Probleme mit dem Ausländeramt gibt es immer mal wieder. Das Foto entstand 2016, als sich lange Schlangen vor der Anmeldung im Kreishaus bildeten. Derzeit werden die Termine nur per Mail oder postalisch vergeben. Anrufe gehen ins Leere.
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Probleme mit dem Ausländeramt gibt es immer mal wieder. Das Foto entstand 2016, als sich lange Schlangen vor der Anmeldung im Kreishaus bildeten. Derzeit werden die Termine nur per Mail oder postalisch vergeben. Anrufe gehen ins Leere.

Ärger um Terminvergabe im Ausländeramt

Probleme beim Ausländeramt in der Wetterau: „Wollen alle Gesetze einhalten, aber Behörden machen es uns schwer“

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Sorgt der Lockdown dafür, dass Verwaltungen ihren Dienst einstellen? Sven Fey kommt es so vor. Er hat versucht, für seine Verlobte einen Termin bei der Ausländerbehörde zu bekommen. Vergeblich.

»Wenn ich ein Auto anmelden will, ist das kein Problem. Aber versuchen Sie mal, einen Termin beim Ausländeramt zu bekommen.« Sven Fey ist verzweifelt. Seit drei Jahren ist er mit einer Frau aus Thailand verlobt. Die beiden lernten sich im Urlaub kennen, haben einen fast dreijährigen Sohn, leben in Dorheim. Fey, der aus erster Ehe zwei weitere Kinder hat, arbeitet als Lkw-und Kranfahrer bei einer Baufirma in Bad Vilbel-Dortelweil.

Der 38-Jährige macht sich Sorgen. »Das sind echte Zukunftsängste.« Er würde seine Verlobte gerne heiraten, doch die Behörden machen diesem Wunsch bislang einen Strich durch die Rechnung. »Die Papiere aus Thailand müssen übersetzt werden, dann sind sie ein halbes Jahr gültig.« Verzögern sich andere Termine, ist die Gültigkeit überschritten und es müssen neue Übersetzungen her. »Das ist permanenter Stress.« Seine Verlobte ist derzeit nicht krankenversichert. Fey hofft, dass sich das Anfang Juni klärt; dann hat er einen Termin in der Thailändischen Botschaft in Frankfurt.

Ausländeramt in der Wetterau: „Die Leute schreiben, man werde abwertend behandelt“

Vor allem aber benötigen er und seine Verlobte einen Termin im Ausländeramt. »Der Reisepass läuft ab, der Aufenthaltstitel muss verlängert werden.« Vergangene Woche versuchte Fey, einen Termin zu bekommen. Er hat es online versucht. »Da hieß es, momentan seien keine Termine verfügbar.« Er hat es telefonisch versucht, zig Mal. Ohne Erfolg. »Es war immer besetzt, bis die Ansage kam: ›Sie rufen außerhalb unserer Dienstzeiten an‹.« Kunststück, wenn niemand an den Hörer geht.

Fey ist enttäuscht. Vor rund einem Jahr habe er seinen Sohn für einen Kita-Platz bei der Stadt angemeldet. »Ich habe bis heute keine Nachricht erhalten, ob das klappt. Man wird völlig allein gelassen von den Behörden.« In der Pandemie sei das Problem noch schlimmer geworden. »Es gibt Bewertungen des Ausländeramtes im Internet. Die Leute schreiben, man werde abwertend behandelt, es herrsche ein unmenschlicher Ton.«

Kita-Platz, Hochzeit, Arbeitserlaubnis: Einmal mehr vor den Kopf gestoßen

Es könnte alles so schön sein. Wenn der Sohn einen Kita-Platz erhält, die Verlobte zur Ehefrau wird und dann auch arbeiten gehen kann. Finanziell ist die kleine Familie nicht auf Rosen gebettet. »In Thailand hat meine Verlobte im Büro gearbeitet. Sie finden bestimmt eine Stelle.« Dazu müsse sie aber erst Deutsch lernen. Fey erzählt, er habe sich, als er seine Verlobte mit nach Deutschland brachte, nach einem Sprachkurs für sie erkundigt. Sie bekam einen Termin samt Kinderbetreuung. Nach einer Stunde musste er die beiden wieder abholen, weil es plötzlich hieß, der Kurs sei nur für Flüchtlinge gedacht. Einmal mehr war Fey wie vor den Kopf gestoßen: »Wir wollen alle Gesetze einhalten, aber die Behörden machen es uns verdammt schwer.« Zumindest für die Hochzeit hat er eine Lösung gefunden. Im Sommer wird in Dänemark geheiratet.

Auf eine Nachfrage dieser Zeitung hat die Ausländerbehörde Fey einen Termin Anfang September zugesagt. Ein entsprechendes Schreiben werde ihm postalisch zugestellt. »Somit ist derzeit davon auszugehen, dass das Anliegen rechtzeitig bearbeitet werden kann«, heißt es in einer Stellungnahme der Behörde. Ein Sprecher des Wetteraukreises weist daraufhin, dass Termine derzeit nur noch online vergeben würden.

Ausländerbehörde in der Wetterau: Zeitnah sollen weitere Optimierungen kommen

Die Ausländerbehörde verstehe sich als »kundenorientiertes Dienstleistungsunternehmen«, heißt es in einer Stellungnahme des Wetteraukreises. Man sei bestrebt, die individuellen Anliegen der Kunden »mit Hilfe einer professionellen Beratung lösungsorientiert und schnellstmöglich zu bearbeiten.« Die Pandemie sowie die zu ihrer Bekämpfung getroffenen Maßnahmen hätten Einfluss auf die Abläufe innerhalb der Kreisverwaltung. Das gelte auch für die Ausländerbehörde; seit Beginn der Pandemie sei ein wesentlich erhöhtes Kundenaufkommen zu verzeichnen.

Um dieses Kundenaufkommen »zielgerichtet zu steuern«, heißt es weiter in der Stellungnahme, wurde Anfang März 2021 die Onlineterminvergabe in der Ausländerbehörde eingeführt. Hiermit ist es den Antragstellern nunmehr möglich, einen freien Termin innerhalb der folgenden drei Monate zu buchen. Dieses Angebot wird aktuell gut angenommen, sodass die eingestellten Termine weitestgehend ausgebucht sind. Infolgedessen ist es nunmehr umso erforderlicher, Ressourcen vorzuhalten, um personelle Ausfälle kurzfristig kompensieren zu können. Zudem werden zeitnah weitere Optimierungen im Ablauf vorgenommen, um die Handlungsfähigkeit der Ausländerbehörde im Sinne der Bürger zu gewährleisten.« Die Ausländerbehörde betreibe keine Pforte. »Von einer Zurückweisung ist hier daher nichts bekannt.« Die Behörde sei an allen Tagen des Jahres rund um die Uhr via Kontaktformular, E-Mail oder Post erreichbar.«

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