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ABI-PLAKATE - In diesem Jahr hängen sie rund einen Monat später, die Plakate, mit denen Verwandte und Freunde den Abiturienten Mut zusprechen. Die Verzögerung ist der Corona-Pandemie geschuldet, die Abiturprüfungen wurden verschoben, finden hessenweit vom 21. April bis 5. Mai statt. Bis vor fünf Jahren hingen die Plakate des Burggymnasiums noch am äußeren Burgtor, was vielen Friedbergern nicht gefiel. Die Kaiserstraße schien auf eine große, steinerne Altkleidersammlung zuzulaufen. Übrigens ist die Größe der Plakate genau festgelegt, sie dürfen einen Quadratmeter nicht überschreiten und müssen spätestens am letzten Tag der schriftlichen Prüfungen wieder abgehängt werden. jw/FOTO: NICI MERZ

»Unser Abi ist nicht weniger wert«

  • vonInge Schneider
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Wetteraukreis (im). Für die Abiturienten wird es ernst: Rund 23 500 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen an Hessens Gymnasien und gymnasialen Oberstufen starten ab dem heutigen Mittwoch mit ihren schriftlichen Abschlussprüfungen - wie bereits im Jahr 2020 unter Pandemiebedingungen. Marlon Reiber, Kreisschulsprecher des Wetteraukreises und selbst Abiturient am Gymnasium Nidda, fühlt sich jedoch recht gut auf die bevorstehenden Prüfungen vorbereitet.

»Das liegt zum einen daran, dass ich im letzten Jahr nur vier Wochen nicht präsent unterrichtet wurde, zum anderen aber auch an meinen Lehrkräften und an meinen Mitschülern, die alle recht vorsichtig waren und durch deren Verhalten niemand in Quarantäne musste«, sagt er. »In meinem Fall wurde jeglicher abiturrelevante Unterrichtsstoff behandelt. Zudem wurden die Prüfungen seitens des Landes Hessen bewusst auf die Zeit nach den Osterferien verschoben, um Schülern und Lehrern mehr Zeit einzuräumen.«

Nach aktuellen Informationen besteht für die Abiturienten die Möglichkeit eines freiwilligen Tests, durch den sie während den Abiturprüfungen von der Maske befreit werden. Die Kurse müssen vermutlich gespalten werden und die Prüfungen in zwei verschiedenen Räumen schreiben, da sonst der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Außerdem darf man in diesem Jahr 30 Minuten länger als sonst üblich schreiben, da diese Zeit für eine Maskenpause mit einberechnet worden ist.

Hat der Kreisschulsprecher einen Eindruck von der Stimmung unter den Abiturienten kreisweit? »Selbstverständlich stehe ich mit fast allen Schulen in Kontakt«, sagt der 19-jährige aus Wallernhausen, der sich während seines eigenen Abiturs auf die Schwerpunkte Biologie, Politik, Wirtschaft und Geschichte konzentrieren wird. »Es gibt kreisweit recht viele Schülerinnen und Schüler, die sich nicht sehr gut auf das Abitur vorbereitet fühlen, da deren Kurse sogar mehrmals in Quarantäne mussten und dadurch viel Unterrichtsstoff verpasst wurde. Und ja, es hagelt Kritik«, sagt er. »Die Schülerschaft ist in der Frage, ob Prüfungen stattfinden sollten, sehr, sehr gespalten.« Die Daseinsberechtigung von Schülervertretungen werde angezweifelt, deren Zweck und Stimme kleingeredet und das auf Kosten der gesamten Schülerschaft. »Einige meiner Kolleginnen und Kollegen bekommen wegen ihren Positionierungen zu der Testpflicht an Schulen und der Durchführung der Abschlussprüfungen Drohungen und werden beleidigt. Bisher sind wir als Wetterauer Kreisschülerrat jedoch Gott sei Dank davon verschont geblieben. In anderen Kreisen und Bundesländern sieht das anders aus. Da wurden teilweise die Adressdaten von Schülervertreterinnen und -vertretern in Querdenker-Gruppen verbreitet.«

Den Kontakt der Abiturienten zu ihren Lehrkräften empfindet Marlon Reiber als recht gut, schätzt die Situation in den Klassen 7 bis 11 durch den verlängerten Fernunterricht aber als bedeutend schwieriger ein. Für Lehrkräfte, die mehrere Klassen betreuen müssten, sei es schlicht eine unmögliche Aufgabe, sich mit allen Jugendlichen länger zu unterhalten beziehungsweise E-Mails zu schreiben.

Benotung im Fernunterricht?

Welche Folgen wird Corona für die Abi-Noten haben? »Definitiv hat Corona massive Auswirkungen, auch auf die schulischen Leistungen. Es gibt bei vielen von uns große psychische Probleme durch die Pandemie«, sagt Reiber. »Im Fernunterricht war eine möglichst objektive Benotung schlicht unmöglich, denn die Schülerinnen und Schüler haben zu Hause keineswegs einheitliche Grundbedingungen für ein gutes Lernen - und da ist die technische Ausstattung nur die Spitze des Eisbergs. Ich würde trotzdem sagen, dass unser Abschlussjahrgang 2021 seine Abschlüsse nicht wegen, sondern trotz Corona bestehen wird. Unser Abitur ist nicht weniger wert, im Gegenteil, die Umstellung von normalem Unterricht zum Fernunterricht und umgekehrt sowie das viel eigenständigere Lernen haben für unser Leben sicherlich einen Mehrwert.« FOTO: ARCHIV

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