Endlich wieder Besucher: Birgit Bergmann, die neue Leiterin des Bibliothekszentrums Klosterbau, hat den Treffpunkt in der Altstadt zusammen mit ihren Kolleginnen coronasicher umgestaltet.
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Endlich wieder Besucher: Birgit Bergmann, die neue Leiterin des Bibliothekszentrums Klosterbau, hat den Treffpunkt in der Altstadt zusammen mit ihren Kolleginnen coronasicher umgestaltet.

Bibiothekszentrum unter neuer Leitung

Trotz Corona: Frischer Wind im Friedberger Klosterbau

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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War vor Corona im Friedberger Bibliothekszentrum ein Buch nicht greifbar, war es in der Regel gerade verliehen. Jetzt könnte es sich in Quarantäne befinden. Die Epidemie sorgt für Veränderung.

Als Birgit Bergmann am 1. April ihre neue Stelle als Leiterin des Bibliothekszentrums Klosterbau antrat, war das Haus in der Friedberger Altstadt geschlossen. Corona. »Ich habe mitten im Lockdown angefangen, konnte nicht einmal Abschied von den früheren Kolleginnen nehmen.« Nun ist das Bibliothekszentrum wieder seit drei Wochen geöffnet. »Die Besucher kommen, der Zulauf ist gut«, freut sich Bergmann.

Wer sich in Zeiten von Corona ein Buch, eine Musik-CD oder eine DVD ausleihen will, muss sich auf einige Veränderungen gefasst machen. Das geht am Eingang des Klosterbaus los. Die Garderobe ist gesperrt, dort steht Desinfektionsmittel. An einem Tisch hinter einer Glasscheibe sitzt eine Mitarbeiterin, die alle Besucher, wie Bergmann sagt, »mit einem Lächeln begrüßt« und auf die wichtigsten Regeln hinweist. Wer kommt, nimmt sich ein Körbchen, so wird die Besucherzahl reguliert. Anfangs standen 18 Körbchen bereit, jetzt sind es 25. »Wir wollten testen, ob die Abstandsregeln eingehalten werden.« Das funktioniere. »Die Friedberger sind sehr diszipliniert.«

Bibliothekszentrum Klosterbau Friedberg: Aufenthaltsdauer auf 30 Minuten hochgesetzt 

Die Aufenthaltsdauer wurde von 15 auf 30 Minuten hochgesetzt. »Ältere Menschen bleiben derzeit lieber zu Hause. Wer für diese Menschen Bücher ausleiht, benötigt Zeit. Aber wir schauen nicht auf die Stoppuhr«, sagt Bergmann. Überall auf dem Fußboden kleben rot-weiße Absperrbänder. Hier stellen sich die Besucher an, wenn sie Medien über die Selbstbuchertheke ausleihen. Die Rückgabe erfolgt derzeit nur über die große Box vor dem Haupteingang. Wer den Klosterbau wieder verlässt, nutzt den Hinterausgang zum Hof der Musterschule.

Bibliothekszentrum Klosterbau Friedberg: Brettspiele wegen Hygienevorschrift nicht ausleihbar 

»Es gibt ständig Veränderungen«, sagt Bergmann und deutet auf die abgesperrte Spielecke im Erdgeschoss. Brett- und Konsolen-Spiele sowie »Tonies« (Figuren, die Hörspiele erzählen) seien aufgrund der Hygienevorschriften erst ab 2. Juni wieder ausleihbar.

In den Obergeschossen fehlen die Stühle, Tische und Sessel. Der Klosterbau darf zurzeit nicht gemütlich sein. Das wird im Zeitschriftensaal deutlich, der zur Quarantäne-Station für ausgeliehene Medien umfunktioniert wurde. Wo sonst Tageszeitungen und Fachzeitschriften studiert werden, türmen sich jetzt Bücherstapel. Ausgeliehene Medien bleiben 72 Stunden lang liegen, erläutert Bergmann. So lange können sich Viren auf Plastikumschlägen halten. Man orientiere sich an den vom Bibliotheksverband vorgeschlagenen Richtwerten.

Birgit Bergmann kommt aus Hanau. Die 40-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder, die sie momentan neben ihrem Job und im Wechsel mit ihrem Ehemann zu Hause beschult. Einige Jahre lang hat die Historikerin an der Goethe-Universität in Frankfurt als Wissenschaftlerin gearbeitet, zuletzt war sie im Hanauer Kulturforum als Bibliothekarin angestellt. An dem neuen Job habe sie vieles gereizt. »Friedberg ist eine sehr schöne Stadt.«

Bibliothekszentrum Klosterbau Friedberg: Bücher haben immer noch die Oberhand 

Und das Bibliothekszentrum sei eine reizvolle Aufgabe. »Im Kulturforum in Hanau haben sich die Schwerpunkte hin zum reinen Treffpunkt verlagert.« Die Besucher spielen PC, die Bücher rücken in den Hintergrund. »Hier in Friedberg ist das anders.« Sicher, ein Treffpunkt ist der Klosterbau auch. Unter den 46.512 Medien haben die Bücher aber immer noch die Oberhand. Hier gebe es noch das ursprüngliche Bibliotheksgeschäft. »Wir achten darauf, dass wir beim Medienbestand aktuell und abwechslungsreich sind.« Der Jahresbericht 2019 zeigt, dass dies in der Vergangenheit gut funktioniert hat. Welche Auswirkungen die Corona-Krise auf den Medienetat des Klosterbaus hat, könne momentan niemand abschätzen.

Bergmanns Vorgängerin Bettina Semmerau schied im November aus dem Dienst aus. Sie hat viele neue Ideen und Veranstaltungen umgesetzt. Bergmann will das beibehalten. »Nur momentan geht da gar nichts.« Bis 31. August sind alle Veranstaltungen abgesagt. Besonders für die Kinder sei das schade. Leseförderung liege ihr sehr am Herzen.

Bergmann will auch eigene Ideen umsetzen, nennt digitale Angebote wie einen 3-D-Drucker, die Digitalisierung von alten Dias und VHS-Filmen oder Tablets, die im Klosterbau von den Besuchern genutzt werden können. »Das ist die Zukunft der Bibliothek.« Die aber erst beginnt, wenn sich das Coronavirus verabschiedet hat.

Bibliothekszentrum Klosterbau Friedberg: Der Klosterbau in Zahlen

Laut Jahresbericht 2019 verfügt die Stadtbibliothek Friedberg über 46 512 Medien. Es wurde 161 728 Ausleihen gezählt, 679 pro Tag. 79 383 Besucher wurden gezählt, täglich kommen im Schnitt 338 Menschen. 2019 gab es 2938 aktive Kunden, 607 Neuanmeldungen sowie 818 Kinder und Jugendliche mit eigenem Ausweis. 82 Veranstaltungen wurden gezählt - von der Lesung über Konzerte bis Spieleabende. Bei den elektronischen Medien wurde 33 655 Entleihungen gezählt. Noch eine stolze Zahl: 29 Jahre lang war die frühere Leiterin Bettina Semmerau im Klosterbau beschäftigt. »Ihrer Leistung für das Friedberger Kulturleben gebührt großer Dank«, heißt es im Jahresbericht.

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