Besuch vor Ort: Landrat Jan Weckler (r.) schaut sich die Obstbrennerei Weidmann & Groh in Ockstadt an und lässt sich von Brenner Norman Groh (l.) die Arbeitsabläufe erklären. FOTO: PRW
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Besuch vor Ort: Landrat Jan Weckler (r.) schaut sich die Obstbrennerei Weidmann & Groh in Ockstadt an und lässt sich von Brenner Norman Groh (l.) die Arbeitsabläufe erklären. FOTO: PRW

Streuobstwiese auf dem Tisch

  • vonred Redaktion
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Friedberg-Ockstadt(prw) "Die Herstellung von Obstbränden ist ziemlich aufwendig." Das weiß Brenner Norman Groh von der Obstbrennerei Weidmann & Groh in Ockstadt. Diese Brennerei stellt seit mehr als drei Jahrzehnten Obstbrände her. Mittlerweile aber auch Bier und Apfelwein. Einer der Ockstädter Apfelweine hat sogar schon eine Goldmedaille erhalten. Landrat Jan Weckler hat sich dieser Tage die Brennerei angesehen und sich die Arbeitsabläufe erklären lassen.

Wer die Gebäude in der Ober Wöllstädter Straße besucht, dem schlägt sofort ein feiner Duft von Kirschen und anderen destillierten Früchten entgegen. Kein Wunder, denn mehr als zwei Dutzend Früchte, vor allem aus Ockstadt und der näheren Umgebung, destilliert Norman Groh.

Neben Klassikern wie Mirabellen- und Zwetschenwasser, Birnenbrand und Obstler gibt es auch Holunder- und Quittenbrand, Himbeer-, Johannisbeeren- und Schlehengeist, aber auch Besonderheiten wie Ingwer-Lemongrasgeist, Haselnuss oder Zibartenbrand, für den Wildpflaumen gebraucht werden. Grohs Lieblingsbrand ist das Kirschwasser, natürlich aus Ockstädter Kirschen.

Die Herstellung von Obstbränden ist ziemlich aufwendig, wie Groh erklärte. Die Kirschen werden meist von Hand gepflückt, Stiele, Blätter und Zweige entfernt, die Früchte zerkleinert, aber nicht so stark, dass die Kerne Schaden nehmen. Danach beginnt der Gärvorgang, indem Hefe zugesetzt wird, wird der Zucker in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. Danach beginnt der Brennvorgang: Dabei soll der in der Maische enthaltene Alkohol gemeinsam mit den Aromastoffen von den übrigen Bestandteilen herausgetrennt werden. Dieser Vorgang erfordert viel Können und Erfahrung, die Groh in seiner Ausbildung zum "Staatlich geprüften Brenner" gemacht hat.

Corona setzt Betrieb zu

Im Brennvorgang wird die Maische unter Rühren erhitzt und der Alkohol aus der Maische destilliert. Aus zehn Kilogramm Kirschen kann Norman Groh so etwa einen Liter Kirschwasser gewinnen. In den nächsten Tagen beginnt die Arbeit in der Brennerei, die Groh in den nächsten Monaten beschäftigen wird. Dabei hat er gerade die Keltersaison beendet, rund 30 000 Liter Apfelwein warten jetzt in Fässern auf die Abfüllung. Besonderes Augenmerk liegt auf den Apfelweinen, die mit dem gleichen Aufwand hergestellt werden wie Wein aus Trauben. Auch deshalb füllt Groh seinen Apfelwein in Flaschen ab, die man vom Wein her kennt. Sein Produkt unterscheide sich von Massenprodukten. Der Aufwand sei deutlich größer, der müsse auch bezahlt werden. Deshalb sei sortenreiner Apfelwein eher ein Genussmittel, mit dem man sich die Streuobstwiesen der Wetterau auf den Tisch holt, meint Groh.

Ein weiteres Standbein, das Norman Groh mit seinem Bruder Lorenz ins Leben gerufen hat, ist das "Kultland-Bier", das er seit einigen Jahren in Ockstadt braut. "Wir haben ein gutes Dutzend Restaurants, die das Bier direkt aus dem Fass anbieten", sagt Norman Groh. Die Corona-Krise habe dem kleinen Unternehmen mächtig zugesetzt, vor allem, weil die großen Feste ausgefallen sind. Aber auch viele Privatfeiern hatten den Absatz von "Kultland-Bier" ziemlich einbrechen lassen. "Zum Glück sind wir in den letzten Jahren organisch gewachsen und konnten so durch die anderen Standbeine ausgleichen", sagt Norman Groh.

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