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Stromkrise: Energieversorger Ovag macht Verluste

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Die Stromkosten sind stark gestiegen - auch für Energieversorger wie die Ovag bedeutet das Gewinneinbußen in dieser Sparte. SYMBOL © Red

Dass die Energiekrise fast alle Verbraucher empfindlich trifft, ist kein Geheimnis. Aber wie steht es mit einem Energieunternehmen wie der Ovag? Rutschen deren Umsatzzahlen auch in den Keller?

Eine erste Einschätzung der gegenwärtigen Wirtschaftslage des Ovag-Konzerns ist dem Wirtschaftsplan 2023 zu entnehmen, der auf der Verbandsversammlung des Zweckverbands Oberhessischer Versorgungsbetriebe (ZOV), zu dem die Ovag gehört, am Freitagnachmittag zur Abstimmung gestellt wurde. Mit 1,2 Millionen Euro Verlust rechnet der Vorstand für das kommende Jahr. Dass dieser sogar noch höher ausfallen kann, zeigt der vorsichtshalber eingesetzte Höchstbetrag der Betriebsmittelkredite.

Vor Kurzem hatte der ZOV noch 1,1 Millionen Euro an die drei Eigner-Landkreise Wetterau, Vogelsberg und Gießen ausschütten können. Doch das war für den Zeitraum (2021) vor dem Ukraine-Krieg.

Zweckverbandschef Claus Spandau (CDU) versuchte in seiner Rede, Mut zu machen - auch den Kunden: »Durch die langfristige Einkaufsstrategie konnte die Ovag seit drei Jahren die Strompreise stabil halten. Dadurch konnten die Auswirkung der Preisentwicklung für 2023 abgemildert werden. Dennoch ist eine Preisanpassung zum 1.Januar unumgänglich.« Wie berichtet steigt der Arbeitspreis in der Grundversorgung auf ca. 45 Cent pro Kilowattstunde Strom (inklusive Umlagen, Steuern und Netzentgelte), wobei die weggefallene EEG-Umlage bereits herausgerechnet ist.

Anschließend skizzierte Spandau kurz die für den Konzern wichtigen Ereignisse der zurückliegenden zwölf Monate. So schreite der Bau einer Wasseraufbereitungsanlage im Gewinnungsgebiet Merkenfritz planmäßig voran. Das rund 1,2 Millionen Euro teure Projekt soll in diesem Jahr noch abgeschlossen werden und für Beruhigung im Bereich des Trinkwassermanagement sorgen - ein Bereich, der in diesem Jahr neben der Strompreiserhöhung für viel Diskussion gesorgt hat. Für Ruhe hat Spandaus Ansicht nach auch die Einführung der Wasserampel geführt. Auch mit ihrer Hilfe sei der Wasserverbrauch auf Vorjahresniveau gehalten worden.

Als erfolgreichen Beitrag zur Energieeinsparung wertete der Vorsitzende der Verbandsvorstands auch die Umrüstung auf LED-Leuchten und die Reduzierung der Schaltzeiten bei der Straßenbeleuchtung in fast allen Kommunen des Verbandsgebiets. Die Inbetriebnahme des Windparks Lauterbach/Brauerschwend sei für Frühjahr 2023 vorgesehen und für das Bauvorhaben Erbenhausen liege zumindest eine Teilgenehmigung vor. Der Windpark Winterstein, den die Ovag mit den Anrainer-Kommunen entwickeln will, lässt dagegen weiter auf sich warten.

Dafür gehe es in Sachen Erweiterung des Solarparks am Wölfersheimer See zügig voran. Die Gemeindevertretung hatte dem Projekt immerhin schon zugestimmt.

Grüne vermissen Klimaziele

Nicht ganz so zuversichtlich wie der Verbandsvorsitzende Spandau sehen die Grünen die Situation der Ovag. Ihr Sprecher Dr.Udo Ornik bemängelte in der Sitzung, dass die Verbandsmitglieder nicht ausreichend informiert würden. So sei in den Sitzung bisher weder über die Situation am Gemeinschaftskraftwerk Bremen, an dem die Ovag beteiligt sei, oder über die Auswirkungen der Energiekrise auf den Verkehr gesprochen worden. Weiter beanstandete Ornik, die Ovag schaue nur auf ihre wirtschaftliche Belange, nicht aber auf langfristige Klimaziele. Die Grünen lehnten deshalb den Wirtschaftsplan 2023 ab. Mit 35 Ja- und elf Neinstimmen (bei einer Enthaltung) wurde der Plan trotzdem beschlossen.

Mit großer Mehrheit angenommen wurde der gemeinsame Antrag von SPD und CDU zur Förderung von Mieterstrom durch die Bundesregierung. Diese soll aufgefordert werden, die rechtlichen Regelungen dafür zu erlassen.

Den Antrag der Grünen auf den Ausbau fossiler Wärmeversorgung für private und gewerbliche Kunden wurde nach Intervention des Vorstandsvorsitzenden Joachim Arnold zurückgezogen. Der hatte nämlich daraufhin gewiesen, dass die Kunden vor allem im ländlichen Raum nicht mitziehen würden. »Erst müssen die Kommunen Anschluss- und Benutzungszwang für derartige Anlagen erlassen, bevor sich diese durchsetzen lassen«, argumentierte Arnold.

Auch ihren Antrag auf Beteiligung des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus an der Modernisierung der Vogelsbergbahn zogen die Grünen zurück - der Fahrgastverbandes sei längst in die Planung einbezogen.

Stromsperren? Vorstand verspricht Entgegenkommen

Keine Mehrheit fand der Antrag der Linken auf Aussetzen der Stromsperren bei Zahlungsunfähigkeit des Kunden. Ovag-Vorstand Oswin Veith hatte zuvor betont, dass der Energieversorger Entgegenkommen zeige, wenn Kunden aufgrund der momentane Krise nicht mehr in der Lage seien, ihre Rechnung zu zahlen. »Wir gehen den Weg der Besonnenheit und versuchen unseren Kunden soweit wie möglich entgegenzukommen«, sagte Veith. Der Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt.

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