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Angst vor Ruhestörung durch Baumbestattungen: Dr. Regina Bechstein-Walther (FDP) lehnt den Waldfriedhof in Ossenheim ab, erntet dafür aber harrsche Kritik.

Kommunalwahl: Video sorgt für Kritik

Streit um Friedwahld: FDP operiert mit falschen Zahlen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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In Friedberg sorgt ein Facebook-Video von Dr. Regina Bechstein-Walther (FDP) für Diskussionen. Es geht ums Ossenheimer Wäldchen, den geplanten Waldfriedhof und falsche Zahlen.

Soviel Dramatik muss sein: »Waldrettung« hat Dr. Regina Bechstein-Walther, FDP-Stadtverordnete und Mitglied des Ortsbeirats von Ossenheim, ihr Video überschrieben. Den dort geplanten Waldfriedhof lehnt Bechstein-Walther ab, befürchtet, dann sei es vorbei mit Ruhe und Erholung. 30 Parkbuchten seien geplant, die großen Wege würden geschottert, ein Drittel des Wäldchens sei betroffen. Außerdem sagt Bechstein-Walther voraus, dass die Autofahrer nicht die ausgewiesene Anfahrt benutzen würden, sondern das Wäldchen über den Schleichweg der Assenheimer Straße ansteuern würden.

Dass sich »unser beliebtes kleines Wäldchen« in Privatbesitz von Philip zu Solms-Rödelheim befindet, erwähnt Bechstein-Walther nicht. Die FDP-Politikerin warnt im Diskussionsforum vor privaten Friedwäldern; durch diese Konkurrenz würden Finanzierung und Unterhaltung der städtischen Friedhöfe schwieriger.

Simone Hahn-Wiltscheck, SPD-Stadtverordnete und ebenfalls Ortsbeiratsmitglied in Ossenheim, bezeichnete es auf der Facebook-Seite »Ideen für Friedberg« als »sehr anmaßend, Falschinformationen jetzt vor der Kommunalwahl zu verbreiten«; die Fakten im Video seien »polarisierend falsch wiedergegeben.« Wie Hahn-Wiltscheck schreibt, sind 25 Parkplätze vorgesehen, keine 30. Auch erstrecke sich der geplante Waldfriedhof nicht über ein Drittel des Wäldchens. »Das Ossenheimer Wäldchen hat eine Größe von ca. 35 Hektar, es sind drei bis fünf Hektar für den Waldfriedhof angedacht.« Das wären zwischen 8 und 14 Prozent. »Hinzukommt, dass dies Maximalwerte sind. Der Graf wird klein beginnen«. Der Zugang von der Firma Preußner zu den Parkplätzen in der Nähe des Wasserhäuschens werde geschottert, alle anderen Wege mit Rindenmulch befestigt, erinnert die SPD-Politikerin an den Ortstermin im August 2020, als die Pläne den politische Gremien vorgestellt wurden. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) hatte seinerzeit Zustimmung signalisiert.

Andere Kommentatoren antworten mit Ironie: »Klar, die Toten und deren Angehörigen feiern Party im Wald«, schreibt Bettina Neumann. SPD-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus-Dieter Rack nennt es »bedauerlich, dass dieses Thema kurz vor der Kommunalwahl in den Wahlkampf hineingezogen, zudem mit falschen Zahlen operiert wird und eine Ablehnungsstimmung erzeugt werden soll«. Pascal Miller schreibt, das Video passe »zu den andauernden Falschinformationen der FDP zum Thema Windkraft. Glaubwürdigkeit und Faktenorientierung ist nichts, womit die Herrschaften punkten können.«

Wird die Naherholung beeinträchtigt?

Michael Freund war, wie er schreibt, Ende 2020 Teilnehmer einer Friedwald-Bestattung: »Ich hatte nicht den Eindruck, dass die Veranstaltung die dortige Naherholung beeinträchtigt hat.« Würden die Parkplätze gut ausgeschildert, würden auch keine Schleichwege genutzt. Und: »Wenn wir in Ossenheim etwas für den Erhalt des Wäldchens als Naherholungsgebiet tun wollen, müssen wir die aktuell geplante Trasse der Umgehungsstraße verhindern, die direkt am Waldrand entlang führen soll und unser Städtchen vom Wald abschneiden würde.«

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