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Diese beiden Spielautomaten laufen, zwei andere haben die Betreiber der Spielhalle am Dicken Turm bereits abgebaut. Laut Spielgeräteverordnung dürfen je 12 Quadratmeter Grundfläche höchstens ein Geld- oder Warenspielgerät aufgestellt werden.

Kontrolle des Ordnungsamtes

Streit um Spielhalle: Betreiber baut Geräte ab

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Necdet Cakmak hat Angst um seine Existenz. "Die Stadt Friedberg will mich kaputtmachen", sagt der Besitzer der Spielhalle am Dicken Turm. Vier seiner acht Spielgeräte sollen abgeschaltet werden.

Die Tage der Spielothek unterhalb des Dicken Turms sind gezählt. Ende 2024 ist Schluss, darauf haben sich die Stadt Friedberg und die Betreiberfirma FB Schloss GmbH im Januar vor dem Verwaltungsgericht in Gießen geeinigt. Hintergrund: Die Stadt hatte eine Verlängerung der Betriebskonzession abgelehnt. Als Gründe wurden angeführt, die Betreiberfirma habe die Stadt mehrfach nicht über einen Wechsel des Geschäftsführers informiert, weshalb man dessen Zuverlässigkeit nicht habe überprüfen können. Außerdem berief sich die Stadt auf das neue Jugendschutzgesetz, das bei Spielhallen einen Mindestabstand von 300 Metern zu Schulen oder anderen Jugendeinrichtungen vorschreibt.

Die Gegenseite bezweifelte, ob die Spielhalle wirklich am Schulweg des Burggymnasiums liegt. Außerdem wurde vor Gericht vorgebracht, dass man alle Auflagen beachte. Der Richter wertete die Verstöße als nicht schwerwiegend, die Spielhalle bekam ihre Konzession - für fünf Jahre, wie im Falle der übrigen Friedberger Spielhallen auch.

Klar ist: Politik und Stadtverwaltung wollen am liebsten überhaupt keine Spielhallen mehr in der Innenstadt dulden; der aktuelle Bebauungsplan lässt dies nicht mehr zu. Diese Woche bekam Cakmak Besuch vom Ordnungsamt. Die Größe des Betriebs wurde kontrolliert. Dabei fiel offenbar auf, dass einer der Räume nicht, wie auf einem Plan eingezeichnet, 96, sondern nur 76 Quadratmeter groß ist. "Deshalb sollen wir vier von acht Spielgeräten abschalten." Cakmak kann das nicht verstehen. Der Plan sei genehmigt worden, jetzt gelte er plötzlich nicht mehr. Die Vermessung des Ladens habe das Ordnungsamt vorgenommen, nicht er. "Die haben sich verrechnet, nicht ich."

Umbau innerhalb von 24 Stunden?

Als er angeboten habe, eine Trennwand zu versetzen, um auf die nötige Größe zu kommen, habe eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes "gedroht", wenn das nicht innerhalb von 24 Stunden geschehe, mache sie den Laden dicht. Cakmak: "Aber das geht nicht in einem Tag. Die Verkabelung und die Überwachungstechnik sind kompliziert." Gerade hat er 25 000 Euro in die Einrichtung eines Bistros im Keller investiert. "Jetzt wollen die mir den Laden zumachen!", empört sich der 56-Jährige. Jedes zweite Wort der städtischen Mitarbeiterin sei eine Drohung gewesen. "Ich lebe seit 1979 in Deutschland, schätze die Sauberkeit und die Ordnung hier. Ich hatte in Offenbach ein Hotel, habe in Frankfurt, Wiesbaden und früher schon einmal in Friedberg Spielhallen betrieben. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt."

Er habe Angst, sagt Cakmak. Die kleine Spielhalle sichere die Existenz von zwei Familien und sieben Mitarbeitern. Sein Verdacht: Die Stadt wolle sich für das Gerichtsurteil revanchieren und ihn in die Insolvenz treiben. "Dann sind die uns los." Frank Halbritter, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes, hat diese Darstellung zurückgewiesen. Halbritter zitiert die Rechtsgrundlage für Spielhallen, wo die Abstände zwischen den Geräten vorgeschrieben sind. Daran hielten sich die Mitarbeiter. Und: "Wir haben noch kein Gerät versiegelt."

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