In der Wetterau wurden im vergangenen Jahr insgesamt 127 Kinder durch das Jugendamt in Obhut genommen.  (Symbolfoto)
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In der Wetterau wurden im vergangenen Jahr insgesamt 127 Kinder durch das Jugendamt in Obhut genommen.  (Symbolfoto)

Kindeswohlgefährdung

Häusliche Gewalt in der Wetterau: Wirkt sich Corona auf die Zahlen aus?

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In der Wetterau wurden im vergangenen Jahr insgesamt 127 Kinder durch das Jugendamt in Obhut genommen. Gründe sind häufig häufig Auseinandersetzungen in der Familie, Misshandlung und fehlende Versorgung.

Wetteraukreis (prw). »Über die Frage der Auswirkungen von Corona im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt gibt es verschiedene Darstellungen«, schreibt der Wetteraukreis in einer Pressemitteilung mit Blick aufs Thema Kindeswohlgefährdung. »Ich kann aufgrund der Besuche des Sozialen Dienstes in den Familien sagen, dass eine Zunahme der Gewalt nicht festgestellt wurde«, erklärte Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch.

Wetterau: Keine Zunahme der häuslichen Gewalt durch Corona festgestellt

Insgesamt gingen im vergangenen Jahr 780 Mitteilungen in Sachen Kindeswohlgefährdung beim Fachdienst Jugendhilfe der Kreisverwaltung ein. »Diese Mitteilungen wurden alle überprüft. Eine Einschränkung der Besuche und Überprüfungen aufgrund der Pandemie gab es nicht«, berichtet Becker-Bösch.

Gründe für die Mitteilungen waren Hinweise auf Vernachlässigung, körperliche und psychische Misshandlungen sowie sexuelle Gewalt. In knapp 60 Prozent der Gefährdungseinschätzungen lag nach Überprüfung keine Kindeswohlgefährdung und auch kein Hilfebedarf vor. Grund dafür seien Fehleinschätzungen der Mitteilenden, schreibt der Wetteraukreis. In knapp 25 Prozent gab es hingegen einen Hilfebedarf. Bei knapp 14 Prozent gab es eine konkrete Kindeswohlgefährdung und bei 3,5 Prozent eine latente Gefährdung des Kindeswohls.

Kindeswohngefährdung in der Wetterau: 127 Kinder in Obhut genommen

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 127 Kinder durch das Jugendamt in Obhut genommen. Im Jahr davor waren es 109 und im Jahr 2018 131. »Dieses Niveau ist seit einigen Jahren ziemlich gleichbleibend«, berichtet Becker-Bösch.

Gründe für die Inobhutnahme sind nach Angaben des Kreises häufig Auseinandersetzungen in der Familie, Misshandlung und fehlende Versorgung. Oft seien in solchen Fällen Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert. »Dann kann ein Kind in die Obhut des Jugendamtes genommen werden, zum Beispiel in eine Inobhutnahmegruppe, um mit dem Kind und den Eltern getrennt zu klären, welche Perspektiven es geben kann«, erklärt der Kreis. Und weiter: Die Inobhutnahmegruppen dienten als Schutzraum für die Kinder, die in einer besonders schwierigen Situation aufgefangen werden sollen.

»Unser Ziel ist es, die Familien so weit wie möglich zu stabilisieren und zu stärken, damit sie ihrem Erziehungsauftrag auch gerecht werden können, und dass die Kinder zurück in ihre angestammte Familie können«, macht die Wetterauer Sozialdezernentin deutlich.

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