Je länger die Leitung, desto höher fallen im Strompreis die Netzengelte aus. Ein Stromnetz in einer Großstadt ist günstiger zu betreiben als eines auf dem Land, wo viele Kilometer zwischen den Kunden überbrückt werden müssen.		FOTO: DPA
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Je länger die Leitung, desto höher fallen im Strompreis die Netzengelte aus. Ein Stromnetz in einer Großstadt ist günstiger zu betreiben als eines auf dem Land, wo viele Kilometer zwischen den Kunden überbrückt werden müssen. FOTO: DPA

Unterschiedliche Netzentgelte

Für Strompreise gilt: Lange Leitung, höhere Kosten

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Nanu, dachte sich der Stromkunde, als er auf der Internetseite der Ovag recherchierte: Für ihn als Friedberger ist der Ovag-Strom teurer als für eine Bewohner von Köln. Dafür gibt es einen Grund.

Ende vergangenen Jahres bekam Ulrich D. wie viele andere Stromkunden Post von der Ovag. Er wurde über die jüngste Tariferhöhung informiert. »Preiserhöhungen sind immer ein unerfreuliches Thema«, sagt der Friedberger. Aber die jüngsten Nachrichten waren mehr als nur »unerfreulich«. Als D. auf der Internetseite der Ovag den Stromtarif-Preisrechner bediente und einige Musterrechnungen anstellte, wurde ihm klar, dass der Ovag-Strom in Berlin oder Köln viel günstiger ist als in der Wetterau oder im Vogelsbergkreis.

Machen wir eine Modellrechnung: Privatkunden aus Friedberg, Florstadt oder Ulrichstein im Vogelsberg zahlen bei einem Jahresstromverbrauch von 5000 Kilowattstunden rund 135 Euro monatlichen Abschlag; die Ovag gewährt hierbei eine Preisgarantie bis zum 31. Dezember 2020.

Kommen die Kunden aber nicht aus Oberhessen, sondern aus Großstädten, zahlen sie oft weniger. Kunden aus Frankfurt zahlen 127 Euro. Die Preisgarantie gilt hier ein halbes Jahr länger, bis zum 30. Juni 2021. Stromkunden aus Köln zahlen nur 116 Euro. In Berlin fallen 114 Euro an (bei einer Preisgarantie bis 31. März 2021). Darmstädter Ovag-Kunden zahlen 121 Euro, Kunden aus Weh rheim im Taunus zahlen 119 Euro - also 16 Euro weniger als die direkten Nachbarn in Friedberg.

Den heimischen Stromkunden stehen verschiedene Tarife zur Verfügung. Der 135-Euro-Abschlag ergibt sich im Tarif ovagPlus. Im Tarif ovagKlick beträgt der Abschlag nur 132 Euro, bei einer Preisgarantie bis 31. Dezember 2021. Trotzdem: Wie kommt das? Warum die unterschiedlichen Preise?

Stadt und Land: Andere Preise

Die Ovag begründet die Unterschiede in einem Schreiben an den Kunden mit den jeweiligen Netzentgelten. Die Betreiber von Strom- oder Gasnetzen erheben dieses Entgelt, wenn andere Stromanbieter Energie durch ihr Netz leiten. Und umgekehrt: Leitet die Ovag Strom durchs Frankfurter Netz, muss sie ein Entgelt zahlen. Das kann in Großstädten deutlich günstiger sein als im eigenen Versorgungsgebiet.

Die Netzentgelte unterscheiden sich teils erheblich. So sind sie im Netzgebiet der Rheinischen Netzgesellschaft (RNG) rund 50 Prozent niedriger als im Netzgebiet der Ovag Netz GmbH. Das wirkt sich auf den Endpreis aus. Es gebe aber auch Netzgebiete, in denen die Ovag Tarife anbiete, die teurer seien als die im eigenen Netzgebiet.

Warum unterscheiden sich die Netzentgelte so stark? Das ist in der unterschiedlichen Struktur der Versorgungsgebiete begründet. Ein Ovag-Mitarbeiter klärt auf: »So ist die Ovag Netz GmbH ein Netzbetreiber, der auf einer recht großen Fläche nur relativ wenige Hausanschlüsse hat.« Im »recht dünn besiedelten östlichen Netzgebiet (östliche Wetterau, Vogelsberg) werden immer mehr dezentrale Erzeuger wie Windkraftanlagen oder Photovoltaik-Anlagen (PV) ans Netz angeschlossen. Dies verursacht teilweise hohe Kosten, die sich in den Netzentgelten niederschlagen.«

Netzbetreiber mit einem städtischen Verteilnetz haben ganz andere Grundlagen. Hier werden auf engem Raum sehr viel mehr Kunden an die Infrastruktur angeschlossen; dezentrale Erzeuger gibt es höchsten in Form von PV-Anlagen. Leistungsstarke Windkraftanlagen findet man im städtischen Raum gar nicht.

Da sich der Strompreis aus unterschiedlichen Komponenten zusammensetzt und das Netzentgelt nur eine davon ist, fallen die Tarife in unterschiedlichen Gebieten auch unterschiedlich aus. Man biete aber auch außerhalb des Grundversorgungsgebietes keine Tarife an, die für die Ovag nicht kostendeckend seien. Und Tarife mit einer längeren Preisgarantie biete man auch an, allerdings seien dies - im Gegensatz zum Tarif ovagStromNatur - keine Produkte aus regenerativer Energie.

Strompreis ist nicht gleich Strompreis

»Den« Strompreis gibt es nicht. Es gibt Strompreise für Privatkunden, Gewerbe- und Industriekunden, es gibt Großhandels- und Einzelhandelspreise, die an der Strombörse bestimmt werden und neben einer Reihe von Sondertarifen auch Kosten, die variabel sind. Die Bundesnetzagentur listet die Bestandteile des Strompreises wie folgt auf: Kosten für die Strombeschaffung (Erzeugung oder Einkauf), Vertrieb und Gewinnmarge; Steuern (Umsatz- und Stromsteuer), das Nettonetzentgelt; das Entgelt für die Kosten der technisch notwendigen Mess- und Steuereinrichtungen (z. B. Zähler), die Ablesung und das Inkasso sowie Abgaben und Umlagen (u. a. Konzessionsabgabe sowie Umlagen nach EEG, KWKG, Strom-Netzentgeltverordnung, Offshore-Netzumlage und Umlage für abschaltbare Lasten.

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