Tierärztin Cornelia Renczes sieht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko von Haustieren auf den Menschen. Aber gewisse Dinge sollte man beachten.
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Tierärztin Cornelia Renczes sieht kein erhöhtes Ansteckungsrisiko von Haustieren auf den Menschen. Aber gewisse Dinge sollte man beachten.

Tierliebe

Tierärztin gibt Tipps: Hund und Katze in Corona-Zeiten

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Die Wetterauer Tierärztin Cornelia Renczes hat sich unter anderem Gedanken über das Kuscheln mit Katze und Hund in Corona-Zeiten gemacht. Soll man?

Können Hunde an Corona erkranken? Oder Katzen? Wenn ja, wie gefährlich ist dieses Virus für die Tiere? Antworten auf diese und viele andere Fragen rund um unsere beliebtesten Haustiere beantwortet die Wetterauer Tierärztin Cornelia Renczes in ihrem Beitrag, der den Auftakt einer kleinen Kolumnen-Serie mit der Tier-Expertin bildet. Die Autorin zweier Sachbücher hat sich auch Gedanken über das Kuscheln mit Katze und Hund in diesen Zeiten gemacht. Soll man?

Die über uns hereingebrochene Pandemie wirft neben vielen Einschränkungen in unserem gewohnten Leben auch völlig neue Fragen anderer Art auf. So müssen sich Tierhalter die Frage stellen, was diese neuartige Virusinfektion für unsere vierbeinigen Lieblinge bedeutet. Können Hund und Katze sich bei uns anstecken? Erkranken sie dann ebenfalls, und falls ja, kommen sie als Überträger dieser mitunter sehr schwer verlaufenden Krankheit für uns Menschen in Frage?

Meldungen über Virennachweise an Hundenasen oder der positive Sars-CoV-2-Test eines Tigers in einem New Yorker Zoo führen zu starken Verunsicherungen bei Tierhaltern. Für Fragen dieser Art ist in Deutschland das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mit dem Namen Friedrich-Löffler-Institut zuständig. Bei dem betroffenen Hund war das nachgewiesene genetische Virenmaterial so gering, dass es alleine vom Anniesen der Besitzerin stammen kann. Der Hund zeigte keinerlei Krankheitssymptome.

Hund und Katze in Corona-Zeiten: Keine Hinweise auf Infektionsgefahr

Katzen und Katzenartige, wie der erwähnte Tiger, scheinen in ihrem Zellaufbau uns Menschen ähnlicher zu sein: Das neue Coronavirus ist vermutlich in der Lage, bei dieser Tierart in die Zellen einzudringen. Unter Laborbedingungen wurden Katzen sehr hohe Virusdosen verabreicht, die selten und nur milde Krankheitszeichen auslösten.

Die einhellige Expertenmeinung, auch die der Weltgesundheitsorganisation WHO, ist, dass es momentan keine Hinweise gibt, dass Bello oder Miezi eine Infektionsgefahr bezüglich der gefährlichen Coronaviren für Menschen darstellen. Gleiches gilt für Pferde, Kühe und Schweine - auch sie scheinen keine Überträger zu sein.

Grundsätzlich und völlig unabhängig von der derzeitigen Pandemie sollten im Umgang mit unseren Tieren selbstverständliche Hygieneregeln weiter eingehalten werden. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen nach Tierkontakt und insbesondere vor dem Essen. Der Einsatz von Desinfektionsmitteln am Tier ist in diesem Zusammenhang allerdings übertrieben und sogar schädlich. Wenn ich selber erkranke, sollte ich, auch wenn es keine wirklichen Hinweise für eine mögliche Übertragung von Mensch zu Tier gibt, intensives Kuscheln oder gar »Küsschen geben« insbesondere mit Katzen unterlassen. Es sei ohnehin die Frage erlaubt, ob derart vermenschlichter Umgang mit unseren Haustieren artgerecht ist.

Hund und Katze in Corona-Zeiten: Entspannung bei einem Spaziergang

Völlig überzogen sind auch Überlegungen, das vertraute Haustier aus Angst vor möglichen Infektionen mit dem Covid-19-Virus im Tierheim abzugeben oder gar auszusetzen. Unsere Tierheime befinden sich ohnehin in einer schwierigen Zeit. Durch die momentan erforderliche Einschränkung der Besucherzahlen ist es komplizierter, die Tiere weiterhin zeitnah in verantwortungsvolle Hände zu vermitteln.

Fazit ist: Nach heutigem Wissensstand wird das gefährliche Coronavirus von Mensch zu Mensch weitergegeben. Wir können also weiterhin unbesorgt mit unseren vierbeinigen Freunden leben und gerade in dieser oft doch sehr belasteten Lebensphase Entspannung bei einem Spaziergang mit dem Hund finden oder uns vom Charme unserer schnurrenden Stubentigern einwickeln lassen.

Tierärztin Cornelia Renczes

Tierärztin Cornelia Renczes lebt seit 1983 in der Wetterau. Die WZ-Kolumnistin hat Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen studiert und am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim promoviert. Sie hat zwei Hundesachbücher geschrieben, Fachvorträge für Hundehalter und Züchter gehalten. Sie gibt Hilfestellung bei unterschiedlichen Verhaltensproblemen bei Hunden auch durch Beschäftigungen wie Mantrailing oder Welpenprägestunden.

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