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Steckenpferde aus Pressspan

  • VonHarald Schuchardt
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Friedberg (har). Sperrmüll-Pressspanplatten sind das letzte Produkt, das aus Holz gewonnen wird. »Das Holz wird geschreddert, gepresst und geklebt«, sagt Elias Dimitri Bühring, der sich schon lange mit dem in Kunstkreisen eher selten genutzten Material beschäftigt. Dass sich solche Pressspanplatten durchaus für künstlerische Projekte eignen, zeigt der 35-Jährige aktuell in einer Ausstellung im »Café Kaktus«.

Im vergangenen Monat wurde sie im Rahmen des »Kulturfeuerwerks Friedberg« eröffnet.

Bühring lebt in Bingenheim und hat zusammen mit Marcel Pfeffer und Simon Kneip die Künstlergruppe »ProjektraumSechsEins« gegründet. Im vergangenen Jahr schloss er sich der Künstlergruppe »Klima-Krise-Klitoris« an. Ein knappes Dutzend Künstler aus dem Rhein-Main-Gebiet und aus Berlin gehören der Gruppe an, in deren Präsentationen sich Bühring aktuell auch mit einigen seiner in einer Werkwoche entstandenen Steckenpferden beteiligt.

Ohrenstellungen eines Hasen

Fünf dieser außergewöhnlichen Arbeiten stehen im Mittelpunkt der Ausstellung im »Café Kaktus«. Schon während seines Studiums mit dem Schwerpunkt Kunst und Skulptur an der Alanus-Hochschule mit Standorten in Köln und Mannheim waren Pressspanplatten für den zweifachen Vater ein Thema. Für Bühring ist Sperrmüll-Pressspan ein Symbol, das für die mehrfache Verwendung von Holz steht. »Es ist für mich ein Bildträger, der etwas Angenehmes und Optimistisches ausstrahlt.« Bereits vor drei Jahren hat er den »Prototypen« des Steckenpferds geschaffen. Warum es gerade Steckenpferde wurden, erklärt der Künstler so: »Steckenpferde hat jeder. Andererseits sind Steckenpferde auch Spielzeuge. Ich verknüpfe und transformiere beides.«

Für den naturverbundenen Künstler, der Teil des Gärtnerteams in der solidarischen Landwirtschaft Wölfersheim/Guter Grund ist, sind Pferde auch ein Symbol für Dynamik, Bewegung und Fortschritt. Dies will der Künstler in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen. Mit Stichsäge und Hohlbeitel, einem Werkzeug mit halbrunder Klinge zum Nachstechen runder Vertiefungen, bearbeitet er die Pressspanplatten. Entstanden sind Steckenpferde, die sich bei genauerem Betrachten in Nuancen unterscheiden.

An der Stirnwand des »Café Kaktus« sind vier der fünf gezeigten Steckenpferde ein echter Blickfang. Dazukommen im Café verteilt kleinere Arbeiten, wie Studien für größere Projekte, der Linoldruck eines Hirsches oder Jute-Stücke.

Aus Pressspan entstanden sind auch die vier Hasen, die mit den dazugehörigen Entwürfen gezeigt werden. Bühring: »Ich dokumentiere damit die vier Ohrenstellungen, die ein Hase haben kann.«

Noch etwas ist Bühring wichtig: »Es ist toll, gerade hier auszustellen.« Zu verdanken hat er dies Kuratorin Su Kyung Yu. Die Künstlerin, die eine Malschule betreibt, bietet seit drei Jahren jungen Künstlerinnen und Künstlern im »Café Kaktus« die Möglichkeit, ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Yu: »Es gibt viel zu wenig solcher Orte, ich bin den Inhabern des Kaktus sehr dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit geben.«

Die Ausstellung »Steckenpferde« im »Café Kaktus« kann noch bis zum 6. Januar 2022 täglich ab 18 Uhr besichtigt werden.

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