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Prof. Albrecht Beutelspacher hat bei der Friedberger Sommer-Uni gesprochen.

Über die schier unfassbare Zeit

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Friedberg (pm). Der Gießener Mathematiker Prof. Albrecht Beutelspacher sprach kürzlich in der Stadtkirche in der Reihe der Sommer-Uni »Nicht zu fassen - die Zeit«. Bei so einem prominenten Redner reichte der Chorraum nicht aus, der Vortrag wurde ins Hauptschiff verlegt. Das machte die akustischen Probleme für die Hörer nicht einfacher, aber es wurde doch deutlich, dass der Referent, der so etwas Abstraktes wie Mathematik jedem Laien klarmacht, auch mit dem noch viel diffuseren Thema Zeit umzugehen weiß.

Der Mensch, stellt Prof. Beutelspacher fest, hat kein Organ für Zeit. Sie vergeht dem Patienten auf dem Zahnarztstuhl langsamer als dem behandelnden Arzt. Um sie messen zu können, muss man Hilfsmittel benutzen. Zunächst bedarf es genauer Beobachtung.

Immer schon stellten die Menschen den wiederkehrenden Zyklus von Tag und Nacht wie von Frühling, Sommer, Herbst und Winter fest. Am eindrucksvollsten ist das Rätsel des zu- und abnehmenden Mondes.

Die Mathematik beschreibt die Zeit in Zahlen. Entscheidend ist hier die Idee des Zählens. Jedes Tier merkt, ob es Tag oder Nacht ist. Aber der Wievielte ist, benennt erst sprachlich durch Zählen der Mensch. So schafft er sich Kalender, die möglichst lange stimmen sollen, was zu Kompromissen wie dem Schaltjahr zwingt, um den Vierteltag aufzufangen, den das Jahr länger ist als die runde Summe von 365 Tagen.

Auch kürzere Zeiteinheiten will der Mensch messen. Hier ist Galileis Erfindung des Pendels 1602 bahnbrechend. Er wies nach, dass es nicht auf das Gewicht ankommt, auch nicht auf den Schwung, sondern allein auf die Länge der Aufhängung. Einigt man sich darüber, kann man überall auf der Welt gleiche Zeitintervalle messen. Das Zauberwort heißt hier »Schwingung«. Auch Quarz- und Atomuhren beruhen auf diesem Prinzip.

Nicht nur die kleinsten, auch die größten Zeiteinheiten möchte der Mensch erfassen. Was folgt auf unsere messbare Zeit? Gibt es eine unendliche Zeit? Eine Antwort suchen Religionen.

Pfarrer David Schnell wird den nächsten Vortrag dieser Reihe halten. Er spricht über »Zeit im Bild« am Samstag, 4. September, um 17 Uhr in der Stadtkirche. Es geht um Zeit in der bildenden Kunst, in der sie im wahrsten Sinne des Wortes »anSCHAUlich« wird. Es gilt die 3G-Regel.

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