Barrierefrei sieht anders aus: Das Bürgerbündnis WIR fordert den Durchstich. FOTO: NIC
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Barrierefrei sieht anders aus: Das Bürgerbündnis WIR fordert den Durchstich. FOTO: NIC

Stadt soll Tunnel planen

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Friedberg(jw/pm). Der Bahnhofsumbau verzögert sich. Das Bürgerbündnis WIR übt scharfe Kritik an der Bahn AG und fordert von der Stadt, sie solle die Voraussetzungen für einen Tunneldurchstich nach Fauerbach schaffen.

Im Juni erteilte das Eisenbahnbundesamt den Planfeststellungsbeschluss für den barrierefreien Umbau des Friedberger Bahnhofs, erteilte der Bahn Baurecht. Die Bahn kündigte den Beginn des Umbaus an, doch Teile der Planung mussten eingestampft werden (die WZ berichtete). Der Fußgängertunnel ist nicht für den Umbau geeignet, muss verlegt werden; der Umbau verzögert sich um einige Jahre.

Außerdem informierte die Bahn die Stadt, dass eine Weiterführung der Unterführung bis auf die Ostseite, die Fauerbacher Seite, mit eingeplant werden kann, wenn die Stadt die Kosten übernimmt. Das Eisenbahnbundesamt habe "rein formal nach den Vorgaben und Wünschen der Bahn AG" gehandelt, kritisiert WIR. Die Forderung nach einem Durchstich wurde zurückgewiesen. "Offenkundig hat die Bahn noch immer nicht verstanden, eine zukunftsweisende Planung in Richtung Verkehrswende zu erstellen", schreibt WIR-Sprecher Klaus Kissel. Nur in den Hochglanzprospekten der Bahn seien solche Ziele stets zu finden.

Täglich nutzten um die 20 000 Menschen den maroden Bahnhof in Friedberg. Kissel: "Seit Jahren warten die Bahnreisenden auf eine grundlegende Modernisierung und eine vollständige Barrierefreiheit." Die Bevölkerung werde im Durchschnitt immer älter, es gebe immer mehr Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

Politik soll endlich Farbe bekennen

Jetzt sei die Stadt gefordert, meint WIR. Die Politik müsse "endlich Farbe bekennen", ob sie den Ausbau des Bahnhofs "auch mit zusätzlichen städtischen Haushaltsmitteln" wolle. WIR fordert eine neue Unterführung links oder rechts des Fürstenbahnhofs und ein klares Bekenntnis zum Durchstich. WIR stellt sich das wie folgt vor: Die Stadt müsse die Planung für die Weiterführung der Personenunterführung übernehmen und über den Nachtragshaushalt erste Mittel bereitstellen.

Wegen der Kostenübernahme solle die Stadt Gespräche mit der Bahn und dem Land Hessen führen sowie weitere Mittel vom Bund oder der EU beantragen. "WIR ist der Auffassung, dass Bahn, Land und Bund die Kosten im Rahmen einer Verkehrswende übernehmen müssten." Bahn, Land und Bund könnten hier freilich anderer Auffassung sein.

Das Ergebnis der Gespräche solle auf einer öffentlichen Versammlung vorgestellt werden. Dann, stellt sich WIR vor, solle aus der Versammlung heraus mittels Losverfahren ein Gremium interessierter Bürger bestimmt werden, das Anregungen und Vorschläge aus der Bevölkerung entgegennimmt und an die städtischen Gremien weiterleitet - "ein inzwischen vielfach erprobtes Mittel direkter Demokratie".

Bei der Planung solle berücksichtigt werden, dass zwischen dem Bahnhofsgebäude und der neuen Unterführung eine direkte Verbindung hergestellt wird. WIR fordert auch eine neue Planung der Bahnsteige: Neben den Aufzügen sollten zu allen Bahnsteigen jeweils eine Rampe und eine Treppe eingeplant werden. Ein Aufzug pro Bahnsteig sei völlig unzureichend.

Auch müsse sichergestellt werden, dass von beiden Seiten der Personenunterführung (Kernstadt und Fauerbach) ein barrierefreier Zu- und Durchgang gewährleistet ist. "Das bedeutet den Bau von Rampen auf Stadtseite und ein ebenerdiger Ausgang auf Fauerbacher Seite, damit Menschen mit Kinderwagen, Fahrrädern oder Rollatoren den Durchgang genauso barrierefrei passieren können wie Personen mit schwerem Gepäck."

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