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Leere Trinkwasserspeicher

Trockene Winter, extrem heiße Sommer: Die Ovag ist am Limit

  • vonHedwig Rohde
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Der dritte Dürresommer in Folge sorgt für leere Trinkwasserspeicher. Was tun? Experten sehen eine Option in der verstärkten Brauchwassernutzung.

Das Wichtigste zuerst: "Die Trinkwasserversorgung ist sicher", betont Franz Poltrum. Aber er sagt auch: "Die räumliche und zeitliche Verteilung des Wassers ändert sich, das hat schon mit dem Klimawandel zu tun." Der Diplom-Ingenieur ist Abteilungsleiter Wasser bei den Oberhessischen Versorgungsbetrieben (Ovag), die in den Kreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen Strom und Wasser liefert und über ihre Verkehrsgesellschaft VGO den öffentlichen Personennahverkehr organisiert und finanziert.

Ihr Wasser bezieht die Ovag aus 21 Brunnen in neun in der Wetterau sowie im westlichen unteren Vogelsberg gelegenen Fördergebieten. Dabei ist sie auf die regelmäßige Neubildung des tiefen Grundwassers angewiesen. Und die wiederum ist abhängig von den Niederschlägen der vorangegangenen Jahre, insbesondere der Winter. Insofern haben sich auf die Trinkwasserversorgung der Region aktuell weniger die trockenen Sommer als vor allem der Winter 2019/2020 ausgewirkt. Der war, sagt Poltrum, "gefühlt sehr nass, aber nicht ausreichend, um das Grundwasser-Aufkommen aufzufüllen".

Die Bevölkerungsentwicklung im Ovag-Gebiet verläuft unterschiedlich. In der Wetterau sind die Zahlen in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, im Landkreis Gießen weniger deutlich, im Vogelsbergkreis sind sie rückläufig. Unter dem Strich wächst die Zahl der in der Region lebenden Menschen jährlich um mehrere Hundert - bei einem Trinkwasserverbrauch, der in den letzten 40 Jahren von durchschnittlich mehr als 140 Litern pro Kopf und Tag auf 120 Liter gesunken ist. Dieser Wert ist laut Poltrum seit Jahren weitgehend konstant, auch dank der Umstellung vieler vom Baden aufs Duschen und der wesentlich sparsameren Wasch- und Spülmaschinen.

Mit der Versorgung "am Limit"

1976 hatte die Ovag mit knapp 42 Millionen Kubikmetern die Spitze ihrer Wasserförderung erreicht. Danach habe - bedingt durch den Druck von Natur- und Umweltschützern - ein allgemeines Umdenken eingesetzt. Seit 2017 ist die Förderung aus den Ovag-eigenen Brunnen auf 32 Millionen Kubikmeter jährlich begrenzt. Weitere 3,8 Millionen Kubikmeter (diese Menge ist aufgrund der Rohrleitungsstärke begrenzt) kaufe die Ovag vom Zweckverband Mittelhessische Wasserwerke, aus deren Fördergebieten im Wohratal und bei Stadtallendorf. "So halten wir unsere eigene umweltgerechte Förderung aufrecht und können trotzdem allen Lieferverpflichtungen nachkommen."

Maximal 35,8 Millionen Kubikmeter Trinkwasser könne die Ovag damit jährlich abgeben - und (ver-)brauche sie auch. "Wir sind am Limit", räumt Franz Poltrum ein. Auf der Förderseite gebe es keine Optionen mehr. Im Klartext: "Wenn in diesem Jahr der Sommer genau so trocken gewesen wäre wie 2018, hätte es sein können, dass wir Liefereinschränkungen hätten einführen müssen, etwa über ein Ampel-Warnsystem."

Harte Worte in einer Region, in der über Jahrzehnte die problemlose Versorgung mit Frischwasser auch für Pools, Gartenteiche und Rasenbewässerung selbstverständlich gewesen ist.

"Man wird neu über Wasser nachdenken müssen", sagt Poltrum und räumt selbstkritisch ein, auch die Ovag habe in den vergangenen einhundert Jahren nur in Trinkwasserstrukturen gedacht. Nun sind nach seiner Ansicht die Kommunen gefordert. Brauchwassersysteme wie etwa am "Schwarzen Berg" in Nieder-Florstadt seien sinnvoll, müssten aber so zuverlässig sein, dass nicht für Spitzenzeiten doch wieder Trinkwasserkapazität vorgehalten werden müsse.

Kommunen könnten sich auch auf die Suche machen nach örtlichen Quellen und Brunnen, die derzeit nicht genutzt werden, und diese für die (Brauch-)Wasserversorgung nutzbar machen. Und die Verbraucher? Auch sie werden sich, schätzt Poltrum, umstellen und versuchen müssen, ihren Trinkwasserverbrauch Liter um Liter weiter zu reduzieren.

BUND: Ovag soll Wasserdienstleister werden

Man müsse über Wasser nicht neu nachdenken, denn umsetzbare Konzepte zum Wassersparen lägen seit 20 Jahren vor, sagt Dr. Werner Neumann, Vorsitzender des BUND-Kreisverbandes Wetterau. Seiner Ansicht nach müsste die Ovag, bisher Wasserförderer -und -verkäufer, sich künftig das Angebot von Wassersparkonzepten und Wasserdienstleistungen als weiteres Geschäftsfeld erschließen. "Warum sollen Endverbraucher und Kommunen alles neu erfinden?", fragt der Naturschützer. Er ist überzeugt, Kommunen täten sich leichter, für Neubaugebiete ein zentrales zweites Leitungsnetz für Betriebs- und Brauchwasser verpflichtend vorzuschreiben oder nicht trinkwassergeeignete Brunnen für solche Systeme zu erschließen, wenn ihnen ein Dienstleister mit Knowhow bei der Planung und Umsetzung zur Seite stünde. Auch Verbraucher könnten bei der Installation einfacher Wassersparmaßnahmen von solchen Dienstleistungen profitieren. Den Landkreisen Wetterau, Vogelsberg und Gießen als Eignern der Ovag empfiehlt er deshalb, das Aufgabenfeld des Unternehmens entsprechend zu erweitern. doe

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