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Unerwünschter Anblick: Die Streuobstwiese am Wingert nach dem Mulchen, das in Zukunft nicht mehr vorkommen soll.

NABU erbost

Streuobstwiese gemulcht, Hessen Mobil räumt Fehler ein

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Von einem "Tatort" spricht der Naturschutzbund Friedberg und meint den Dorheimer Wingert. Ein Verbrechen hat es dort nicht gegeben, allerdings einen Umweltfrevel.

Die Mitglieder des Friedberger NABU haben viel Zeit und Herzblut in den nordwestlich von Dorheim jenseits der B 455 gelegenen Wingert investiert. Stinksauer reagiert deshalb Vorstandssprecherin Ruth Müller auf das erneute Mulchen einer Streuobstwiese, schon im vergangenen Jahr wurde diese aus Naturschutzsicht unsachgemäße Pflege angewandt. In dem rund 20 Hektar großen Gebiet ist nach Aussage von NABU-Pressesprecher Axel Müller eine rund 2000 Quadratmeter umfassende Fläche betroffen. "Das Grundstück gehört dem Land Hessen und wurde nach dem Bau von B 3 und B 455 als Ausgleichsfläche in Form einer Streuobstwiese angelegt."

Das Jahr über sei dort ein Schäfer mit seinen Tieren zugange und sorge für eine naturnahe Bewirtschaftung. "Auch er war geschockt, als er das Ergebnis des Mulchens gesehen hat", sagt Axel Müller. Seiner Ansicht nach wird die mit einer Streuobstwiese eigentlich bezweckte Artenvielfalt durch die Landesbehörden in diesem Fall konterkariert. Beim Mulchen werde das Schnittgut gehäkselt und bleibe auf der Fläche liegen. Das führe zu einem Düngeffekt, der stark wachsenden Pflanzen wie normalem Gras zugute komme. "Auf der Strecke bleiben die Pflanzen, die hier wachsen sollen. Nämlich eine Vielzahl von Blütenpflanzen und Gräser, die einen mageren Boden benötigen", erläutert der Pressesprecher. Die Folge: Das Insektenvorkommen schwinde, Vögel und Fledermäuse fänden weniger Nahrung. Neben der extensiven Beweidung durch Schafe und Ziegen hält der Naturschutzbund ein einmaliges Mähen pro Jahr mit Beseitigung der Mahd für sinnvoll.

Naturschutzbehörde hakt nach

2018 hatte Axel Müller die unsachgemäße Bearbeitung zufällig stoppen können, als ein Teil der Wiese noch nicht gemulcht war. In diesem Jahr bemerkten die NABU-Mitglieder das Treiben der beauftragten Firma zu spät. Der Vorstand hat sich an die Naturschutzbehörden gewandt, die diese Art der Pflege künftig verhindern sollen.

Die Obere Naturschutzbehörde hat sich bereits an Hessen Mobil gewandt, das im Landesauftrag für diese Ausgleichsfläche zuständig ist. Eine lange Diskussion dürfte nicht erforderlich gewesen sein, denn die Behörde räumt den Fehler ein. "Die Kritik des NABU ist in Bezug auf das Mulchen der Ausgleichsflächen durchaus berechtigt", betont Hessen-Mobil-Sprecherin Cornelia Höhl. Verantwortlich sei ein beauftragtes Unternehmen, das sich nicht an die Vorgaben von Hessen Mobil gehalten habe, denn ein Mulchen sei nie vorgesehen gewesen. Der Partner sei "unmittelbar und unmissverständlich" darauf hingewiesen worden, sich künftig genau an den Auftrag zu halten.

"Hessen Mobil bedauert dieses Vorkommnis sehr", versichert Höhl. Die Technik des Mulchens soll nur an Straßenrändern eingesetzt werden, aber nicht auf Streuobstwiesen. Es handele sich um ein einfaches und gängiges Verfahren. Aus ökologischer Sicht sei es allerdings bedenklich, weil ein Sog entstehe, der Insekten und andere Kleintiere vernichte.

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