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Stadtkirche zum Anfassen

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Friedberg (jw). Die gotische Stadtkirche »Unserer lieben Frau« in Friedberg zählt zu den schönsten und bedeutendsten Hallenkirchen weit und breit. Wer das nicht glaubt, kann es schon bald begreifen lernen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Förderverein Stadtkirche hat die Errichtung eines Architekturmodells angestoßen. Das Stadtparlament hat jüngst einen Zuschuss von 3400 Euro für die Realisierung beschlossen. »Damit ist die Finanzierung gesichert«, sagt Prof. Peter Schubert vom Vorstand des Fördervereins.

Der Auftrag zum Guss des Bronzemodell ist bereits erteilt. Gefertigt wird es in der Gießerei Pfeiffer in Stadtallendorf, die schon das von Schubert entworfene Erinnerungsmal für die Bad Nauheimer Holocaustopfer gegossen hat. »Begreifbare« Architekturmodelle von herausragenden historischen Bauten gibt es auch anderswo, beispielsweise in Marburg.

Die Stadtkirche Friedberg zählt zu den beliebtesten Anziehungspunkten für Besucher der Kreisstadt. Das bronzene Architekturmodell soll dies unterstreichen und gleichzeitig als Anschauungs- und Tastobjekt »eine neue Dimension des Erlebens« schaffen. Das Modell wird im Maßstab 1:100 ausgeführt und somit etwa 70 Zentimeter lang und 60 Zentimeter hoch. Der genaue Ort, an dem es aufgestellt wird, soll noch geklärt werden; vorgesehen ist der südliche Stadtkirchenplatz, wo bis vor kurzem die gestalterisch sehr gewöhnungsbedürftige und deshalb auch wieder abgebaute Litfaßsäule gestanden hat.

Möglich wird das Stadtkirchenmodell durch Kooperationspartner. Die Größe wurde mit der Johann-Peter-Schäfer-Schule abgestimmt, die Bildungseinrichtung für Blinde und Sehbehinderte wird auch einen Erläuterungstext in Braille-Schrift übersetzen. So sind die Informationen auch taktil erfassbar. Studenten und Professoren der Technischen Hochschule Mittelhessen haben den gesamten Baukörper der Stadtkirche in ein Computerprogramm übersetzt und daraus ein Bild erstellt, das Grundlage für einen 3 D-Druck ist. Daraus werden zunächst ein Wachsmodell und dann der Bronzeguss hergestellt.

THM und Blindenschule arbeiten unentgeltlich für das Projekt. Die Gesamtkosten liegen bei etwa 34 000 Euro. Ein Drittel der Summe bringt der Förderverein Stadtkirche selbst auf, außerdem haben sich weitere Spender gefunden: die Stiftung der Sparkasse Oberhessen (10 000 Euro), der Geschichtsverein Friedberg (5000), der Landeswohlfahrtsverband (1000) und der Förderverein der Johann-Peter-Schäfer-Schule (500 Euro). Die zahlreichen Spender dokumentierten »die Akzeptanz unseres Projekts«, zeigt sich Schubert zufrieden. Läuft alles nach Plan, kann das Modell bereits im Frühjahr 2017 präsentiert werden.

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