Parkgebühr zahlen mit dem Smartphone: Bürgermeister Antkowiak und Erste Stadträtin Götz stellen das System vor. Die Ticketautomaten bleiben aber erhalten. (Foto: Nici Merz)
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Parkgebühr zahlen mit dem Smartphone: Bürgermeister Antkowiak und Erste Stadträtin Götz stellen das System vor. Die Ticketautomaten bleiben aber erhalten. (Foto: Nici Merz)

"Park & Pay"

App statt Kleingeld: Premiere für bargeldloses Parken

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Auf dem Dieffenbach-Parkplatz in Friedberg ist am Mittwoch ein Pilotprojekt gestartet. "Park & Pay" (Parken und Zahlen) nennt sich das digitale System für bargeldlose Parktickets.

Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) ist bekanntlich IT-Fachmann, er twittert und hält seine Anhänger über Facebook auf dem Laufenden. Es war folglich nur eine Frage der Zeit, bis die digitale Kommunikationstechnik auch in anderen Bereichen Einzug in Friedberg hält. Im Urlaub an der Nordseeküste lernte Antkowiak vor einiger Zeit das bargeldlose Bezahlen von Parkgebühren kennen. Als er erfuhr, dass eine Friedberger Firma ein solches System entwickelt hat, nahm die Sache ihren Lauf. Im Dezember verkündete die Erste Stadträtin Marion Götz (SPD) in der Stadtverordnetenversammlung, ein Vertrag mit einer einjährigen Testphase sei abgeschlossen worden. Wird das System angenommen, soll es auch auf der Kaiserstraße und am Stadtkirchen-Parkplatz eingeführt werden.

Wie das neue Abrechnungssystem funktioniert, erläuterte Martin Zimmermann von der Firma "Park & Pay". Das Unternehmen, das vor kurzem seinen Firmensitz von Friedberg nach Aschaffenburg verlegte, könne dank seiner Mitarbeiter 50 Jahre Kompetenz im bargeldlosen Zahlungsverkehr vorweisen. Das System sei ganz einfach, sagte Zimmermann. Die Nutzer müssen sich im Apple App Store (bei Apple-Geräten) oder im Google Play Store (bei Android-Geräten) die kostenlose App auf ihr Smartphone herunterladen. Das geht in drei Schritten: Installieren, Registrieren und Ticket-Kauf. Angegeben werden müssen Handynummer, Adresse, Kfz-Kennzeichen und die Bankverbindung.

Auf dem Dieffenbach-Parkplatz weist ein grünes Schild auf den neuen Service hin. Die App weist dem Benutzer den Weg. Dieser gibt den entsprechenden Parkplatz und die Parkdauer ein, drückt auf "Ticket kaufen", und das war’s auch schon fast. Eine Uhr zeigt an, wie lange man noch parken darf. Fünf Minuten vor Ablauf der Zeit wird der Nutzer benachrichtigt. Dann kann man (vom Büro aus oder von unterwegs) die Parkzeit bis zur Höchstdauer erweitern. Die Abrechnung erfolgt per SEPA-Lastschrift, kostet die Nutzer nur die regulären Gebühren.

Nicht jeder hat ein Smartphone

Das sei ein Vorteil gegenüber anderen Systemen, sagte Zimmermann. Die Mitbewerber verlangten einen Aufschlag aufs Ticket von bis zu 40 Prozent. Für die Autofahrer wird das auf Dauer teuer. Bei "Park & Pay" fließen vom regulären Ticketpreis 7 Prozent an das Unternehmen, der Rest geht an die Stadt. Antkowiak: "Für die Nutzer fallen keine Zusatzgebühren an."

Die Parkscheinautomaten blieben stehen, sagte Antkowiak. Schließlich hat nicht jeder ein Smartphone und kennt sich mit dieser Technik aus. Es sind aber künftig nicht mehr so viele Automaten nötig, weshalb auch weniger Automaten erneuert, gewartet und entleert werden müssen.

Leichtere Kontrolle

Das neue System ist mit den Smartphone-Apps der Ordnungspolizisten kompatibel. Die müssen mit ihren Handys nur das Nummernschild fotografieren, die App sagt ihnen dann, ob der Fahrer ein Ticket gelöst hat oder nicht. Das Knöllchen, wie soll’s anders sein, wird dann per App und per E-Mail an den Falschparker verschickt.

Das bargeldlose Zahlen der Parkgebühren ist nur ein Schritt hin zu einer modernen Verkehrsinfrastruktur. In Friedberg wurden in den vergangenen Monaten zwölf öffentliche E-Tankstellen für Elektroautos eingerichtet; die Stadtverwaltung verfügt über weitere acht E-Ladesäulen. Die Nutzer zahlen mit einer Ladekarte, das Geld wird vom Konto abgebucht. "1,30 Euro für einmal volltanken" – das müsse man sich mal überlegen, sagte Antkowiak, der zum Pressetermin mit dem Dienst-E-Auto vorfuhr. "Der Tank ist halbleer." Volltanken konnte er den Wagen aber nicht, die E-Tanksäule war von einem Benziner blockiert. Ein Fall von Falschparken mit Behinderung, erläuterte einer der anwesenden Ordnungspolizisten und zückte sein Smartphone, um ein digitales Knöllchen auszustellen.

Info

Bargeldloser Zahlungsverkehr

Die Entwicklung ist nicht aufzuhalten: Immer mehr Zahlungsverkehr wird virtuell abgewickelt. An der Supermarktkasse bezahlt man bequem mit der Bankkarte und kann sogar Geld vom eigenen Konto abheben. In manchen Ländern wird gar schon das Bargeld abgeschafft. Schweden will 2030 das erste europäische Land ohne Bargeld sein. Für bargeldloses Parken gibt es mehrere Systeme. In Deutschland wird der Service bereits in über 100 Städten angeboten, darunter Bad Homburg, Hanau, Mainz und Wiesbaden. Friedberg ist die erste Stadt im Wetteraukreis, die ein solches System einführt. Weitere Kommunen werden folgen. (jw)

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