+

Spitzenfrauen

Spitzenfrau Angelika Marx: "Selbstständig ist man nicht mal nebenbei"

  • schließen

Selbstständigkeit ist Arbeit: Das weiß Angelika Marx heute. Um ihr Café in Ossenheim und die Familie mit zwei kleinen Kindern unter einen Hut zu bringen, musste sie lernen, Nein zu sagen.

Mit 42 Jahren hat Angelika Marx ihren festen Job gekündigt. "Die Entscheidung war nicht einfach", sagt die Frau mit den blonden Haaren und greift nach ihrem Cappuccino. "Es war ein seltsames Gefühl, auf Wiedersehen zu sagen und zu wissen, dass man nie mehr zurückkehrt." Doch den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie bis heute nicht bereut.

Marx sitzt zurückgelehnt auf einem Stuhl in ihrem Garten in Ossenheim, direkt an der Wetter. Dort hat sie 2013 das Café Pusteblume eröffnet. Ein Stück Kuchen steht vor ihr auf dem Tisch. Der wird täglich frisch gebacken - von der Chefin höchstpersönlich. "Ich bin ein Ein-Frau-Betrieb", sagt die 50-Jährige und lacht. Sie sei jetzt angekommen. "Das Café, das bin einfach ich." Auf ihrem Weg hat sie einiges ausprobiert.

Aufgewachsen ist Marx in Oberursel. Sie studierte Mathe und Französisch auf Lehramt. Danach ging sie nach Frankreich und lehrte dort an einer Schule. Doch Marx merkte schnell, dass das nicht das Richtige war. Sie blieb in Paris und begann ein zweites Studium. Zurück in Deutschland arbeitete sie als Anzeigenverkäuferin bei der französischen Zeitung "Le Figaro". "Der Job war toll", sagt sie. "Ich war die ganze Woche bei Meetings und Konferenzen. Aber nach einer Weile habe ich mich so leer gefühlt." Sie habe gewusst, sie könne das nicht ewig machen. "Erst recht nicht, wenn ich eine Familie gründen will."

Verständnis einfordern

Als Marx den Agrarwissenschaftler Uli Heß kennen und lieben lernte, entstand die Idee zum Bio-Hopper - ein Lieferdienst für Obst und Gemüse. Marx kündigte ihren Job und bekam ihr erstes Kind. Das Paar träumte von einem eigenen Hof. Den kauften sie 2011. Nach und nach kamen ein Hofladen und das Café Pusteblume hinzu.

"Mir wurde relativ schnell klar, dass ich nur mit dem Café-Betrieb kein Geld verdienen kann", sagt Marx. Deshalb organisiert sie inzwischen auch Veranstaltungen. Eigene Feste auf dem Hof, aber auch Kindergeburtstage oder Firmenfeiern. Vom Herrichten der Location über das Zubereiten von Salaten und Kuchen bis zum Abwasch kümmert sich Marx um alles selbst. Mitarbeiter hat sie keine.

Selbstständigkeit bedeute Arbeit. Der Gedanke, "ich mach das mal so eben nebenbei", funktioniere nicht. Gerade als Mutter habe sie sich bewusst Zeit schaffen müssen. "Das bedeutet aber auch, dass für andere Dinge weniger Zeit bleibt." Man müsse öfter Nein sagen und Verständnis von Familie und Freunden fordern. "Ich musste mir einen gesunden Egoismus aneignen." Auch den Kindern - inzwischen sind es zwei - habe sie erstmal erklären müssen, dass Mama jetzt arbeite. Ihre Schwiegereltern, die mit auf dem Hof wohnen, seien dabei eine große Hilfe gewesen.

Betrieb aufgeteilt

"Trotzdem würde ich nicht tauschen wollen", sagt Marx. Auch wenn sie inzwischen vielleicht sogar mehr arbeite als früher und nie davon geträumt hat, sich einmal selbstständig zu machen. "Es macht mir Spaß, mir immer etwas Neues auszudenken." Sie könne alles so machen, wie sie es wolle - zum Beispiel einfach Mal einen ganzen Tag in der Küche stehen und Marmelade und Kompott für den Hofladen kochen. "Jeden Tag die gleiche Arbeit zu machen ist nichts mehr für mich." Auf der anderen Seite denke sie oft, sie habe nicht genug gemacht. "Ich musste lernen, das richtige Maß zu finden." Hofladen und Café sind von Samstagmittag bis einschließlich Montag geschlossen. "Das Wochenende gehört der Familie."

Marx und ihr Mann haben den Betrieb aufgeteilt: Sie kümmert sich um Café und Events, er um den Lieferdienst und das Ladengeschäft. Darüber ist Marx sehr froh: "Ich hätte keine Lust, meinen Mann als Chef zu haben", sagt sie. Manchmal sprechen sich beide natürlich ab, beratschlagen gemeinsam. "Aber ich würde es blöd finden, wenn ich nur für die Buchhaltung zuständig wäre." Auch wenn ihr Mann das schon öfter vorgeschlagen habe. "Ich habe immer dankend abgelehnt." (Foto: nic)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare