Mit Abstand und für das Foto ohne Maske präsentieren Simon Kneip und Su Kyoung Yu die Kunstwerke. FOTO: HAR
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Mit Abstand und für das Foto ohne Maske präsentieren Simon Kneip und Su Kyoung Yu die Kunstwerke. FOTO: HAR

Spielraum für Stimmungen

  • vonHarald Schuchardt
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Friedberg(har). Die Farbe Grau spielt in der Kunst eigentlich keine große Rolle. Anders ist dies bei den Arbeiten von Simon Kneip. "Grau hat mich schon immer irgendwie beschäftigt und fasziniert", sagt der Künstler, der mit drei weiteren Mitstreitern im Jahr 2017 das Künstlerkollektiv "Projektraum Sechs" in Bingenheim gegründet hat.

In zahlreichen Gruppenausstellungen des Kollektivs und in den Mitgliederausstellungen des Kunstvereins Friedberg hat der 34-Jährige schon seine Werke gezeigt. Aktuell sind 22 Arbeiten des studierten Sozialarbeiters, der in Friedberg im Bereich betreutes Wohnen mit Jugendlichen arbeitet, im Café Kaktus in der Hospitalgasse 16 zu sehen. Neben einem Dutzend Gemälde sind dies acht kleine Zeichnungen, drei Digitaldrucke sowie eine Video-Installation. Kuratorin der Ausstellung ist die Friedberger Künstlerin Su Kyoung Yu, die unweit des Café Kaktus eine Malschule betreibt.

Zur Vernissage am Samstagmittag begrüßten Yu und Kneip eine ganze Reihe von Freunden und Bekannten. "Ich suche gerne den öffentlichen Dialog sowohl mit anderen Künstlern als auch mit Besuchern von Ausstellungen," sagte er in seiner Begrüßung. Zu diesem Austausch dienen auch die Ausstellungsflächen in einer alten Scheune in Echzell-Bingenheim, in dem die Künstler des Künstlerkollektivs ihre Ateliers eingerichtet haben. "Die Gemeinschaft in der Gruppe und die enge Zusammenarbeit im Kollektiv hat mich künstlerisch geprägt und meinen persönlichen Prozess stark konzentriert", erklärt er. Zeichnungen sieht er als Grundlage für seine Gemälde. Kneip erklärt das so: "Ich transformiere die Zeichnungen in die Gemälde." Zeichnen tut Kneip überall, denn er hat immer einen Filzstift und ein kleines schwarzes Buch dabei. Er habe auch schon mit Farbe experimentiert, doch die hellen und dunklen Kontraste der Zeichnungen habe ihn schon immer fasziniert, erklärte der Künstler.

Strukturen und Verläufe der grauen Farbe bieten dem Künstler viel Spielraum, um Stimmungen zu erzeugen, ohne dass Farbe vermisst wird. Seine kleinen Zeichnungen in dem schwarzen Büchlein wiederholt er oft mehrmals und nutzt diese dann als Vorlagen für seine Gemälde, die er im offenen Gespräch mit den Besuchern der Vernissage als "Collagen aus meinen Zeichnungen" bezeichnet.

Installation per Video

Kneip: "Das, was ich in einem Moment festhalte, will ich dann auch zeigen." Su Kyoung Yu ergänzt dazu: "Er arbeitet ziemlich intuitiv und das fasziniert mich." Interessiert hat ihn auch seine ganz eigene Arbeitsweise. So entstanden zwei Video-Installationen. "Ich wollte sehen, wie ich mich beim Zeichnen und Malen bewege." Von hinten hat er sich aufgenommen. Gezeigt wird im Café Kaktus jedoch die zweite Installation, in welcher der Betrachter verfolgen kann, wie der Künstler den Stift beim Zeichnen führt. Dazu Kneip: "Ich plane die Striche nicht, sie sind dann einfach da. Manchmal wiederhole ich sie, das geschieht unbewusst."

Die Ausstellung mit den Arbeiten von Simon Kneip kann noch bis Anfang November während der Öffnungszeiten des Café Kaktus in der Hospitalgasse 16 besichtigt werden.

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