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Tanzlehrer Timo Müller hat die Tanzschulsäle mit Luftfiltergeräten aufgerüstet. Dank des Ballett-Designs fügen sie sich optisch nahtlos in die Umgebung ein - so wird aus dem Filtergerät ein Hingucker.

Zwangspause beendet

Trotz Pandemie zurück aufs Parkett: Ab Montag wieder Tanzkurse in Friedberg

  • VonLarissa Wolf
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Tanzen ist nicht nur Sport, sondern auch Kultur. Diese hat es in der Pandemie schwer - das hat sich auch in den Tanzschulen bemerkbar gemacht, etwa in der Tanzschule Timo Müller KG in Friedberg.

Friedberg – Es sind Sommerferien. In der Tanzschule Timo Müller in Friedberg ist es wegen der Sommerpause aktuell noch leer. Aber Timo Müller ist schon da, bereitet alles vor für den 30. August, an dem seine Schüler auf das Parkett zurückkehren. Damit das für alle sicher ist, hat er technisch aufgerüstet.

Erst seit Anfang Juni darf Müller, der in der Tanzschule seines Vaters Hans Müller als Tanzlehrer angestellt ist, wieder unterrichten - bis zur Sommerpause haben seine Schüler daher kostenfrei getanzt. Dass sieben Monate geschlossen werden musste, stimmt ihn im Hinblick auf die Zukunft pessimistisch. »Durch die Überbrückungshilfen des Landes sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Wenn diese Hilfe wegfällt, wird es für uns sehr schwer«, sagt Müller.

Viele Stammkunden, die seit Jahren bei Müller tanzen, seien sich unsicher mit den Bestimmungen und hätten gekündigt. »Ich habe auch nur sehr, sehr wenige Anmeldungen bis Ende des Jahres«, sagt Müller. So gebe es beispielsweise für den sonst so beliebten Schüler-Grundkurs kaum Interessenten. »Mit so wenigen Anmeldungen kommt leider keine Stimmung auf«, sagt Müller. Einen Grundkurs für Erwachsene mit zehn Paaren habe er aber zusammenstellen können. »Darauf freue ich mich sehr«, sagt Müller. »Es ist sehr schade, dass die Leute so zögerlich sind. Wir geben uns große Mühe, es für alle sicher zu machen.«

Tanzschule in Friedberg: In Luftfiltergeräte investiert

Um den Tanzbegeisterten die Angst zu nehmen, hat Müller aufgerüstet: Aktuell stehen in den Räumlichkeiten drei Luftfiltergeräte. »Die haben wir schon im März bestellt. Drei weitere kommen noch.« Diese sollen dann einen Platz im Bistro sowie im kleinen Tanzsaal finden. Kostenpunkt? Rund 70 000 Euro, die Müller aus den Überbrückungshilfen und der eigenen Tasche finanziert hat.

»Wir haben zudem die Klimaanlagen umbauen lassen. Die filtern die Luft jetzt zusätzlich über UV-Licht«, sagt Müller. Bei der Anschaffung der Geräte hat der Tanzprofi aber nicht nur Wert auf innere Werte gelegt, auch optisch seien die großen Anlagen, die 450 Kilo wiegen und auf Rollen transportierbar sind, dem Tanzschul-Flair angepasst. Auf den Luftfiltern befinden sich schwarz-weiße ästhetische Bilder aus dem Ballett. »So sehen sie nicht aus wie Fremdkörper, sondern passen zum Rest«, sagt Müller. Eine Investition in die Sicherheit - denn diese Geräte messen laut Müller stetig den CO2-Gehalt der Luft, regulieren den Filterprozess automatisch. »Das sind Geräte, die auch in Operationssälen eingebaut werden. Die bringen schon was.«

Tanzschule in Friedberg: Wiedereröffnung nach den Ferien

Müller freut sich auf die Wiedereröffnung nach den Sommerferien. »Wir haben ein Hygienekonzept, falls die Inzidenzen wieder steigen. So haben wir zum Beispiel einen zweiten Ausgang und eine Viertelstunde Pause zwischen den einzelnen Kursen.« Aktuell können 100 Menschen in seinem Saal tanzen. »Nach den Ferien wollen wir deshalb gerne wieder Tanzpartys veranstalten«, sagt Müller.

Sollten sich die Maßnahmen wieder verschärfen wie im letzten Herbst, dürfe er nur noch zehn bis zwölf Paare gleichzeitig unterrichten - die Säle würden dann in Zonen eingeteilt. »Wir haben Glück, dass Tanzen zum Sport zählt und wir es deshalb ohne große Einschränkungen ausüben dürfen. Aber auch wir müssen uns an die 3G-Regelung halten«, sagt Müller. Das führe dazu, dass im Hinblick auf steigende Inzidenzen die Kurse für den Herbst wahrscheinlich schlechter besucht sein werden. »Wenn die Tests ab Oktober kostenpflichtig werden, überlegen viele, ob sich der Kurs dann noch lohnt. Wenn sie nicht geimpft oder genesen sind.«

Erneuter Lockdown brächte massive Probleme für Friedberg Tanzschule mit sich

Müller hofft, dass die Tanzschule nicht noch einmal schließen muss. »Es ist ein großer Aufwand, den Betrieb runter- und wieder hochzufahren. Das kostet viel Zeit und Geld. Auch Kurzarbeit funktioniert hier nicht - ohne Betrieb gibt es einfach keine Arbeit.« Deshalb habe sein Vater einen Teil der Angestellten entlassen müssen, die dann in anderen Branchen untergekommen seien. »Wir bilden ja auch aus. Wir haben immer ein bis zwei Azubis zum Tanzlehrer und Sport- und Fitnesskaufmann hier. Die Situation erschwert die Ausbildung massiv«, sagt Müller.

Der Tanzlehrer hofft, dass die Lust zu tanzen bald zurückkehrt. »Tanzen ist Kultur, die hatte es im vergangenen Jahr sehr schwer. Wir verdienen unsere Brötchen eben mit Cha-Cha, Rumba, Salsa, Walzer und Tango. Wir setzen alles daran, dass wir das auch weiterhin tun können.«

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