Christian Weber (l.) und Alfred Kraus im "Gehirn" der Netzführung. (Foto: chh)
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Christian Weber (l.) und Alfred Kraus im "Gehirn" der Netzführung. (Foto: chh)

Stromversorung: Ein Quäntchen Unsicherheit bleibt

Friedberg (chh). Es blubbert im Gehirn. "Das sind Meldungen zur Wasserversorgung", erklärt Alfred Kraus das ungewöhnliche Geräusch, das in regelmäßigen Abständen die Computer verlässt. Mit Gehirn meint der Netzbetriebsleiter die Steuerzentrale der Ovag auf der Warth. "Hier laufen alle Informationen zusammen."

Das Energieunternehmen hatte für Donnerstag die Presse in das Umspannwerk eingeladen, Anlass waren die jüngsten Stromausfälle.

Vor einer Woche hatten die Ovag-Mitarbeiter nicht nur das ständige Blubbern gehört, sondern auch einen lauten Knall. Um 9.07 Uhr war am Trafohäuschen in der Ottostraße eine Muffe hochgegangen, durch die Wucht wurden sogar die Pflastersteine hochgesprengt. "Da hätte ich nicht daneben stehen wollen", sagte Christian Weber. Der Sachgebietsleiter für Bau, Betrieb und Netzführung betonte jedoch, dass die Bauarbeiten auf der Warth – die Ovag investiert 3,9 Millionen Euro in das neue Umspannwerk an der Dorheimer Straße – nicht die Ursache für die Stromausfälle gewesen seien. Während am 21. August die defekte Muffe in der Ottostraße die Stromversorgung lahm gelegt habe, seien es zwei Tage zuvor mehrere Erdschüsse gewesen. "Am 19. August gab es um 14.11 Uhr und 32 Sekunden einen Erdschlusswischer in der Leitung nach Bad Nauheim", sagte Weber. Eine Sekunde später habe es in der Hauptstraße in Fauerbach einen Erdschluss gegeben. Die Folge: ein Doppelerdschluss in der Nähe der Gießener Straße und mehrere Schalterfälle. "Das passiert, wenn die Schutzgeräte die Leitungen abschalten", erklärte Weber.

Was die Erdschlüsse ausgelöst hat, ist laut Kraus immer noch unklar. Von Montagefehlern, Schäden durch Bauarbeiten oder Blitzeinschläge sei alles möglich. Das herauszufinden, habe aber auch nicht die höchste Priorität. "Wichtiger ist in solch einem Fall, die Stromversorgung so schnell wie möglich wieder herzustellen."

Die Arbeiten am neuen Umspannwerk haben den Stromausfall also nicht ausgelöst, Auswirkungen hatten sie aber dennoch – zumindest für Bad Nauheim. Wegen den Arbeiten wurden sowohl Friedberg als auch die Kurstadt über einen Großtransformator versorgt. Daher gingen auch in Bad Nauheim die Lichter aus, als sich in Fauerbach der Kurzschluss ereignete. Eine Wiederholung müssen die Bad Nauheimer aber nicht fürchten: Inzwischen werden beide Städte wieder über separate Transformatoren versorgt.

Um das Risiko von Stromausfällen in Zukunft zu minimieren, will die Ovag weiter Geld in die Hand nehmen. "Wir investieren jährlich 12 Millionen Euro, 10 gehen alleine in das Netz", sagte Kraus. Obendrein gebe das Unternehmen pro Jahr rund 5 Millionen Euro für die Instandhaltung aus, zum Beispiel für neue Schaltanlagen oder Transformatoren. Die Bad Nauheimer Stadtwerke lassen sich die Instandhaltung jährlich 500 000 Euro kosten, sagte deren Mitarbeiter Norbert Mündel, der ebenfalls zur Ovag gekommen war.

Trotz der Investitionen können Stromausfälle nicht zu 100 Prozent verhindert werden, sagte Kraus. Mit einem Quäntchen Unsicherheit müsse man leben. Der Netzbetriebsleiter riet daher zum Kauf von sogenannten Unterbrechungsfreien Stromversorgungen, die bei Störungen im Stromnetz die Versorgung kritischer Technik sicherstellen. "Die gibt es schon ab 100 Euro."

Keine 100-prozentige Sicherheit, dafür aber nur kurze Ausfallzeiten: Die durchschnittliche Dauer der durch Störungen verursachten Versorgungsunterbrechungen ist im Ovag-Netz laut Kraus deutlich geringer als im Bundesschnitt. "2012 waren es deutschlandweit 14,5 Minuten, bei der Ovag hingegen nur 3,4." Hinzu kämen 3,8 Minuten durch geplante Abschaltungen, zum Beispiel bei Reparaturarbeiten.

Für die beiden Folgejahre liegen die Zahlen noch nicht vor. Man braucht kein Experte zu sein um zu wissen, das sie deutlich höher ausfallen werden.

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