnell.«

Der Wetteraukreis betont auf Anfrage, dass man den Hygieneplan des Landes voll unterstütze und dem nichts hinzuzufügen sei. Händewaschen sei in allen Schulen möglich, und laut Robert-Koch-Institut reiche dazu auch kaltes Wasser und Seife. Kontrollen würden nicht stattfinden. Man habe vollstes Vertrauen in die Schulleiter und Lehrkräfte, dass sie die vorgegebenen Maßnahmen korrekt umsetzen würden. Wenn überhaupt, sei das staatliche Schulamt dafür zuständig.

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