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Starke Unterstützung: SPD kürt Rouven Kötter als Landratskandidaten

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Von: Jürgen Wagner

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Gratulation zu 96,1 Prozent Zustimmung: SPD-Landratskandidat Rouven Kötter mit der Wetterauer SPD-Spitze, seinen beiden Kindern Vincent und Luisa sowie Steuerrad, Windjacke und Lotsenmütze für den Wahlkampf. © Jürgen Wagner

Mit Steuerrad, Lotsenmütze und 96,1 Prozent Zustimmung schickt die Wetterauer SPD den Regionalverbands-Dezernenten Rouven Kötter in den Landrats-Wahlkampf.

Von 104 Delegierten votierten 100 für Rouven Kötter, drei sagten »Nein«, es gab eine Enthaltung: Als das Ergebnis von 96,1 Prozent verkündet wurde, setzte in der Wetterauhalle tosender Applaus ein. »So einen brauchen wir«, warb die Wetterauer SPD-Vorsitzende Lisa Gnadl für den Kandidaten: »Rouven Kötter kann beides: eine Verwaltung führen und politisch gestalten.«

Schon während seiner Rede bekam Kötter immer wieder lautstarken Beifall. Der 43-Jährige hatte die Delegierten vor der Halle per Handschlag begrüßt. Bürgermeister Eike See erinnerte daran, was Michael Rückl von den Grünen einst über Kötter sagte: Der sei »das beste Pferd im Stall der Wetterauer SPD«.

Er liebe Verantwortung und seine Heimat, begann Kötter seine Rede und erzählt, wie er als 16-Jähriger in die SPD eintrat, »weil ich es satt hatte, dass die braunen Kleingeister der NPD den Ruf meiner Heimatgemeinde zerstören«. Die NPD in Wölfersheim ist längst Geschichte. Den Kampf gegen »Rechts, gegen Intoleranz, Rassismus und Diskriminierung führe ich weiter.« Wähler der AfD dürften nicht als verloren gelten. »Wir müssen sie durch ehrliche Politik zurückgewinnen: Wir sagen, was wir tun und tun, was wir sagen.«

Kötter versprach »geradlinige Politik«. Hätte er das Sagen im Kreishaus, würde er manches anders machen: »Ich kann Krise«, rief er den Delegierten zu. Bei allen Krisen, die es zu bewältigen gebe, stehe fest: »Es ist unsere humanitäre Pflicht, Verfolgte aufzunehmen.« Der Wetteraukreis agiere hierbei aber zu passiv. Kötter will »vorangehen und nicht auf Anweisungen aus Wiesbaden warten«.

Kötter streifte weitere Themen, etwa die Mobilität, für die er als Erster Beigeordneter im Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main zuständig ist. Radwege würden ausgebaut, das reiche aber nicht. »Ich bin großer Fan von Bus und Bahn.« Als Bürgermeister kauften er und sein Hungener Amtskollege die Trasse der Horlofftalbahn. Nur deshalb könne sie jetzt reaktiviert werden. Kötter holte das Projekt »RaMo« in die Wetterau, »Räume für moderne Mobilität«, die Pendlerparkplätze der Zukunft. Für solche Projekte brauche man nicht nur Geld, sondern auch »Kreativität und Mut«. Den wolle er »ins Kreishaus bringen und nicht auf höhere Wesen warten«.

Jeder kann ihn »anrouven«

Kämpferisch kündigte Kötter an, als Landrat würde er beim Regierungspräsidium darum kämpfen, dass die Städte und Gemeinden die ihnen zustehende finanzielle Ausstattung erhielten: »Wir gehen nicht dorthin und betteln dann um Almosen.«

Auf den Tischen im Saal lagen nicht Äpfel von Kötters Streuobstwiese, daran steckte seine Visitenkarte. Damit ihn alle, dieser Wortwitz sei erlaubt, »anrouven« können. »Sprecht mich an, ich tauche nicht ab.« Tosender Beifall folgte. Mehrere Redner warben für den Kandidaten. Versammlungsleiterin Christine Jäger verriet, Kötter sei leidensfähig: »Kötter ist Eintracht-Fan.« Cäcilia Reichert-Dietzel, Bürgermeisterin in Ranstadt, lobte seinen Entscheidungswille: »Den kann ich beim jetzigen Landrat nicht erkennen, auch wenn wir Bürgermeister ihm gebetsmühlenartig Vorschläge machen.« Bundestagsabgeordnete Natalie Pawlik hob Kötters Wirtschaftskompetenzen hervor (»Er kennt die Probleme der Betriebe«). Alt-Landrat Rolf Gnadl sagte: »Er möchte nicht nur, er kann es auch.« Eine eigene Handschrift Wecklers könne er nicht erkennen.

Auch Ex-Landrat Joachim Arnold war unter den Delegierten. Nicht gesichtet wurde die Erste Kreisbeigeordnete Stephanie Becker-Bösch, die Kötter immerhin in einem Halbsatz erwähnt. Bei der Nominierung zur Landtagskandidatur musste sie jüngst eine empfindliche Schlappe hinnehmen. Kein Thema, das zur Aufbruchstimmung des Tages passen wollte.

Das Wölfersheimer Erfolgsmodell

Eine Delegierte meinte flapsig: »Er gewinnt das Ding.« Dann würde Wölfersheim nach Joachim Arnold einen zweiten Landrat stellen. SPD-Haudegen Gerhard Weber verriet am Rande der Sitzung das Wölfersheimer Erfolgsmodell: »Wenn ein Bürger ein Problem hat, gehen wir direkt zu ihm und nicht eher wieder weg, bis das Problem gelöst ist.« Das sei Kötters Devise, deshalb sei er »der Beste für den Posten«.

Die Direktwahl des Wetterauer Landrats soll 2023 stattfinden, womöglich mit der Landtagswahl, die für den Herbst geplant ist.

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