"Suchthilfe ist wichtiger denn je"

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Wetteraukreis(prw). Drogen, Medikamente, Glücksspiel - Sucht kann in vielen Bereichen auftreten. Um Menschen mit einem Suchtproblem zu unterstützen, gibt es das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe (ZJS). Es leistet im Auftrag des Kreises Hilfe und Beratung für Jugendliche und Erwachsene mit Suchtproblemen. Kürzlich, bei der Vorlage des Jahresberichts 2019, bezeichnete Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Stephanie Becker-Bösch die Arbeit des ZJS als wichtiger denn je. Steigende Fallzahlen machten dies deutlich, wie der Wetteraukreis nun in einer Pressemitteilung berichtet. "Sucht ist kein Problem von Randgruppen dieser Gesellschaft, sondern betrifft viele Menschen unter uns", sagte die Sozialdezernentin.

Zehn Mitarbeiter hat das Zentrum für Jugendberatung und Suchthilfe, dessen Hauptstelle in Friedberg ist. Außenstellen des ZJS befinden sich in Büdingen. Zusätzlich gibt es Außensprechzeiten in Nidda und Butzbach. Zudem gibt es Suchthilfe- und Suchtpräventionsangebote in Bad Vilbel und Karben und Angebote der schulischen Jugendarbeit an 36 Schulen im Wetteraukreis. Im vergangenen Jahr haben 1001 Menschen das Beratungsangebot des ZJS genutzt (2018 waren es 916). Dabei wurden 4805 Beratungs- und Behandlungstermine durchgeführt (2018: 4415).

Was die Substanzen angeht, zu denen beraten wird, gab es zum Vorjahr nur geringe Veränderungen. Den größten Anteil mit 37 Prozent zählt Cannabis (2018: 37 Prozent). Es folgen Alkohol mit 34,5 Prozent (2018: 31 Prozent), Opiate und Methadon mit 15 Prozent, Amphetamine und Ecstasy mit 8 Prozent, Kokain und Crack mit 5 Prozent. Andere Substanzen liegen bei rund einem Prozent. Die Themen Medikamente, Spielsucht und Medienkonsum gingen zu zwei Prozent in die Statistik ein.

Angebot für Glücksspieler

Seit knapp zehn Jahren hat das ZJS im Wetteraukreis ein spezifisches Beratungsangebot für Glücksspieler. 31 Menschen wurden im vergangenen Jahr mit der Hauptdiagnose "pathologisches Glücksspiel" betreut. Die Folgen der Sucht sind oftmals verheerend: Verschuldung, zerstörte Familien und manchmal der Versuch mit illegalen Mitteln an Geld für das nächste Glücksspiel zu kommen. "Gerade deshalb ist es auch wichtig, die Vernetzung der Fachberatung Glücksspielsucht des ZJS mit Einrichtungen und Kooperationspartnern im Wetteraukreis weiter auszubauen und zu intensivieren", sagt Hans Peter Krämer, Leiter ZJS.

Ein weiterer Aspekt, wie es in der Pressemitteilung heißt, ist, dass 267 junge Menschen zwischen 14 und 21 Jahren im Berichtsjahr das Beratungsangebot des ZJS angenommen haben. Noch größer war die Resonanz der Fachstelle Prävention in den Schulen, wobei im vergangenen Jahr an dem Projekt "über Sucht und Drogen reden" 2782 Schüler aus 108 Klassen weiterführender Schulen teilnahmen. "Ein direkter Kontakt zu etwa 7500 Schülern aus allen Schultypen konnte hergestellt werden", erläutert Becker-Bösch und weist darauf hin, dass seit Februar zur Unterstützung dieses Angebotes zusätzlich eine 50-Prozent-Stelle für die Fachstelle Prävention in Schulen vom Kreis finanziert wird

Im Zusammenhang mit den Einschränkungen durch die Corona-Krise weist Krämer darauf hin: Für Rat- und Hilfesuchende stehen weiterhin Mitarbeiter (unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften) zu den Öffnungszeiten in allen Einrichtungen zur Verfügung.

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