Rindenbrand am Stamm von Obstbäumen bereitet Obstbauern Sorgen. FOTO: STEFFEN KAHL
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Rindenbrand am Stamm von Obstbäumen bereitet Obstbauern Sorgen. FOTO: STEFFEN KAHL

Stresstest für die Obstbäume

  • vonred Redaktion
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Wetteraukreis(prw). Seit dem heißen Sommer 2003 gab es erste Meldungen über absterbende Apfelbäume und eine bisher unbekannte "Rindenerkrankung". An Stämmen und Ästen der Bäume, besonders an Rissen und Verletzungen zeigen sich dunkle Flecken, die mitunter den ganzen Stamm überziehen können.

Betroffen vom sogenannten Rindenbrand sind vor allem trocken- und stressgeschädigte Obstbäume, die sich nach den letzten zwei trockenen Sommern vermehrt auch im Wetteraukreis finden. "Die Erstinfektion erfolgt in der Regel über Verletzungen durch Frost, Sonne und Schädlinge, aber auch durch Schnittmaßnahmen, Wunden durch Wildverbiss und Anfahrschäden (Mähschaden)", erklärt Franka Hensen, Geschäftsführerin des Naturschutzfonds Wetterau. "Der Befall bleibt oft zunächst unbemerkt, bis die Krankheit durch Stresssituationen wie Frühjahrs- und Frühsommertrockenheit ausbricht."

Aufgrund fehlender Bewässerung und dem Verzicht von Pflanzenschutzmitteln sind insbesondere extensiv bewirtschaftete Streuobstwiesen betroffen. Anders als bei der vergleichbaren Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen, deren Ausbreitung im letzten Jahr stark zugenommen hat, sind die Sporen des Pilzes, der für den Rindenbrand bei Obstbäumen verantwortlich ist, für Menschen vollkommen ungefährlich.

Da es kein zugelassenes Pflanzenschutzmittel gegen den Pilz gibt, bleiben nur Maßnahmen, die die Widerstandsfähigkeit der Bäume stärken. Bei befallenen Apfelbäumen wird geraten, die betroffenen Äste abzuschneiden, bei stellenweisen Verfärbungen am Stamm können diese herausgeschnitten und die Wunde mit einem Verschlussmittel verdeckt werden.

Um dem witterungsbedingten Trockenstress vorzubeugen, empfiehlt sich in niederschlagsarmen Zeiten idealerweise eine Bewässerung der Obstbäume, was jedoch auf Streuobstwiesen nur schwer umsetzbar ist. Franka Hensen empfiehlt bei der Pflege der Streuobstwiese, die Baumscheiben durch Mähen offen zu halten, um die Wasserkonkurrenz zu verringern. In der Fachliteratur wird zudem das Anstreichen der Stämme mit weißer Farbe ("Weißeln") empfohlen. Dadurch werde die Sonneneinwirkung am Stamm reduziert und es entstehen weniger Risse in der Rinde, die das Eindringen des Pilzes ermöglichen.

Richtiger Standort und Sorten wichtig

"Für die Neuanlage von Streuobstwiesen ist eine geeignete Standortwahl und die Verwendung der richtigen Obst- und Sortenwahl von elementarer Bedeutung für die Vitalität der Bäume. Extremstandorte sollten gemieden werden", schreibt Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Naturschutzfonds Wetterau. "Der Naturschutzfonds berät Interessierte gerne zu allen Themen rund um die Streuobstwiesen, die nicht nur im Wetteraukreis einzigartige und besonders schützenswerte Naturlebensräume darstellen."

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