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Noch immer täglich im Einsatz: Seniorchefin Traudel Ruths hat im Modehaus etliche Höhen und Tiefen miterlebt.

»Starke Familie«

Traudel Ruths feiert 55-jähriges Arbeitsjubiläum im Modehaus

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Seniorchefin Traudel Ruths feiert ihr 55-jähriges Arbeitsjubiläum im gleichnamigen Friedberger Modehaus. Nach wie vor geht sie jeden Tag mit Freude zur Arbeit.

Am 1. April hat Traudel Ruths das 55-jährige Arbeitsjubiläum im Modehaus Ruths gefeiert. Ihre Geschichte offenbart, was sich in dieser langen Zeit für sie persönlich, im Textilhandel, aber auch in Friedberg verändert hat.

Friedberg 1966: Traudel Bastiné aus Ockstadt, 15 Jahre alt, steht vor der Entscheidung, ob sie eine Lehre im Büro oder Verkauf machen will. »Ich hatte keine konkrete Vorstellung, wir waren damals nicht so wie die Jugend heute, eher noch kindlich.« Also ging es mit Oma an der Hand ins Modehaus Ruths, das gerade einen Umbau hinter sich hatte und im neuen Glanz erstrahlte.

Und es hat gefunkt, gleich beim ersten Mal und gleich zweimal. Ein kurzes Gespräch, und der Ausbildungsvertrag für drei Jahre war in der Tasche. Am 1. April ging es los. Das Mädchen merkte sehr schnell, dass dieser Beruf ihr Ding ist. Vor allem die Präsentation der Produkte. »Damals legte man keinen Wert darauf, alles wurde einfach gestapelt«, erinnert sich Traudel Ruths.

Das »Lehrmädche« gestaltete um

Bei einem Besuch in einem großen Modehaus in Bern gingen ihr die Augen auf. »Ich war fasziniert, wie die Textilien präsentiert wurden, und zögerte nicht lange, das auch in Friedberg umzusetzen.« Ware nach Farben, Mustern oder Themen zu sortieren, das gab es in Friedbergs Modehäusern nicht. »Ich war ›Lehrmädche‹, so hieß das früher, aber man ließ mich einfach machen«, wundert sich die Seniorchefin noch heute.

Die Leidenschaft fürs Präsentieren hat Traudel Ruths nie verloren. Auch neue Ware einzukaufen macht ihr viel Spaß. Früher gemeinsam mit ihrem 2010 verstorbenen Mann Wilfried, heute mit ihren Söhnen Jochen und Roman. »Wir sind immer als Ruths-Familie unterwegs, dazu gehören auch meine ehemalige Schwiegertochter Verena Steinhauer und Mitarbeiter der Abteilungen. So unterschiedlich wir alle sind, beim Einkauf ticken wir erstaunlich gleich.« Letztlich gehe es um den Geschmack der Kunden. »Da lässt man sich überzeugen, auch wenn die Farbe überhaupt nicht dem eigenen Geschmack entspricht«, lacht Traudel Ruths.

Noch mal zurück ins Jahr 1971. Wie gesagt: Beim Vorstellungsgespräch punktete sie zweimal. Bei Seniorchef Peter Ruths und seinem Sohn Wilfried. »Da war sofort eine große Sympathie zwischen uns. Im Laufe der Zeit wurde mehr daraus.« Fünf Jahre nach dem Eintritt ins Modehaus Ruths wurde geheiratet und der Einzug in die Familie vollzogen.

In den 55 Jahren gab es keine Woche, in der Traudel Ruths nicht im Haus in der Kaiserstraße und später in der Filiale in Bad Nauheim war. Auch die Geburten ihrer Söhne 1972 und 1975 änderten nichts daran. »Ich hatte einen fortschrittlichen Mann, der wollte, dass ich nicht zu sehr aus dem Alltagsgeschäft rauskomme.« Seit 1966 hat sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt, die Fläche deutlich vergrößert, mehrere große Umbauten wurden gestemmt. Heute führt die nächste Generation mit Roman, Jochen, Peter und Eike Ruths das Unternehmen.

Traudel Ruths, die weiter täglich auf der Fläche steht, erlebt gerade eine Krise, die mit keiner der vorangegangenen vergleichbar ist: die Pandemie. »Wir hatten immer mal schwierige Zeiten. Die Konkurrenz war damals groß in Friedberg. Renommierte große Häuser wie Nobel und Speh in 1 a-Lagen forderten uns heraus. Immer einen Schritt voraus zu sein, kostete viel Kraft.«

Trotz Corona keine Existenzängste

Es sei damals schwierig gewesen, neue Wunsch-Lieferanten zu finden. Entweder seien sie schon auf der Kaiserstraße vertreten gewesen oder hätten Ruths nicht beliefern wollen. »In den boomenden Jahren im Handel gab es teilweise große Arroganz.« So schlimm Corona gerade für den Handel und natürlich auch für Ruths sei, Existenzängste habe sie keine. »Wir sind gut aufgestellt, haben viele treue Kunden, sehr gute Mitarbeiter. Als Familie sind wir stark.«

Es sei nicht selbstverständlich, Streit zu vermeiden. »Ein Familienunternehmen zu führen, ist eine große Herausforderung«, weiß Traudel Ruths. Es brauche viel Toleranz, die Einsicht, unterschiedliche Stärken zu schätzen. Ihr größter Wunsch: Die nächsten Generationen sollen Mode Ruths weiterführen. »Aber nur, wenn sie wirklich wollen und mit der gleichen Freude jeden Tag unser Haus betreten, wie ich es nach wie vor tue.«

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