Dem Kreiselternbeirat sind die Lüftungsmöglichkeiten in vielen Klassenräumen zu wenig. FOTO: PM
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Dem Kreiselternbeirat sind die Lüftungsmöglichkeiten in vielen Klassenräumen zu wenig. FOTO: PM

"Unredliche Behauptung"

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Wetteraukreis(rüg/pm). Mit dem Lockdown hat am Mittwoch eine weitgehende Lähmung des öffentlichen Lebens begonnen, die zunächst bis zum 10. Januar dauern soll. Auch die Schulen sind betroffen. Sie bleiben zwar bis zum Weihnachtsferienbeginn am heutigen Freitag grundsätzlich offen, allerdings wurde ab Mittwoch die Präsenzpflicht aufgehoben.

Seitens des Kreiselternbeirats gab es zuletzt Kritik an den politisch bestimmten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, die sich vor allem an einer Studie der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) festmacht. Laut dieser Studie ist Stoßlüften deutlich effektiver als der Einsatz von Luftfiltergeräten.

Der Kreiselternbeirat plädiert für beides und warf der THM in diesem Zusammenhang in einem Interview mit dieser Zeitung unter anderem vor, vom Kultus- bzw. Sozialministerium (HKMI, HSMI) in Wiesbaden mit dieser Studie beauftragt worden zu sein. Dies werde aber nicht offengelegt, der Kreiselternbeirat spricht von "intransparenter Trickserei", da Wiesbaden Filtergeräte aus Kostengründen ablehne.

Hierzu nimmt nun die THM Stellung: "Wir haben großes Verständnis dafür, dass der Wetterauer Kreiselternbeirat alles unternimmt, den Schulbetrieb in Corona-Zeiten so sicher wie möglich zu machen", teilt Pressesprecher Armin Eikenberg mit. Im Interview hätten sich die drei Mitglieder des Beirats dafür ausgesprochen, Klassenräume mit Luftfiltergeräten auszustatten und in diesem Zusammenhang eine Studie von Prof. Dr. Hans-Martin Seipp kritisiert, der in einer Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen sei, dass regelmäßiges Lüften der Räume weitaus mehr zu empfehlen ist als der Einsatz von Filtergeräten.

"Selbstverständlich ist es legitim, die Ergebnisse von Studien zu diskutieren und fachkundig in Zweifel zu ziehen. Solche Diskussionen fördern den Erkenntnisfortschritt und sind Basis wissenschaftlicher Arbeit", teilt die THM mit.

Weder Auftrag, noch Entlohnung

"Unredlich ist allerdings die Behauptung, das hessische Sozialministerium und das hessische Kultusministerium hätten die Untersuchung in Auftrag gegeben, die THM habe dies verschwiegen, ›und durch diese intransparente Trickserei kann nun die Einzelmeinung der THM bundesweit durch Politiker ausgeschlachtet werden, um bloß kein Geld für Filtergeräte ausgeben zu müssen‹, wie der Kreiselternbeirat behauptet."

Prof. Seipp habe bereits öffentlich klargestellt (siehe Wetterauer Zeitung vom 27. November), "dass es - im Unterschied zu verschiedenen Studien, die den Einsatz von Luftfiltergeräten propagieren - weder einen Auftrag noch eine Entlohnung durch Dritte gegeben hat".

Ergebnisse keine Einzelmeinung

Falsch sei auch die Behauptung, die Studienergebnisse stellten eine "Einzelmeinung der THM" dar. "Das Umweltbundesamt empfiehlt in einer Veröffentlichung vom Oktober dieses Jahres ebenfalls die Stoßlüftung als wesentliche Maßnahme zur Minderung der Viruslast und hält Luftreinigungsgeräte nur im Ausnahmefall für sinnvoll. Die Arbeitsschutzrichtlinien sehen seit Jahrzehnten die Stoßlüftung als wesentliche Maßnahme zur CO2-Minderung in geschlossenen Räumen vor", erklärt die THM abschließend.

Das Kultusministerium teilte auf Anfrage mit, dass es keine offizielle Beauftragung und auch keine Bezahlung der Seipp-Studie gegeben habe. "Prof. Seipp wurde auf Vorschlag des HMSI hinzugezogen und sah sich aufgrund der Veröffentlichungen von Herrn Prof. Curtius dazu veranlasst Nachmessungen durchzuführen und diese zu veröffentlichen", erklärte der stellvertretende Ministeriumssprecher Philipp Bender. Die Studie von Prof. Curtius zu Luftfiltergeräten habe dieser selbst initiiert. Allerdings habe die hessische Landesregierung unter anderem auf Basis der beiden Studien von Prof. Curtius und Prof. Seipp beschlossen, den Trägern für die Kitas und die Schulen in Hessen insgesamt 75 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um damit die grundsätzliche Hygiene an den Schulen zu verbessern.

Davon profitiere auch der Wetteraukreis in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro. Diese könnten auch für Investitionen in Luftfiltergeräte genutzt werden. Dies sei aber eine Entscheidung der jeweiligen Kommunen, in diesem Fall des Wetteraukreises, wie das Geld eingesetzt werde, erläuterte Bender.

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