Blick vom Spazierweg runter in die kleine Arena der Naturbühne: Die Martin Dorfler Big Band begeistert ihr Publikum im Friedberger Burggarten mit Melodien aus Filmklassikern und TV-Serien. FOTO: NICI MERZ
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Blick vom Spazierweg runter in die kleine Arena der Naturbühne: Die Martin Dorfler Big Band begeistert ihr Publikum im Friedberger Burggarten mit Melodien aus Filmklassikern und TV-Serien. FOTO: NICI MERZ

Marvin Dorfler Big Band auf der Naturbühne

Swingende Filmmusik: Großes Kino im Burggarten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Film- und TV-Musik standen im Mittelpunkt des Konzerts der Marvin Dorfler Big Band im Friedberger Burggarten. Die Zuhörer waren sich einig: Die Naturbühne wird viel zu selten genutzt.

Einen schöneren Ort hätte sich die Marvin Dorfler Big Band für ihr lange ersehntes nächstes Konzert in Friedberg nicht aussuchen können. Wer auch immer die Stufen von der Burgmauer herunter kam, um sich auf den Bänken einen Platz zu suchen oder den mitgebrachten Stuhl zu platzieren, hatte ein Leuchten in den Augen: "Endlich wieder! Und dann auch noch an diesem Ort! "Das Weihnachtskonzert war unser letzter Auftritt", sagte Bandleader Hans Eckhardt. Das liegt über acht Monate zurück.

Es gibt zwar einen aktuellen Kinofilm mit dem Titel "Corona". Aber die Filmmusik kennt kaum jemand. Im Gegensatz zu den anderen Melodien, die von den Zuhörern erraten werden durften. Immer wieder stellte sich ihnen die Frage: Aus welchem Film oder welcher Serie stammt das? Detektiv Rockford? Das A-Team? Der Außerirdische Alf? Oder war das die Serie mit dem Detektiv, der bei der Verbrecherjagd im Rollstuhl saß? Wie hieß der noch? Ach ja: Robert T. Ironside alias Raymund Burr aus der TV-Krimiserie "Der Chef".

So geisterten die Helden der Kindheit musikalisch durch den Burggarten, vom Schlapphutträger Humphrey Bogart, der zum Pianisten sagt "Play it again, Sam", und dann erklingt ein berückend schönes "As time goes by", bis zum Schuhverkäufer Al Bundy aus der US-Sitcom "Eine schrecklich nette Familie". Den Titelsong "Love and marriage" singt im Original Frank Sinatra, im Burggarten übernahm diesen Part Eric Borner. Der langjährige Sänger der Marvin Dorfler Big Band überzeugte einmal mehr mit seinem unglaublich sonoren, weichen und warmen Bariton. In seinen besten Momenten funkelt seine Stimme wie die letzten Strahlen der Herbstsonne, die exakt bei diesem Lied die Spitzen der Baumkronen über der Naturbühne zum Leuchten brachten.

Zwei Sängerinnen waren mit dabei. Bettina Skottke, die Wetterauer Antwort auf Adele, sorgte mit dem James Bond-Song "Skyfall" für Gänsehaut. Großartig war auch ihr Duett mit Borner beim mit einem Oscar prämierten Filmsong "Up where we belong" aus der Romanze "Ein Offizier und Gentleman". Dass Bandleader Hans Eckhardt beim "Dirty Dancing"-Klassiker "Time of my life" der Aufforderung von Skottke "Hans, jetzt kommt die Hebefigur!" nicht nachkam und seiner Linie treu blieb, nie auch nur ansatzweise einen Tanzschritt auf der Bühne zu zeigen, tat dem Abend vielleicht sogar gut und war dem Erfolg nicht abträglich.

Die zweite Sängerin des Abends war Helena Finatzer, die den James Bond-Song "Goldfinger" mit einer derart ausdrucksstarken Stimme vortrug, dass man sich fragte, wo die zierliche junge Dame diese Durchschlagskraft herholt.

Bühne ohne Stromanschluss

Die Band war trotz weniger Proben bestens aufgelegt. Der warme Klang der Saxofone, Posaunen und Trompeten, die präzise auf dem Punkt waren und selbst schwierigste Stellen mit Leichtigkeit und großer Spielfreude meisterten, die perfekt aufeinander abgestimmte Rhythmusgruppe, die vielen Solisten - das war einmal mehr meisterlich und - um im Bild des Abends zu bleiben - großes Kino.

Allerdings ein Kinoabend ohne Dolby Surround-Anlage. Bei leisen Stellen konnte man jedes einzelne Instrumente hören, jeden Ton, jede Triole. Das waren magische Momente. Bei manchen Stücken hingegen hätte man sich mehr Druck, mehr Kraft aus den Boxen gewünscht. Womit wir bei der Frage sind, warum es nicht mehr Kulturveranstaltungen an diesem schönsten Kulturort in Friedberg gibt. Als der Burggarten vor Jahren saniert wurden, verweigerte eine Mehrheit im Stadtparlament Geld, um zumindest Leerrohre für spätere Stromleitungen zu verlegen. Das rächt sich nun. Am Toilettenhaus unterhalb des Adolfsturms steht ein Stromkasten. Wer ihn für die Naturbühne nutzen will, müsste 700 Meter Kabel verlegen. An der Burgmauer oberhalb der Bühne stehen drei dieser Kästen, von denen, wie Eckhardt erfuhr, einer sogar funktioniert. Aber nur, wenn man zusätzlich einen Baustromverteiler mietet, der von einem Elektromeister angeschlossen werden muss.

Das klingt, als hätten in Friedberg die Schildbürger ihre Spuren hinterlassen, und gäbe es eine aktuelle Verfilmung dieses Stoffs mit einer schmissigen Titelmelodie, hätte die Marvin Dorfler Big Band das Stück bestimmt in ihr Repertoire aufgenommen.

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