Bischof Kumar Pradeep Samantaroy (2. v. r.) mit Helfern beim Zusammenpacken von Notmahlzeiten.	FOTO: PM
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Bischof Kumar Pradeep Samantaroy (2. v. r.) mit Helfern beim Zusammenpacken von Notmahlzeiten. FOTO: PM

Es trifft die Ärmsten der Armen

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Wetteraukreis (pm). Seit mehr als 30 Jahren besteht eine enge Partnerschaft zwischen dem evangelischen Dekanat Wetterau und der Diözese Amritsar in der Nordindischen Kirche. Anfang April hatten die ev. Dekanate Wetterau und Gießen zusammen eine Corona-Hilfsaktion gestartet. Mehr als 10 000 Euro kamen in kurzer Zeit zusammen.

Damit habe in etlichen Dörfern des Punjab, wo die Diözese Amritsar ihre Gemeinden hat, die Situation für Dalits (Kastenlose) fürs Erste verbessert werden können. Bischof Samantaroy übermittelte mit seinem Team in einer Videokonferenz dem Vorsitzenden des Partnerschaftsausschusses Pfarrer Konrad Schulz vor Kurzem ein genaueres Bild.

Die Situation sei kompliziert. In den ländlichen Gebieten des Punjab werde gegenwärtig länger gearbeitet als im vergangenen Jahr. Statt 30 Tage werde in diesem Jahr die Weizenernte vermutlich 40 bis 45 Tage dauern. Aber die Regierung habe die tägliche Arbeitszeit auf zehn Stunden begrenzt, während sonst die Tagelöhner in der Landwirtschaft bis zu 18 Stunden täglich gearbeitet haben und davon etwa sechs Monate leben konnten. Dadurch werde ihr Einkommen sinken, wenn sie denn Arbeit haben. Die Regierung habe zudem die Zahl der Arbeiter auf den Feldern begrenzt. Hinzu kommt, dass die Landarbeiter in den vergangenen Jahren nach der kurzen Weizenernte noch in anderen Bereichen Arbeit fanden. Das sei dieses Jahr nicht möglich, weil alles länger dauere. Dadurch würde ihr Einkommen höchstens 50 Prozent vom bisher üblichen Durchschnitt betragen.

Mehr Arbeitslose

Daneben sei die Arbeitssituation vor allem für Frauen auf dem Land sehr schwierig. Außer als Haushaltshilfe bei einigen wenigen Familien gebe es keine anderen Beschäftigungsmöglichkeiten, da etwa Teppichknüpferwerkstätten geschlossen seien. Auch das gefährde die Einkommen der vielen armen Landarbeiterfamilien. Da auch viele Wanderarbeiter aus den Städten zurück sind, wachse die Zahl der Arbeitslosen.

Ein weiteres Problem sei die Ernährungssituation, erklärte Daniel B. Das, der Leiter des Sozialdienstes der Diözese. In den vergangenen Jahren wurde die Getreideernte zunehmend mit Mähdreschern und Wanderarbeitern durchgeführt, die in Indien von Bundesstaat zu Bundesstaat zogen. Nun seien aber interne Grenzen zwischen den Bundesstaaten der indischen Union geschlossen. Die Mähdrescher und Wanderarbeiter säßen fest. In manchen Dörfern seien erst zehn Prozent der Ernte eingebracht, normal wären 50 bis 60 Prozent. Das bedeute, die Körner verrotteten auf dem Halm, wenn die manuelle Ernte so langsam fortschreite wie gegenwärtig. Damit sei vor allem für die Ärmsten die Versorgung gefährdet.

Der indische Staat habe zwar Hilfe angekündigt, aber davon sei in den Dörfern bisher nichts zu spüren, berichtet Om Prakash, der Leiter des Sozialprogramms in der Grenzregion zu Pakistan um die Stadt Ajnala. Die Auswirkungen der Corona-Krise werde auch die Kirche als Organisation hart treffen. Nicht nur, dass gegenwärtig keine Gottesdienste stattfinden. Auch die finanzielle Basis aus Beiträgen der Gemeindemitglieder und von den großen kirchlichen Schulen sei zusammengebrochen. Gehälter für Pfarrer und Mitarbeiter könnten daher nicht gezahlt werden.

Begrenzte Mittel

»Wir stehen zwar mit dem Rücken zur Wand, aber wir geben nicht auf. Unser Glaube hält uns aufrecht«, so heißt es von der Nordindischen Kirche. In diesem Sinne begrüßte Bischof Samantaroy auch das digitale ökumenische Gebetstreffen aller Partnerkirchen der Ev. Kirche Hessen und Nassau vor wenigen Tagen.

Klar sei, dass die Hilfe für Indien weitergehen müsse, resümierte Pfarrer Schulz die Videokonferenz - sowohl die angelaufene Corona-Nothilfe als auch eine Hilfe für die Mitarbeiter der Kirche. Da die Pandemie die ganze Welt betreffe, könne aber nur begrenzt geholfen werden. Die Ressourcen der Spender seien begrenzt - es sei denn, der kapitalistische Geist des »me first« ändere sich zu einer »sharing community«, einer teilenden Gemeinschaft, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Spenden für die Corona-Hilfe des ev. Dekanates Wetterau können auf das folgende Konto überwiesen werden: Volksbank Mittelhessen IBAN DE62 5139 0000 0061 2367 08, Stichwort »Corona relief«. Bitte Adresse angeben, sofern eine Spendenbescheinigung gewünscht ist.

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