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Sparkasse: Zinsen und Konjunktur sorgen für gutes Ergebnis

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Wetteraukreis (hed). Die günstige Zins-Konstellation hat der Sparkasse Oberhessen ein Ergebnis für das Geschäftsjahr 2010 beschert, das die Erwartungen übertroffen hat, wie der Vorstandsvorsitzende Günter Sedlak am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Villa Trapp in Friedberg sagte.

Auch dank niedriger Zinsen für kurzfristige Kredite habe man einen Bilanzgewinn von 10,6 Millionen Euro erwirtschaften können, der in die Rücklage gehe. Weitere Gründe seien der »überdurchschnittlich gute konjunkturelle Verlauf«, sinkende Arbeitslosenzahlen und ein gesteigertes Konsumverhalten.

Das Betriebsergebnis liege 1,13 Prozent über dem von 2009. »Um einen Euro zu verdienen, haben wir 58,3 Cent ausgegeben. Vor einem Jahr waren es noch 61 Cent«, sagte Sedlak. Kredite in Höhe von 700 Millionen Euro wurden vergeben - davon 290 Millionen an Gewerbetreibende und mittelständische Unternehmen. Eine »Kreditklemme« habe es zu keiner Zeit gegeben. Auch habe man keine Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen. Vielmehr werde man 13,7 Millionen Euro Steuern an die Kreise zahlen. Zudem habe die Bank rund 880 kulturelle, sportliche und soziale Projekte in Oberhessen mit über 815 000 Euro gefördert, wie auch Landrat Joachim Arnold, 2010 Vorsitzender des Sparkassen-Verwaltungsrats, betonte.

Die Unternehmen hätten 2010 wieder mehr in regenerative Energiegewinnung investiert. Klassische Darlehen seien gefragter denn je gewesen, sagte Sparkassen-Vorstand Reinhold Wintermeyer. Auch die Privatleute hätten sich im vergangenen Jahr vermehrt für risikofreie Anlageprodukte wie Bausparverträge entschieden. Außerdem waren Tagesgeldkonten beliebt. Die Zahl der Girokonten sei verhältnismäßig stark um 2500 auf nun knapp 146 000 gestiegen. Trotz der positiven Bilanz bereite die fortschreitende Staatsverschuldung in der EU den Banken Probleme, meinte Sedlak. Die Krise des Euro in Ländern wie Spanien, Irland oder Griechenland habe viele verunsichert. Daher rechne man im kommenden Jahr mit einem leicht schlechteren Ergebnis.

Sorgen bereitet dem Sparkassen-Vorstand auch die stärkere Regulierung bei den Bankgeschäften. So müsse nun für nahezu jedes Kundengespräch ein Beratungsprotokoll angefertigt werden, in dem der Bankberater auch anzugeben habe, welche Provision er verdient. »Wo sonst in der freien Wirtschaft ist das üblich?«, fragte Sedlak. »Selbst wenn ein Mitarbeiter im Supermarkt ein Gespräch mit einem Kunden über den Goldpreis führt, muss er das eigentlich protokollieren.

« Zudem müsse jede Änderung im Lebenslauf der 500 Sparkassen-Berater in einem Register aufgelistet werden - laut Sedlak ein hoher Verwaltungsaufwand.

»Wir versuchen immer fair zu beraten«, betonte der Vorstandssprecher. Seinen Angaben nach hatte die Bank allen Kunden, die Papiere der US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft hatten, einen Umtausch angeboten. Von über 200 Käufern hätten das lediglich fünf bis zehn abgelehnt und stattdessen geklagt. Sedlak: »Die Welt hat sich geändert. Die Berater haben es schwer.« Mittlerweile gebe es Anwälte im Internet, die Muster für Massenklagen hätten. Einige Kunden würden zudem viel schneller protestieren und ihr Geld zurückverlangen, wenn ein Geschäft mal nach hinten losgegangen sei. »Aber es gehören immer zwei dazu.«

Man verkaufe generell nur von den Landesbanken geprüfte Wertpapiere, die zudem ein Ausschuss absegnen müsse, sagte Sedlak. »Auch schauen wir, ob der Berater ein Geschäft «provisionsgetrieben» anbietet und daher vielleicht nicht mehr objektiv ist.«

»Wollen keine Zweigstelle schließen«

Wie Sparkassen-Vorstand Thomas Falk erläuterte, lege man weiter Wert auf die Nähe zum Kunden. 60 Prozent der 1070 Mitarbeiter seien in der Beratung tätig. Derzeit verfüge die Bank über 21 Kompetenz-Zentren, 43 Filialen und 108 Haltestellen des Sparkassenbusses. Nachdem kürzlich die Filiale in Burg-Gräfenrode geschlossen worden war, wolle man 2011 keine Zweigstelle aufgeben - auch wenn »letztlich der Kunde entscheidet« und die Zahl der Online-Banking-Nutzer (derzeit 50 000) stetig steige. So wurden 2,8 Millionen Online-Überweisungen getätigt - mehr als auf die herkömmliche Art.

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