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"SteinReich Wetterau"

Steine bemalen und auslegen

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Seit einiger Zeit gibt es die Facebook-Gruppe "SteinReich Wetterau". Die Mitglieder bemalen Steine und legen sie aus. Dadurch hat sich schon die ein oder andere erstaunliche "Steinreise" ergeben.

Die weiteste Strecke hat wohl ein Halloween-Steine von Yvonne Taddeo hinter sich. Sie hat ihn mit Acrylfarben bemalt und in Ortenberg in die Nische einer alten Backsteinmauer gelegt. Wenig später hat jemand den Stein gefunden, ihn mit in den Urlaub auf die Seychellen genommen und dort gelassen. Da liegt er nun, auf der Vorderseite bemalt mit einem Kürbis und einem Gespenst, hinten der Schriftzug "SteinReich Wetterau" - der Name der Facebook-Gruppe und quasi das Kennzeichen des Steins.

2100 Mitglieder hat die Gruppe bereits. Sie alle sind Steinsammler und -bemaler. Das Prinzip ist recht einfach: Wer einen Stein bemalt hat, postet ein Bild davon in der Gruppe und legt ihn irgendwo in der Wetterau aus. Der Finder, sofern er auch Gruppenmitglied ist, macht ebenfalls ein Foto und stellt es in die Gruppe. Entweder er legt den Stein an einer anderen Stelle aus oder er behält ihn. "Die schönsten Steine tauchen meist nicht mehr auf", sagt Beatrice Krausch, die die Gruppe ins Leben gerufen hat. Sie hat auch einige Exemplare, die sie nicht wieder hergeben möchte und die stattdessen nun ihr Zuhause schmücken.

Wie viele bemalte Steine schon in der Wetterau ausgelegt worden sind, lässt sich längst nicht mehr abschätzen. Dafür sind es mit der Zeit einfach zu viele geworden. Dabei war die Aktion am Anfang eine recht einsame Angelegenheit, erzählt Beatrice Krausch. Im Juli dieses Jahres hat sie "SteinReich" gegründet. Von ihrer besten Freundin, die in Salzgitter wohnt, wurde sie kurz zuvor in eine ähnliche Facebook-Gruppe eingeladen - aber eben für die Harz-Region. Da es in der Wetterau noch nichts derartiges gab, entschloss sich die Altenstädterin zur Gruppengründung - und begann, Steine zu bemalen. "Mir ging es vor allem darum, dass man sich mal wieder hinsetzt, entschleunigt, etwas mit den Kindern macht."

Zuerst lief es etwas schleppend. "Die ersten Wochen habe ich alleine fleißig vor mich hin gemalt." Dann kam die Ortenbergerin Yvonne Taddeo ins Spiel - und mit ihr der Wendepunkt. Die Autorin war begeistert von der Idee mit den bemalten Steinen, die durch die Region reisen. Und so gestaltete sie auf einem Markt, bei dem regionale Erzeuger und Künstler ausstellten, einen Steine-Bemal-Tisch.

Jeder kann mitmachen

Das Angebot wurde kräftig angenommen, und wenig später war Ortenberg zum "Stein-Hot-Spot" geworden. "Ich sehe dort dauernd jemanden, der suchend durch die Gegend läuft", erzählt Yvonne Taddeo. Manchmal, wenn sie einen Stein auslegt (am liebsten in Mauervorsprüngen) und zwei Stunden später an der selben Stelle vorbeikommt, ist er schon nicht mehr da.

Die Posts in der Facebook-Gruppe zeigen aber, dass die Steine längst weit über die Grenzen des Ostkreises hinaus unterwegs sind. "Nachschub für Rosbach", schreibt ein Mitglied. Darunter ein Bild mit weihnachtlich bemalten Steinen - ein Schneemann, ein Engel, ein Lebkuchenmännchen. Ein anderes Mitglied postet ein Foto von einem Snoopy-Stein. "Habe ich in Echzell gefunden." Die Bemalerin antwortet: "Seine Reise ging in Nieder-Florstadt los."

Was ein schöner Nebeneffekt an der Steine-Aktion ist, wie Beatrice Krausch und Yvonne Taddeo sagen: "Man geht mit offenen Augen durch die Welt" - um bemalte Steine, aber auch, um neue zum Bemalen zu finden ("Dafür gehe ich am liebsten ins Flussbett").

Wie viele Steine die beiden schon bemalt haben? An die 200 jeweils, schätzen sie. Und gerade jetzt, in der trüben Jahreszeit, sei es eine hervorragende Beschäftigung: "Zeitung unterlegen, Malsachen raus, los geht’s." In der Familie Taddeo sind übrigens Superhelden-Motive am beliebtesten ("ich habe vier Jungs"). Spiderman zum Beispiel. Oder Batman.

So oder so: Mitmachen kann jeder. Wer nicht gerne malt, kann einfach auf die Steine schreiben. Davon gibt es einige Beispiele ("Frieden", "Liebe", "Frohe Weihnachten"). Verwendet werden Acrylfarben (Pinsel oder Stift). Damit die Farbe hält, kommt auf das fertige Werk noch Klarlack. Dann kann der Stein auf Reisen gehen - denn das, sagen die zwei Frauen, ist am Schönsten: "Wenn man einen Stein in Eckartsborn auslegt und er in Ockstadt wieder auftaucht - und dazwischen den Findern eine Freude bereitet hat."

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