Trauungen und Hochzeiten mit vielen Gästen darf es derzeit nicht geben. Wer den Bund der Ehe schließen möchte, muss das buchstäblich im engsten Kreis tun.
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Trauungen und Hochzeiten mit vielen Gästen darf es derzeit nicht geben. Wer den Bund der Ehe schließen möchte, muss das buchstäblich im engsten Kreis tun.

Umfrage

Wer traut sich in der Wetterau? Heiraten in Zeiten von Corona

  • vonJana Kötter
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Eine Hochzeit ohne Gäste? Wer sich das nicht vorstellen kann, muss seine Trauung aktuell wegen bestehender Corona-Einschränkungen absagen. Eine Umfrage unter den Standesämtern im Wetteraukreis zeigt aber: Viele trauen sich auch in diesen besonderen Zeiten.

Es soll der »schönste Tag im Leben« werden: Hochzeitspaare planen ihre Trauung Monate im Voraus, laden Gäste ein, die sie aufs Standesamt begleiten.

Daran hat das Coronavirus erheblich gerüttelt. Denn seit mehr als vier Wochen gelten auch für Standesämter strenge Auflagen. Geheiratet werden darf auch in den Ämtern im Wetteraukreis nur noch im engsten Kreis: Brautpaar plus Standesbeamtin oder Standesbeamter.

Heiraten in Zeiten von Corona: Ausnahmen möglich

Wenige Ausnahmen gibt es zwar: In Bad Vilbel dürfen Brautpaare ihre Trauzeugen oder gemeinsame, im gleichen Haushalt lebende Kinder mitnehmen. »Wir haben einen relativ großen Raum, sodass wir das anbieten können«, erklärt Standesbeamtin Doreen Feik.

Nichtsdestotrotz: Die Personenzahl bleibt stark beschränkt, darüber hinaus gelten die bestehenden Abstandsregeln. Sechs Paare haben ihre Trauung in Bad Vilbel im April deswegen abgesagt.

Das erscheint auf den ersten Blick zwar mehr als in kleineren Kommunen - in Niddatal etwa gab es nur zwei Absagen, in Relation zur Gesamtzahl an Trauungen jedoch ist dies ein Bruchteil: Rund 200 Paare werden in der Quellenstadt jedes Jahr getraut, in Niddatal sind es gut 30. »In diesem Jahr werden wir deutlich unter unseren 200 bleiben«, gibt Feik zu bedenken. Der Grund ist nicht allein Corona: Aufgrund des ursprünglich für Juni geplanten, mittlerweile jedoch abgesagten Hessentags habe man für Mai und Juni gar keine Trauungen angenommen, erklärt sie.

Die Gründe, warum sich Paare für oder gegen eine Hochzeit in diesen turbulenten Zeiten entscheiden, sind dabei so individuell wie die Paare selbst. »Die, die keine Eile haben, verschieben ihre Hochzeit«, beobachtet Feik. Andere, die aufgrund einer Schwangerschaft »rechtliche Absicherung« wollen, ließen sich auch im engsten Rahmen trauen.

Heiraten in Zeiten von Corona: Viele haben abgesagt

Für andere wiederum ist eine große Feier bedeutender. Während eine Umfrage unter den Standesämtern im Kreis durchgängig eine »Absagequote« zwischen zwei und sechs Prozent ergeben hat, haben allein in der Kreisstadt »in den vergangenen Wochen gefühlt mehr Paare abgesagt als sich trauen lassen«. Viele Verlobte sagten dabei, dass sie - wenn auch nur im kleinen Kreis - zumindest gern essen gehen würden, berichtet die Friedberger Standesbeamtin Mira Künze.

In Karben - hier wurden in den letzten Wochen fünf Trauungen abgesagt bei rund 85 Terminen im Jahr - hat ein Paar seine Absage damit begründet, dass zu viele Gäste abgesagt hätten.

In Wöllstadt, wo jährlich 20 bis 25 Trauungen stattfinden, wurde bislang nur eine Trauung gestrichen, erzählt Standesbeamtin Doris Meub. »Die Brautleute können sich nicht vorstellen, ohne Gäste zu heiraten.«

Traditionell startet die Hochzeits-Saison im Mai, betonen die Beamtinnen unisono. »Wir wissen nicht, wie es sich weiter gestaltet«, bringt es Stefanie Schadwinkel, Standesbeamtin in Niddatal, auf den Punkt. Am 14. Mai starte etwa die Saison auf dem Heimburghof in Bönstadt, der neuen Hochzeits-Location unter freiem Himmel. Bis jetzt, so Schadwinkel, gebe es noch keine Absagen. Ähnlich sieht es in Bad Vilbel aus: Für Juli - der erste Monat, in dem hier wieder getraut wird - »steht noch alles«.

Dabei ist eine Trauung in diesen Tagen mit Abstrichen verbunden, nicht nur in der Personenzahl. In Karben etwa werden die externen Standorte - darunter der Lieselturm in Burg-Gräfenrode, das Degenfeld’sche Schloss oder Rapp’s Juice Factory - nicht bedient, sagt Standesbeamtin Martina Harmert. Trauungen finden allein im Trauzimmer im Rathaus statt, mögliche Lockerungen würden stetig neu beraten.

In Niddatal hat man sich deshalb etwas ganz Besonderes überlegt: »Wir bieten Paaren an, noch einmal eine Zeremonie mit Freunden nachzufeiern«, sagt Standesbeamtin Schadwinkel. Kostenfrei können Paare eine kleine Feier im Trauzimmer des Rathauses nachholen, wenn sich die Situation wieder beruhigt hat.

Heiraten in Zeiten von Corona: Sechs Monate gültig

Die Anmeldung der Trauung bleibt übrigens für sechs Monate gültig - in diesem Zeitraum also kann die Trauung ohne Mehrkosten verschoben werden, heißt es seitens des Kreises. Paare, die eine Hochzeit in den kommenden Monaten erst noch planen, tun daher gut daran, zumindest mit der Anmeldung noch zu warten.

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