So sieht das neu verlegte Betonschwellengleis aus.	FOTOS: STEFAN JOHN
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So sieht das neu verlegte Betonschwellengleis aus. FOTOS: STEFAN JOHN

Strecke ist wieder in Schuss

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Wetteraukreis (pm). Die Eisenbahnfreunde Wetterau (EFW) haben sich in den vergangenen Monaten mächtig ins Zeug gelegt, um die 20,8 Kilometer lange Strecke von Bad Nauheim/Nord über Griedel bis nach Münzenberg beziehungsweise »hoch« bis zum Kreisel kurz vor Butzbach - wo es nötig war - wieder flottzumachen.

Diese Strecke bestand ausschließlich aus Holzschwellen, was laut Stefan John von den EFW generell kein Problem ist. Da der Schwellenabstand 65 Zentimeter beträgt, liegen dort ziemlich genau 32 000 Holzschwellen.

280 Kilo pro Betonschwelle

Nach etwa 20 bis 40 Jahren haben diese je nach Lage ausgedient und müssen erneuert werden, denn Feuchtigkeit und Belastung setzen ihnen zu, und die Holzschrauben, die die Rippenplatten halten, worauf die Schienenprofile befestigt sind, geben in den Löchern der Holzschwellen nach. Man könne die Rippenplatten versetzen und neue Löcher bohren, doch das halte auch nur zehn bis 15 Jahre, erläutert John.

Er erinnert an einen Vorfall im September 2019. Damals habe in der Griedeler Kurve kurz hinter dem Bahnübergang Münzenberger Weg der Oberbau nicht mehr standgehalten. Und das trotz regelmäßiger Kontrollen und trotz Vorkehrungen. Die Fahrten mussten abgebrochen werden. Daraufhin wurde die Strecke gesperrt.

Jetzt begannen die wirklichen Arbeiten der ehrenamtlichen Eisenbahnfreunde. Für November hatten sie bereits das Material beschafft, um dort die Gleisanlage instand zu setzen. Durch die Streckensperrung konnten sie früher beginnen, und so wurde ab Mitte Oktober mit dem Austausch von zweimal 280 Schwellen begonnen. Da die Kurve nahe der Wetter und immer im Schatten hoher Bäume liegt, hat man sich für Betonschwellen entschieden.

Dazu erläutert John: »Diese waren bisher noch nicht eingebaut worden, denn sie sind recht unhandlich zu verlegen. Liegen sie aber einmal, dann sind sie unverwüstlich und tragen dazu bei, dass das Schienenprofil sicher und dauerhaft liegt und nichts mehr verrottet.« Eine Holzschwelle wiege rund 80 Kilo, eine Betonschwelle 280 Kilo - was eine händische Verlegung unmöglich mache. Trotzdem haben sich die EFW dafür entschieden.

Die Arbeiten mussten gut geplant werden, denn in diesem Bereich kann man nicht seitlich ans Gleis herankommen, daher musste alles vorher dort abgelegt werden, wo es später gebraucht wurde. Insgesamt drei Monate bis Mitte Januar trugen die Aktiven der EFW das Gleisbett ab, baggerten aus, verlegt neu und schotterten ein.

Insgesamt mussten 650 Tonnen Gleisschotter bestellt und ins neu verlegte Gleis eingebracht werden. Mitte Januar wurde eine Gleisstopfmaschine angemietet, die den Bereich final ausrichtete und stopfte. Dies war mit rund 18 000 Euro der teuerste Teil der Instandsetzung. Im Februar wurde die Richtungsweiche in Griedel erneut. Die Schienenprofile erhielten neue Holzschwellen und neuen Schotter. Diese Arbeiten wurden am vergangenen Wochenende erfolgreich abgeschlossen, sodass die Strecke wieder durchgehend befahrbar ist - von Bad Nauheim/Nord nach Münzenberg beziehungsweise nach Butzbach-Ost.

Kosten liegen bei 68 000 Euro

Die Arbeiten am Hauptgleis in Griedel sind laut John erst einmal abgeschlossen, »und die Eisenbahnfreunde sind bestens vorbereitet auf die neue Saison«. Die Arbeiten hätten die Kasse des Vereins aber erheblich belastet, und das in einer Jahreszeit mit kaum Einnahmen. Für die 650 Tonnen Gleisschotter, 560 Betonschwellen, Stopfmaschine, andere Baumaschinen und Kleinmaterial mussten rund 68 000 Euro bezahlt werden. Die Arbeiten an den Gleisen der Strecke sind damit nicht vorbei, denn andere, wenn auch kleinere Projekte warten bereits.

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