Eine Schülergruppe der Friedberger Johann-Philipp-Reis-Schule und fünf Lehrer müssen vorsichtshalber zu Hause bleiben, weil sie sich während einer Freizeit in Südtirol aufgehalten haben.	FOTO: NICI MERZ
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Eine Schülergruppe der Friedberger Johann-Philipp-Reis-Schule und fünf Lehrer müssen vorsichtshalber zu Hause bleiben, weil sie sich während einer Freizeit in Südtirol aufgehalten haben. FOTO: NICI MERZ

Aus Südtirol zurück: Schülergruppe in Quarantäne

  • Christoph Agel
    vonChristoph Agel
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Es ging Schlag auf Schlag am Donnerstag: Kaum hatten sich Landrat und die Bürgermeister über das weitere Vorgehen in Sachen Corona abgestimmt, kam die Anweisung aus dem Ministerium: Veranstaltungen mit 1000 Menschen und mehr sind verboten. Dazu kam die Nachricht vom ersten bestätigten Wetterauer Corona-Fall.

Die Pressemitteilung des Kreises von 13.49 Uhr am Donnerstag kam nicht unerwartet. Schließlich war es nur eine Frage der Zeit gewesen. »Erster bestätigter Corona-Fall im Wetteraukreis« war darin zu lesen. Es gebe ihn seit Mittwochabend, teilt die Kreisverwaltung mit. »Bei einer jungen Frau, die in einem Nachbarkreis arbeitet, wurde das Virus nachgewiesen. Die Frau befindet sich in häuslicher Absonderung und weist keinerlei Symptome einer Erkrankung auf.« Wie Landrat Jan Weckler mitteilt, seien alle Kontaktpersonen informiert. Das Gesundheitsamt stehe in engem Kontakt mit der Frau.

Die Kreis-Pressestelle teilte absichtlich nicht mit, in welcher Stadt oder Gemeinde die Infizierte beheimatet ist. Man wolle Mutmaßungen vor Ort verhindern und dem Persönlichkeitsschutz gerecht werden, hieß es zur Begründung.

Rosenkönigin wird später inthronisiert

Das Leben im Wetteraukreis dreht sich aktuell weitgehend um Corona. Zahlreiche Veranstaltungen werden abgesagt (siehe dazu eine Absage-Übersicht auf Seite 33) . In einer Bürgermeister-Dienstversammlung am Donnerstag wurde ein Maßnahmenkatalog abgesprochen, um Feuerwehrleute flächendeckend so gut wie möglich zu schützen. Die Feuerwehr sei zwingend systemrelevant, und alle müssten in Quarantäne, wenn nur einer zum Verdachtsfall werde.

Ein weiterer Termin, der dem Virus zum Opfer fällt: die Inthronisation der Steinfurther Rosenkönigin. Eigentlich sollte Sophia Felver am Samstag im Rosensaal das Zepter übernehmen. Nun ziehen Stadt und Mitveranstalter die Reißleine. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben: »Wir werden den Festakt auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Hier bietet sich zum Beispiel der Donnerstag vor dem Rosenfest an«, schlagen Ortsvorsteher Markus Philippi und Bürgermeister Klaus Kreß vor.

42 Schüler müssen zu Hause bleiben

Von einer weiteren Vorsichtsmaßnahme sind 42 Schüler und ihre fünf Lehrer betroffen. Die Zwölftklässler der Friedberger Johann-Philipp-Reis-Schule (JPRS) müssen nach einem Aufenthalt in Südtirol sicherheitshalber für zwei Wochen zu Hause bleiben. Der Landkreis beruft sich auf die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, dass Rückkehrern aus Risikogebieten empfohlen wird, sich für zwei Wochen in häusliche Quarantäne zu begeben.

Die JPRS-Gruppe sei am Freitagabend von der Freizeit zurückgekehrt, schreibt der Wetteraukreis. »Empfangen wurden sie nicht nur von ihren Eltern, sondern auch von Amtsarzt Dr. Reinhold Merbs, der ihnen als Vorsichtsmaßnahme eine 14-tägige häusliche Absonderung verordnete.« Der Kontakt mit der Reisegruppe sei schon vor Abfahrt des Busses hergestellt worden. Keiner der Fahrtteilnehmer habe irgendwelche Symptome gezeigt, heißt es weiter vonseiten der Kreisverwaltung,

»Insofern ist es bislang auch medizinisch nicht sinnvoll, einen Abstrich zu machen. Der würde ja nur eine Momentaufnahme abgeben und möglicherweise eine falsche Sicherheit suggerieren. In drei Tagen kann die Situation schon ganz anders aussehen«, erläutert Merbs. »Wir bleiben deshalb bei unserer Linie - in Übereinstimmung mit dem Robert-Koch-Institut - einen Abstrich erst dann zu machen, wenn die beiden Kriterien zusammenkommen. Also der Besuch in einem Corona-Risikogebiet oder der direkte Kontakt mit einem Menschen, der nachweislich mit Corona infiziert ist, und das Auftreten von deutlichen Krankheitssymptomen, wie sie mit einer schweren Erkältung oder Grippe einhergehen.«

Etwa 60 Väter und Mütter seien in die Aula der JPRS gekommen, Direktor Nick Szymanski habe schon vor Ankunft der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes über Fragen der häuslichen Beschulung, der Verlegung von Prüfungen und des Nachschreibens von Klausuren berichtet.

Die Schüler bleiben in den kommenden zwei Wochen also zu Hause. Schulbesuch, Treffen mit Freunden, Fahrten mit Bus oder Bahn und Einkäufe sind in dieser Zeit tabu. Der Kontakt mit anderen sollte möglichst stark eingeschränkt werden.

Amtsarzt Merbs rät: »Halten Sie einen Abstand von zwei Metern, dann ist man ziemlich auf der sicheren Seite und verhindert eine Ansteckung.«

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