Im Juli 2018 ist Isabelle Curdt in die USA geflogen. Seither ist sie als Au-pair in einer Gastfamilie. Dann kam Corona. Dennoch hat sich die 20-jährige Ockstädterin dafür entschieden, in den USA zu bleiben.
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Im Juli 2018 ist Isabelle Curdt in die USA geflogen. Seither ist sie als Au-pair in einer Gastfamilie. Dann kam Corona. Dennoch hat sich die 20-jährige Ockstädterin dafür entschieden, in den USA zu bleiben.

Geblieben statt zu fliegen

Trotz Corona-Pandemie: Au-pair aus Ockstadt bleibt in den USA

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Reisende, Austauschstudenten - ihnen allen wurde empfohlen, wegen der Corona-Pandemie nach Hause zu fliegen. Auch für Isabelle Curdt aus Ockstadt. Doch die 20-Jährige wollte in den USA bleiben.

Wäre es nach ihren Eltern gegangen, Isabelle Curdt wäre längst wieder zu Hause in Ockstadt. Doch die 20-Jährige ist in New Jersey geblieben. »Ich fühle mich hier sicher«, sagt sie. Und so hat sie trotz der Corona-Krise entschieden, bis Ende Juli zu bleiben.

Im Sommer 2018 ist Isabelle Curdt in die USA geflogen. Sie hatte gerade das Abitur an der Sankt-Lioba-Schule in Bad Nauheim gemacht, sich auf eine Au-pair-Stelle beworben und eine passende Familie in dem Ostküstenstaat gefunden. Eine Kleinstadt in New Jersey, Chatham, 30 Kilometer von New York City entfernt. Dort, in der Metropole, gibt es die meisten bestätigten Corona-Fälle in den ganzen USA. »Das ist sehr erschreckend, wenn man in Deutschland davon hört und weiß, dass die Tochter in der Nähe wohnt«, sagt Isabelle Curdt. Doch sie konnte ihre Eltern beruhigen: Dort, wo sie lebt, sei die Situation unter Kontrolle. Und nach New York fahre sie im Moment wegen des hohen Infektionsrisikos ohnehin nicht.

Gesundheitssystem nicht überlastet

Die meisten Menschen, die in ihrer Nachbarschaft wohnen, pendeln zwar normalerweise zu ihrem Arbeitsplatz in der Metropole, doch aktuell arbeiten die meisten vom heimischen Rechner aus.

Überhaupt, erzählt Isabelle Curdt, mache sie sich keine Sorgen um ihr Umfeld. Das Gesundheitssystem im Staat New Jersey sei gut und nicht überlastet. Die Einwohner der Stadt würden das Thema Corona sehr ernst nehmen: »Seit Kurzem gibt es eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen, zum Beispiel im Supermarkt.« Auch dort: Es gibt mehr Menschen, die eine Maske haben wollen, als es Masken gibt. Doch, erzählt Isabelle Curdt: Erlaubt seien bspw. auch Schals, die man vor Nase und Mund trägt.

Schulen zu, neuer Au-pair-Alltag

Die Einwohner der Stadt seien sowieso vorsichtig und rücksichtsvoll: Die Abstandsregelung von 1,80 Metern zwischen Personen würden eingehalten. Parks und öffentliche Plätze seien gesperrt.

Seit einem Monat sind die Schulen geschlossen. Für Isabelle Curdt bringt das einen komplett neuen Alltag mit sich. »Vorher waren meine Kinder von 8 bis 15 Uhr in der Schule« - jetzt sind sie den ganzen Tag zu Hause. Doch die 20-Jährige weiß die Kinder (sie sind fünf und acht Jahre alt) gut zu beschäftigen. Unterricht zu Hause zum Beispiel. Im Garten spielen. Und: »Ich habe ihnen jetzt Fahrrad fahren beigebracht.«

Dass die 20-Jährige nicht früher als geplant zurück nach Deutschland will, hat auch damit zu tun, dass sie sich in den USA und in der Gastfamilie sehr wohlfühlt.

Theoretisch sei es trotz der aktuellen Situation aber möglich, jederzeit zurückzufliegen: Die Strecke New York - Frankfurt werde noch regelmäßig geflogen (u. a. bietet Lufthansa Flüge zwischen dem Newark-Flughafen und Frankfurt an). Nach aktuellem Stand liegen jedoch noch drei Monate vor ihr. Der Rückflug ist für Juli geplant. Bis dahin hat sich die Situation hoffentlich etwas beruhigt, hofft sie. Zurzeit sei das Thema Corona - wie auch hier in Deutschland - aber noch überall und dauernd präsent.

Ein Ansturm auf Waffen

Was in den USA dabei auffällig ist: Mit der Thematisierung des Coronavirus in den Medien ging in den USA ein Ansturm auf Waffengeschäfte einher. Vor Waffenläden bildeten sich zum Teil lange Schlangen. In ihrer Stadt hat Isabelle Curdt davon nichts mitbekommen (»New Jersey ist sehr liberal«), in den Medien allerdings schon. In diesem Zusammenhang seien auch Plünderungen ein großes Thema: »Viele hier haben Angst davor. Mein Gastvater auch.«

Apropos: In Sachen Hamsterkäufe im Supermarkt sind die US-Amerikaner den Deutschen nicht unähnlich. Desinfektionsmittel, Nudeln, Mehl - und natürlich Toilettenpapier: »Das war hier überall ausverkauft.«

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