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Rad-Safari durch die Kreisstadt

Tipp an Radfahrer: Friedberg bitte weiträumig umfahren

  • Jürgen Wagner
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Wie steht es um die Fahrradwege in Friedberg? Das wollten die Grünen "erfahren". Das Ergebnis ist ernüchternd. Die Beschilderung ist verwirrend, der Zustand der Wege suboptimal.

Bereits am Start, dem Elvis-Kreisel im Süden von Friedberg, herrscht Verwirrung. Gelten die Fahrrad-Schilder auf den Gehwegen oder auf der Straße? Es sind die Grünen, die zur Rad-Safari eingeladen haben, also wird basisdemokratisch über die Gültigkeit der Schilder abgestimmt. Wir sehen: Ohne Humor ist eine Radtour durch die Kreisstadt nicht auszuhalten.

Das Wort Safari stammt aus der ostafrikanischen Swahili-Sprache und bedeutet ursprünglich "Reise". Dabei muss man keine Tiere jagen. Es gibt auch Safaris zur reinen Beobachtung. Auch in Friedberg lohnt es sich, genau hinzuschauen, zumal wenn man sich auf dem Rad fortbewegt. Radfahren hält fit, ist umweltschonend - und gefährlich.

Das mussten auch die rund 30 Teilnehmer der Rad-Safari feststellen, zu der die Friedberger Grünen am Sonntag eingeladen hatten. Startpunkt war der Elvis-Kreisel vor der Kaserne. Die Grünen fordern "richtige Radwege im gesamten Stadtgebiet", sagte der Stadtverordnete Bernd Stiller, der auch verkehrspolitischer Sprecher der Grünen ist.

Als passionierter Radfahrer kennt Stiller die Tücken der heimischen Radwege. Er deutet auf den schmalen Weg hinter dem Globus-Baumarkt, wo gerade die letzten Nachzügler der Rad-Safari den Berg runterrollen. "Die dürften da gar nicht fahren." Das ist ein reiner Fußgängerweg, einen Radweg gibt’s nur auf der anderen Straßenseite.

Bevor es losgeht, klärt Stiller über vier Verkehrsschilder auf. Was viele (Renn-)Radfahrer nicht wissen (wollen): Wo blaue Schilder mit dem Fahrradsymbol stehen, müssen Radfahrer diesen Weg nutzen. Die Straße ist dann tabu. Soweit die Theorie, in der Praxis sieht das etwas anders aus.

Zwölf Mal hält die Gruppe auf ihrer Fahrt vom Kreisel bis zur Burg an, zwölf Mal gibt es kritische Anmerkungen zur fehlenden oder falschen Beschilderung, zur mit Flicken und Löchern übersäten Fahrbahn oder zur fehlenden Sicherheit an Einmündungen. An der Frankfurter Straße unterhalb des Wartturms führt der Radweg an einem Bushaltestellenhäuschen vorbei - vorne vorbei, wie kritisch angemerkt wird. Das gefährdet Radfahrer und Fußgänger. Weitere Kritikpunkte: Unklare Wegeführungen an gefährlichen Straßenkreuzungen, unzureichende Weg-Breiten und schlechte Markierungen.

Stiller stoppt die Radfahrer in Höhe der evangelischen Kita. Das Gemeindehaus wird umgebaut, deshalb ist der Gehweg abgesperrt. "Das ist typisch für Friedberg", sagt Stiller und deutet auf die Absperrbaken: "Die Radfahrer werden im Unklaren gelassen, ob die verpflichtende gemeinsame Nutzung für Fußgänger und Radfahrer auch für die Absperrung gilt oder ob sie auf der Straße fahren sollen." Da dies unklar ist, fahren die einen so und die anderen so. Am gleichen Ort und an vielen anderen Stellen ist die rote Fußbodenmarkierung der Radwege ausgeblichen. Das ist besonders an Einfahrten gefährlich, aus denen jederzeit ein Auto herausschießen kann.

Gefährlich ist auch die Kreuzung Kaiserstraße und Ockstädter Straße. Hier müssen sich die Radfahrer vom Radweg in den fließenden Verkehr auf der Straße einfädeln. Wie sie das machen, dürfen sie dank fehlender Markierungen selbst entscheiden.

Über weite Strecken der Kaiserstraße gibt es überhaupt keine Radwege. In Höhe des Elvis-Presley-Platzes wurde immerhin ein Schutzstreifen für Radfahrer auf die Fahrbahn gemalt. Es fehlt aber die Beschilderung. Stiller: "Das ist eher eine Art Empfehlung. Wir fordern auf der gesamten Strecke Schutzstreifen."

Ein Radweg, der doch keiner ist

Auch ein "Pseudo-Radweg" in Höhe der Firma Mangels wird auf der Rad-Safari angesteuert. Vor Jahrzehnten wurde dort ein rot markierter Streifen angelegt. Die Farbe ist längst verblichen. Der "Radweg" beginnt an einer Baumscheibe, endet im Nirgendwo und darf von Radfahrern nicht befahren werden. Aber der Wille war immerhin da.

Am Ende der Tour spricht Stiller hinsichtlich der Friedberger Radwege von einer "Katastrophe", die ihre Fortsetzung in den Stadtteilen finde. Auch dort wollen die Grünen Rad-Safaris veranstalten. Das Fazit der Tour bringt Stiller so auf den Punkt: "Radfahrer werden in Friedberg allein gelassen. Wir fordern umgehend eine deutliche Wegeführung für Fahrradfahrer auch mit einem Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Straßeneinmündungen müssen entschärft werden, Autofahrer sind auf Fahrradfahrer hinzuweisen." Für Markus Fenske vom Vorstand der Grünen ist dies auch eine Frage des Klimaschutzes: "Radfahren muss zentraler Punkt der Friedberger Stadtpolitik werden, damit die Verkehrswende funktioniert."

Geld für neue Radwege im Haushalt 2021 eingeplant

In Schirn-, Usa-, Engels- und Judengasse, alle als Fußgängerzone ausgewiesen, gilt demnächst "Radfahrer frei". Die Schilder seien bereits bestaellt, teilt Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) mit. Es sei dies ein Wunsch der Bürger gewesen. Der Radverkehr zähle 2021 zu den "Top 3" der größten städtischen Investitionen, erläuterte Götz am Donnerstag im Stadtparlament, wo sie den Haushaltsentwurf 2021 vorstellte. So sind unter anderem 50 000 Euro für ein Radverkehrskonzept vorgesehen, das im ISEK-Prozess gefordert wurde. Der Ausbau des Radwegs nach Wöllstadt kostet 1,1 Millionen.

Nach Ansicht von Ulrike Fuchs, verkehrspolitische Sprecherin des ADFC für Friedberg, muss noch viel mehr für eine fahrradfreundliche Stadt getan werden. Beim letzten ADFC-Fahrradklima-Test bekam die Kreisstadt erneut nur die Note "4,1". Ein Schwachpunkt unter vielen: die Saarstraße. Der Radweg vor der Adolf-Reichwein-Schule werde regelmäßig von "Mama-Taxis" zugeparkt. Fuchs wünscht sich mehr Kontrollen durch die Ordnungspolizei. Dass Radfahrer in Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung fahren dürfen, findet sie gut. "Nur wissen das viele Autofahrer nicht. Die Stadt sollte das besser bekanntmachen."

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