Theatersaison wird verlängert

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Es sollte offiziell die letzte Veranstaltung der Volksbühne werden: "Das Boot", gespielt von der Münchener a.gon Theater GmbH nach dem Roman-Weltbestseller von Lothar-Günther Buchheim. Der Verein der Volksbühne steht, wie die WZ berichtete, wegen angekündigter Führungslosigkeit vor der Auflösung. Wer jedoch nach den Berichten zu den Vorstands-Schwierigkeiten mit einem Aus der beliebten Theaterreihe gerechnet hatte, der konnte neue Hoffnung schöpfen.

Es sollte offiziell die letzte Veranstaltung der Volksbühne werden: "Das Boot", gespielt von der Münchener a.gon Theater GmbH nach dem Roman-Weltbestseller von Lothar-Günther Buchheim. Der Verein der Volksbühne steht, wie die WZ berichtete, wegen angekündigter Führungslosigkeit vor der Auflösung. Wer jedoch nach den Berichten zu den Vorstands-Schwierigkeiten mit einem Aus der beliebten Theaterreihe gerechnet hatte, der konnte neue Hoffnung schöpfen.

Der Vorsitzende des Vereins und Ex-Bürgermeister Michael Keller eröffnete den Abend zwar mit dem Hinweis, dass die Vereinsabwicklung zum Jahresende 2019 eingeleitet sei. Aber als Ersatz für das wegen Krankheit ausgefallene Stück "Arsen und Spitzenhäubchen" könne die Volksbühne am 2. April noch das Stück "Oskar Schindlers Liste" präsentieren.

Auf der Homepage des Vereins heißt es dazu: "Angesichts der Diskussion in unserem Land über Judenhass, Diskriminierung, Nationalismus und Rechtspopulismus haben wir uns für dieses bemerkenswerte Stück entschieden und konnten noch ganz kurzfristig die Theatersaison 2018/19 erweitern".

Keller teilte weiter mit, es gebe darüber hinaus Erfolg versprechende Gespräche, wie auch ohne die offenbar wenig interessierte Kreisstadt eine stabile Lösung für die über Jahrzehnte treuen Abonnenten gefunden werden könnte. Unter dem Beifall der fast vollständig besetzten Stadthalle kündigte er, ohne weitere Details zu nennen an, es werde jedenfalls nach Weihnachten noch eine besonders attraktive Theater-Veranstaltung geben. Damit räumte er mit Vermutungen auf, die Probleme könnten im finanziellen Bereich liegen.

Den Kontrast zu der hoffnungsvollen Ungewissheit bezüglich der Volksbühne bildete der in düsterem Licht gehaltene Nachbau eines Schnittes durch U96 mit auf engstem Raum angeordneten Armaturen, Tisch, Bank, Hochbetten, Sehrohr, Funkanlage, Stützen und Toilettenschrank. Darin bis zu 9 Männer gleichzeitig, oft in schwindelerregend schneller Bewegung, aber total aufeinander eingespielt. Da braucht es nur Funktionskleidung, nur ein oder zwei Uniform (Mützen)träger wirken militärisch. Ein Fremdposten dazwischen ist der dem Boot zugeteilte Kriegsberichterstatter, der oft aneckt: "Aber er hat es ja gewollt", sagt der Kaleu (Kapitänleutnant). Die meisten haben keinen Namen, werden in ihrer Funktionsbezeichnung angesprochen – da ist es gut, dass das vorzügliche Programmheft eine Liste seemännischer Ausdrücke enthält.

Auch wer diese nicht auswendig lernen konnte, weiß dank der hervorragenden Schauspieler schnell, wer wer ist. Jeder ist in seinem Metier der einzige Fachmann, auf jeden muss man sich verlassen können. Das schweißt zusammen, und jeder hat seine private Geschichte. Da gilt es für den Kapitän besonders, den 1. WO (Wachoffizier), einen strammen Nazi, im Auge zu behalten. Düster und unheilschwanger ist das verordnete Schweigen, wenn es gilt, ein Handelsschiff des Gegners im Atlantik zu versenken, das von Zerstörern geschützt wird. Bei Alarm muss jeder blitzartig an seinen Platz, auch wenn er auf der Toilette die Hose noch nicht hochgezogen hat.

Nach einem Treffer ist das Boot beschädigt, sinkt weit über seine Belastbarkeitsgrenze – atemlose Spannung, ob der Schaden behoben werden kann. Berührende Charakterstudien, wie unterschiedlich sich die Soldaten in Todesgefahr verhalten.

Als man sich im Heimathafen La Rochelle in Sicherheit wähnt. heißt es vom aufgetauchten Deck herunter. Die U-Boote wurden eiserne Särge genannt – von 40 000 U-Boot-Männern sind im Zweiten Weltkrieg 30 000 im Atlantik geblieben. Viele waren noch halbe Kinder, viele erst 16 Jahre alt. 20-Jährige waren als Kommandanten eingesetzt – in einer Art Schnellbrütverfahren frontreif gemacht – ein Kinderkreuzzug". Als Bestätigung heulen die Sirenen auf und ein Treffer vernichtet alle und alles.

Der Autor Buchheim, selbst als Berichterstatter dabei gewesen, hat den U-Boot-Mannschaften mit seinem Buch ein Denkmal gesetzt. Die Münchener Theatertruppe hat mit geschlossener, großer Mannschaftsleistung überzeugend daran erinnert.

Der zunächst zögerliche Beifall wollte nicht enden.

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