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Manfred Paul, Franz Poltrum, Michael Schneller und Frank Lotz (v. l.) freuen sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit von Landwirten und OVAG beim Grundwasserschutz.

Stickstoff in Pflanzen binden

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Wetteraukreis (pm). Die Sommerernte spielt auch für die Trinkwassergewinnung und den Grundwasserschutz der Oberhessischen Versorgungsbetriebe (OVAG) eine Rolle. Seit vielen Jahren kooperiere die OVAG mit den Landwirten der Gebiete der Wasserbewirtschaftung des Unternehmens. Das Ziel ist es, gemeinsam das Grundwasser zu schützen, wie die OVAG in einer Pressemitteilung schreibt.

Austausch nach getaner Ernte

Kürzlich traf sich Franz Poltrum, Abteilungsleiter Wasser bei der OVAG, nach Abschluss der Ernte mit den Kreislandwirten der Landkreise Gießen und Wetterau, Manfred Paul und Michael Schneller, zu einem Austausch. Auch Frank Lotz, der Sachgebietsleiter für Grundwasserschutz beim Maschinenring Wetterau und verantwortlich für die Kooperation zwischen OVAG und den Landwirten, war dabei.

Die OVAG versorge die Bevölkerung jährlich mit rund 30 Millionen Kubikmeter Trinkwasser. Gewonnen werde das Wasser in den Wasserschutzgebieten, welche sich in der Wetterau und im westlichen, unteren Vogelsberg entlang der Horloff, Lauter, Nidda und Nidder auf einer Fläche von etwa 45 000 Hektar erstreckten - dort wirtschafteten rund 200 Landwirte. »So ist es der OVAG als regionales Unternehmen seit Jahrzehnten ein Anliegen, ein gutes Verhältnis mit den Landwirten zu pflegen«, betonte Poltrum.

»Wir legen Wert auf vorbeugenden Grundwasserschutz. Alle bewirtschafteten Brunnen zeigen Nitratniveaus, welche weit unterhalb der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung liegen«, erklärt Poltrum. Auch Lotz unterstrich das gute Miteinander, das Wasserversorger und Landwirte in der Region pflegten. Dies gelte nicht nur für die OVAG, sondern auch für weitere rund 20 Wasserschutzgebietskooperationen, die er und sein sechsköpfiges Team seit über 20 Jahren wetterauweit betreuten.

Das Miteinander sei Grundlage, aber keine Garantie für das Ziel der Beratungsarbeit. Es gelte, definierte Erfolgsparameter zu erfüllen - wobei alle Instrumente der landwirtschaftlichen Wasserschutzberatung einzusetzen seien. Diese Beratung begleitet die Landwirte über das ganze Jahr, beziehungsweise über langjährige Fruchtfolgen, heißt es in der Pressemitteilung.

Durch Untersuchungen des Bodens und der Pflanzen im Frühjahr erhielten die Landwirte der Wasserschutzgebiete der OVAG beispielsweise eine standort- und ertragsangepasste Düngeempfehlung für jede Kultur. Der gedüngte Stickstoff solle möglichst vollständig in Pflanzenertrag umgesetzt und von der Fläche abgefahren werden. »Aber auch die Zeit nach der Ernte ist wasserschutzfachlich von großer Bedeutung«, sagte Lotz.

Insbesondere durch intensive Bodenbearbeitung mineralisierter, organisch gebundener Stickstoff berge die Gefahr, dass er in der winterlichen Sickerperiode in tiefere Bodenschichten und letztlich in das Grundwasser verlagert werde. Hier solle das Nachernte-Management optimiert werden, indem eine Folgekultur angebaut werde, welche noch vor dem Winter Reststickstoff in Pflanzenmasse binde. Folge im nächsten Frühjahr eine Sommerkultur wie Mais, könne eine im Sinne des Wasser- und Bodenschutzes ausgesäte Zwischenfrucht Nitrat in Pflanzenmasse binden.

Erfolge seien in den vergangenen Jahren beim Einsatz organischer Dünger erzielt worden: Hierbei sei der Stickstoff zunächst organisch gebunden und werde erst mit Verzögerung für die Pflanzen verfügbar. »Am Ende des Tages zählt für alle Beteiligten die Wasserqualität«, sagt Poltrum. Dass alle bewirtschafteten Brunnen weiterhin Nitratniveaus von lediglich 10 bis 25 Milligramm Nitrat pro Liter aufweisen würden, bestätige die Strategie des vorbeugenden Grundwasserschutzes. Die Kooperation, die OVAG und Landwirte pflegten, solle in den kommenden Jahren noch weiter intensiviert werden.

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