Der Lagotto Romagnolo ist speziell für die Trüffelsuche gezüchtet worden.
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Der Lagotto Romagnolo ist speziell für die Trüffelsuche gezüchtet worden.

Wetterauer Tierärztin informiert

Tierische Trüffelsuche: Hunde mit feiner Nase und teuren Funden

Bei der Trüffelsuche im herbstlichen Wald sind Tiere im Einsatz, Wobei das Trüffelschwein gar nicht die Nummer eins ist. Bestimmten Hunden kommt eine besondere Bedeutung zu.

Friedberg – Die teuersten essbaren Pilze, die Trüffel, findet man durch das klassische Suchen nicht. Diese Edelknolle wächst nämlich unter der Erde auf den Wurzeln bestimmter Bäume wie Buchen, Pappeln, Weiden, Eichen oder Ulmen, und zwar in ganz Europa, Asien und Amerika. Die bedeutends-ten Fundorte sind aber in Frankreich und Italien. Um diese unterirdischen Kostbarkeiten aufzuspüren, bedarf es tierischer Hilfe. Bewährte Trüffelfinder sind Schweine und Hunde. Leider durchwühlen Schweine den Boden so heftig, dass die unterirdischen Pilzgeflechte zerstört werden und die Trüffel dann schlecht oder gar nicht nachwachsen, deshalb ist es in Italien schon seit 1982 verboten, Trüffelschweine einzusetzen.

Sexuallockstoff des Ebers

Vermutlich rührt der »schweinische« Arbeitseifer daher, dass der Trüffelduft an den Sexuallockstoff des Ebers erinnert. Leider haben die Borstentiere die Trüffel auch zum Fressen gern und verspeisen sie weit häufiger selbst als die kooperativen Hunde. In Frankreich setzen sich deshalb auch zunehmend Hunde für diese Nasenarbeit durch.

Nur wenn die Trüffel reif sind und ihre Sporen verteilen können, verbreiten diese Pilze einen spezifischen Geruch, um Tiere anzulocken, die die Knollen dann fressen. Die Sporen werden dann mit dem Kot wieder ausgeschieden, und so können wieder neue Trüffel entstehen. Der Trüffelsucher muss also mit seinem vierbeinigen Helfer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um die unsichtbaren begehrten Objekte zu finden.

Grundsätzlich können die unterschiedlichsten Hunderassen und Mischungen mit der entsprechenden Ausbildung Trüffel erschnüffeln, aber in Italien gibt es eine Hunderasse, die speziell für die Trüffelsuche gezüchtet wird, der italienische Trüffelhund oder Lagotto Romagnolo. Der Lagotto zählt zur Gruppe der Wasserhunde und ist klein bis knapp mittelgroß mit einem wolligen Haarkleid in verschiedenen Farben. Er ist bei seiner Suche extrem ambitioniert, sehr ausdauernd und lässt sich durch nichts, auch nicht von Wild oder anderen Verlockungen dabei ablenken. Auch ein Spielchen mit der »besten Hundefreundin« von allen ist dann nicht nur uninteressant, sondern regelrecht unerwünscht, was meine junge Hündin durchaus nicht verstehen kann, wenn sie ihren wollfelligen Hundekumpel »bei der Arbeit« trifft. Wegen seiner handlichen Größe, seinem hübschen Aussehen, verbunden mit einem sehr angenehmen Wesen ist er mittlerweile auch in Deutschland als Familienhund kein Geheimtipp mehr und ist selbst in der Wetterau »heimisch« geworden.

Junge Hunde lernen von alten

Die Ausbildung zum Trüffelhund besteht im Wesentlichen darin, den Vierbeiner auf den markanten Geruch der reifen Knollen positiv zu prägen. Manche Züchter beginnen dies bereits im Welpenalter, mischen zum Beispiel Trüffel ins Futter oder reiben die Zitzen der Mutter mit Trüffelöl ein. Eine andere Methode ist, ein Lieblingsspielzeug mit Trüffelgeruch zu parfümieren und den Hund danach suchen zu lassen. Da Hunde auch durch Zusehen lernen können, werden manche Junghunde mit einem erfahrenen Althund bei seinem Einsatz an die Suche herangeführt. So entsteht im Laufe der Zeit eine regelrechte Konditionierung auf diesen Geruch.

Bei den Preisen, die Trüffel erzielen, und dem Spaß, den Hunde bei der Nasenarbeit entwickeln, wäre es verlockend, die eigene Fellnase zur Suche auszubilden. Leider eine ganz schlechte Idee, denn Deutschland ist das einzige Land Europas, wo Trüffel sammeln laut Artenschutzverordnung verboten ist. Es kursiert das Gerücht, das Verbot sei um 1935 entstanden, weil die Juden, die damals den Trüffelhandel dominiert haben sollen, von den Nationalsozialisten aus dem Geschäft gedrängt werden sollten. Vorstellbar wäre das schon, denn letztlich ist ja immer wieder unfassbar, in welche Bereiche der Antisemitismus jener dunklen Zeit geführt hat.

Tierärztin im Kurz-Portrait

Tierärztin Cornelia Renczes lebt seit 1983 in der Wetterau. Die WZ-Kolumnistin hat Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen studiert und am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim promoviert. Sie hat zwei Hundesachbücher geschrieben, Fachvorträge für Hundehalter und Züchter gehalten. Sie gibt Hilfestellung bei unterschiedlichen Verhaltensproblemen bei Hunden, auch durch Beschäftigungen wie Mantrailing oder Welpenprägestunden.

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