Die Ampel zeigt "Rot", so kann’s nicht weitergehen: Die Kaiserstraße wird vom Kraftfahrzeugverkehr dominiert, Politik und Bürger wünschen sich mehr Aufenthaltsqualität. Die UWG hat sich dazu Gedanken gemacht.		FOTO: NICI MERZ
+
Die Ampel zeigt »Rot«, so kann’s nicht weitergehen: Die Kaiserstraße wird vom Kraftfahrzeugverkehr dominiert, Politik und Bürger wünschen sich mehr Aufenthaltsqualität. Die UWG hat sich dazu Gedanken gemacht. FOTO: NICI MERZ

Weniger Autos, mehr Aufenthaltsqualität

Umgestaltungspläne: UWG will die Kaiserstraße »neu denken«

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
    schließen

Die Friedberger Kaiserstraße wird auch 2021 noch nicht umgebaut. Die UWG hat nun einen Entwurf zur Umgestaltung der zentralen Einkaufsstraße vorgelegt, will die Kaiserstraße »neu denken«.

Den Haushaltsentwurf für 2021 beherrschen andere Themen, die Kaiserstraße taucht dort nicht auf. Das Thema ist aber nur aufgeschoben. Die UWG habe sich in den letzten Wochen intensiv mit der Kaiserstraße beschäftigt und eine Vision erarbeitet, berichtet Friedrich Wilhelm Durchdewald. Die Stichworte lauten: Attraktivitätssteigerung, Aufenthaltsqualität, fließender und ruhender Verkehr, Radverkehr, »Joh«, Museum, historische Bausubstanz.

Die Kaiserstraße werde mehr und mehr zum »Sorgenkind« der Stadtentwicklung, heißt es in dem UWG-Konzept. Zwischen Burg und Ockstädter Straße veröde der Stadtraum, es gebe zu wenig Aufenthaltsflächen, der (zu schnelle) Kraftfahrzeugverkehr werde zu stark gewichtet, im Gegensatz zum Radverkehr.

Mit der Corona-Pandemie hätten sich die Rahmenbedingungen für den Handel verschärft. Das »aktuelle« Konzept zur Umgestaltung sei aber bereits rund 20 Jahre alt und von der Realität überholt, so die UWG. Die Fortentwicklung der Kaiserstraße entscheide über private Investitionen, das betreffe z. B. das ehemalige Kaufhaus Joh. Künftige Entwicklungen müssten ins Auge gefasst werden. Der Wert von Innenstädten messe sich künftig nicht nur am Warenangebot, sondern immer mehr an der Aufenthaltsqualität. Eventflächen und (Außen-)Gastronomie seien gefragt. Der Radverkehr nehme zu, was auch für E-Scooter gelte. All dies, so Durchdewald, müsse bei der Planung bedacht werden.

Wie sieht die Situation der Kaiserstraße heute aus? Die Straße ist ungewöhnlich breit, zwischen 20 (Ockstädter Straße) und 43 Meter (Elvis-Presley-Platz). Die Bäume stehen fünf bis sechs Meter von den Häusern entfernt, im Sommer verdecken sie deren historische Bausubstanz. Die Gehwege seien teils relativ schmal, die Verkehrsbelastung hoch, geschützte Radwege gebe es keine.

Weniger Parkplätze, mehr Radwege

Die Lösungen, welche die UWG vorschlägt: eine klare Gliederung der Verkehrsflächen inklusive Radwege, weniger Platz für den »ruhenden Verkehr«, mehr Platz für Anlieferung, mehr Aufenthalts- und Eventflächen. Die künftige Baumpflanzung müsse sich am Verkehrsraum orientieren, solle näher an die Straße rücken und als »optische Bremse« dienen, wodurch die historische Bausubstanz wieder sichtbar wird.

Die UWG hat auch Skizzen angefertigt, um die Aufteilung des Verkehrsraums zu demonstrieren. Mit diesem Vorschlag, so Durchdewald, würde »allen Beteiligten im Stadtraum umfänglich entsprochen«: Es gibt Parkplätze, aber auch viel Platz für den Radverkehr, die Bäume stehen an der schmalsten Stelle etwa 6,50 Meter von den Häusern entfernt, an den anderen Stellen deutlich mehr. Die Aufenthaltsqualität für Fußgänger erhöhe sich deutlich.

Lediglich an der schmalsten Stelle der Kaiserstraße, in Höhe der Ockstädter Straße, müssten Radfahrer auf die Fahrbahn geleitet werden. An der Kreuzung ist ein Verkehrskreisel vorgesehen. Da die Bäume hier nur zehn Meter auseinanderstehen (sonst zwölf Meter), ergebe sich eine optische Einengung der Kaiserstraße. Die Gehwege könnten an dieser Stelle verbreitert werden, der Parkstreifen bliebe erhalten.

Werde überall eine Gehwegbreite von vier Metern hergestellt, seien Schrägparkplätze nur noch in wenigen Bereichen möglich. Die UWG verweist auf das City-Parkhaus, den Parkplatz Dieffenbach-Schule und eine Änderung des Parkplatzes am Konrad-Adenauer-Plazt (siehe Kasten).

Durchdewald spricht von einer »neuen Denke« für die Kaiserstraße. Menschen mit Handicap müssten bei der Planung berücksichtigt werden, der Kraftverkehr müsse auf reinen Ziel- und Quellverkehr reduziert werden, von 6 bis 10 Uhr sollten verschiedene Parkplätze als Ladezonen ausgewiesen werden. Das Ziel, schreibt Durchdewald, sei eine »kreative Stadt mit hoher Arbeits- und Lebensqualität«.

Vorschlag: Parkdeck auf dem Konrad-Adenauer-Platz

Der Konrad-Adenauer-Platz ist derzeit kein Vorzeigeplatz. Eine Umgestaltung wurde mehrfach gefordert. Die UWG schlägt den Bau eines zweigeschossigen Parkdecks an dieser Stelle vor. »Anstatt einer Parkplatzablöse böte es sich an, einen künftigen Investor zur Schaffung der benötigten Parkplätze zur Beteiligung an einem solchen Parkdeck zu verpflichten.« Damit ließe sich die Zahl der Parkplätze an diesem Ort verdoppeln. Das Parkdeck liege zentral in unmittelbarer Nähe zu Joh, Museum, dem Theater Altes Hallenbad und zweier Kirchen. Auf dem oberen Parkdeck (Museumsseite) könne eine größere Anzahl gesicherter und überdachter Fahrrad-Stellplätze eingerichtet werden. Selbst ein Erweiterungsbau für das Museum sei bei entsprechender statischer Auslegung denkbar. Durch eine solche Erweiterung ließen sich »einige Wünsche aus dem Museums-Arbeitsgruppen realisieren«, schreibt die UWG.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare