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Ein unspektakuläres Gewitterchen im Wetteraukreis

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Wetteraukreis (jw). Häuser unbewohnbar, Keller mit Wasser vollgelaufen, die Straßen voller Schlamm und Schutt: Was das schwere Unwetter im 900-Einwohner-Ort Braunsbach in Baden-Württemberg angerichtet hat, erinnert an die »Jahrhundertkatastrophe« von Nidda-Wallernhausen.

Eine Flutwelle stürzte den Ort im Juli 2014 ins Chaos; auch umliegende Gemeinden wurden arg in Mitleidenschaft gezogen. Diesmal gab es Entwarnung für die Wetterau. Die Gewitterfront mit Blitzeinschlägen und starkem Regen, die am Wochenende im Rhein-Main-Gebiet Autobahnen überschwemmte und die Feuerwehren auf Trab hielt, hat im Wetteraukreis keine größeren Spuren hinterlassen.

»Tief Elvira hat die Wetterau weitgehend verschont«, sagt Kreispressesprecher Michael Elsaß. Nur im Bereich Friedberg, Bad Nauheim und Ober-Mörlen hätten die Feuerwehren zu einigen wenigen Einsätzen ausrücken müssen. »Wir haben Glück gehabt«, wird Landrat Joachim Arnold zitiert. Bad Nauheims Stadtbrandinspektor Ronald Neumann bestätigt das: »Wir wurden weitgehend verschont, es gab nur zwei Einsätze in der Nacht zum Montag.«

Die Freiwillige Feuerwehr Rödgen wurde um 1.38 Uhr in die Wettertalstraße gerufen. Die Kanalisation konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, das Sturzwasser wurde in ein Haus gedrückt. Neumann: »Die Feuerwehr hat das Wasser mit einem Industriestaubsauger abgepumpt.« Bis 3.30 Uhr waren sieben Einsatzkräfte damit beschäftigt. Um 1.47 Uhr wurde die Nieder-Mörler Wehr alarmiert: In der Jakob-Heil-Straße drohte ein Haus mit Wasser vollzulaufen. Um das Gebäude im Neubaugebiet zieht sich ein Graben, der vollgelaufen war. Auch hier kamen Elektropumpen zum Einsatz, acht Mitglieder der Feuerwehr errichteten einen Schutzwall. Am Flugplatz in Ober-Mörlen beschädigte der Sturm kurz nach 23 Uhr eine Eiche. Ein großer Ast brach ab und fiel auf die Verbindungsstraße nach Bad Nauheim. Die Straße wurde gesperrt, Feuerwehrleute beseitigten den zehn Meter langen Ast. »Ein eher unspektakulärer Einsatz«, wie Ober-Mörlens Gemeindebrandinspektor Michael Schäfer sagt.

In Friedberg wurde die Feuerwehr laut Stadtbrandinspektor Michael Stotz zu zwei vollgelaufenen Keller in der Kernstadt gerufen. Obgleich es zahlreiche Feuerwehreinsätze in Frankfurt gab, blieb es in der südlichen Wetterau ruhig. »Wir hatten mit 31 Millimetern massiven Regen, haben aber trotzdem Glück gehabt«, sagt Karbens Stadtbrandinspektor Thomas Bier. Sein Kollege Karlheinz Moll aus Bad Vilbel ergänzt: »Viel Wasser, alles ruhig, kein Feuerwehreinsatz.«

Zugverkehr fällt ins Wasser

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) berichtete gestern von einem Blitzschlag in der Nähe von Niederdorfelden im Main-Kinzig-Kreis. Der Zugverkehr der Niddertalbahn (»Stockheimer Lieschen«) zwischen Bad Vilbel und Nidderau wurde zeitweise eingestellt, Busse dienten als Ersatz, es kam zu Verspätungen. Ein Blitzeinschlag in eine Telekom-Antenne sorgte zudem dafür, dass der Feuerwehrstützpunkt Bad Nauheim gestern zeitweise ohne Internet-Anschluss war. »Das ist ärgerlich, aber für die Alarmierungen kein Problem«, sagt Ronald Neumann.

Wilhelm Busch dichtete einst: »Und wird auch mal der Himmel grauer, / Wer voll Vertraun die Welt besieht, / Den freut es, wenn ein Regenschauer / Mit Sturm und Blitz vorüberzieht.« Die Landwirte und Hobbygärtner freuten sich über den Regen, zumal es keine Abschwämmungen von den Feldern gab. »Kein Hagel und kein Sturm, wir können zufrieden sein«, sagt Kreislandwirt Michael Schneller (Niddatal-Assenheim). »Es gab zwar noch keine Trockenheit, aber der Regen tut dem Boden und den Feldkulturen gut.« Das findet auch eine Hobbygärtnerin aus Heuchelheim, die in der Nacht zum Montag 26 Millimeter Niederschlag in ihrem Garten gemessen hat. »Die letzten beiden Mai-Monate waren knochentrocken, ich bin froh um jeden Regen. Der Boden saugt alles fröhlich auf, und die Karotten wachsen.«

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