Statt Discothek künftig Wohnungen im Central-Studio?

Friedberg (ütz). Das Gerücht verbreitet sich in der Stadt wie ein Lauffeuer. "Das Central-Studio soll geschlossen werden, dafür sollen in dem Haus Wohnungen entstehen", besagt es. Wie meist bei Gerüchten ist auch an diesem etwas dran.

Doch: Davon, dass schon eine Entscheidung gefallen ist, kann keine Rede sein. "Es geht nur um Überlegungen, sonst nichts", sagt Ernst Janik.

Er und seine Frau Carmen sind die Eigentümer des Gebäudes und auch Betreiber der Discothek. Vor 17 Jahren haben sie das Haus gekauft, und sie setzten die 44-jährige Disco-Tradition – das frühere Hotel und Kino wurde 1968 zum Tanzpalast – fort. Sie erbten damit auch den Ärger, der mit einem Disco-Betrieb mitten in der Stadt verbunden ist. Klagen der Anwohner über nächtliche Lärmbelästigungen durch die Besucher waren zu Zeiten, als noch US-Soldaten zur Stammkundschaft zählten, an der Tagesordnung und sind bis heute – da kein regelmäßiger Disco-Betrieb mehr stattfindet, sondern nur gelegentliche Veranstaltungen – nicht verstummt.

Diese Beschwerden, versichert Janik, hätten aber nichts mit den "Überlegungen" zu tun. Dafür seien ganz andere Faktoren ursächlich: "Es ist zum einen eine Altersfrage", sagt der 56-Jährige, "aber auch die Lage spielt eine Rolle." Der Hauptgrund sei aber, dass das Gebäude im Sanierungsgebiet liegt. Die Altstadtsanierung läuft im Jahr 2014 aus, und es besteht nicht mehr lange die Möglichkeit, Sanierungsmittel für Baumaßnahmen zu beantragen: "Bis zum Frühjahr nächsten Jahres müssten wir alles bei der Nassauischen Heimstätte durchhaben; danach geht nichts mehr", so Janik.

Die Nassauische Heimstätte ist der Sanierungsträger der Stadt, und bei ihr haben die Janiks auch schon vorgesprochen. Denn es bestünde dank Sanierungsverfahren die Möglichkeit, den mit Sicherheit ziemlich teuren Umbau des Gebäudes von einer Discothek zu einem Haus mit mehreren Wohnungen zu besonders günstigen Bedingungen steuerlich abzuschreiben. "Ohne diese Abschreibungsmöglichkeiten wäre das alles viel zu teuer, dann würde gar nichts in Richtung Umbau laufen", sagt der Eigentümer.

Was also derzeit genau passiere, sei, dass er sich mithilfe von Architekten und Statikern einen Überblick verschaffe, wie hoch Kosten ausfallen würden und ob sich ein Umbau lohnen würde. Beispielsweise müssten Zwischendecken eingezogen oder auch Fenster eingebaut werden. Und: Für alles wäre eine Baugenehmigung erforderlich. Es gebe mithin eine ganze Reihe noch ungeklärter Fragen, "und deshalb sind wir erst beim Gedanken, eine Entscheidung wird erst später fallen", sagt Janik.

Sollte sich herausstellen, dass sich ein Umbau selbst mit den Fördermöglichkeiten aus der Sanierung nicht lohnen würde, werde sich am gegenwärtigen Zustand nichts ändern – und mithin die Vermietung der Discothek für einige Veranstaltungen im Monat weiterlaufen, was ohnehin noch in den nächsten ein, zwei Jahren geplant sei, so Janik. Ein schnelles Ende der Disco gibt es also nicht.

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