Die früher gut frequentierte Sparkassenfiliale in Ranstadt, die künftig personell nicht mehr besetzt wird. Sowohl in Ranstadt als auch in Stockheim (unten) gibt es nur noch Automaten.
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Die früher gut frequentierte Sparkassenfiliale in Ranstadt, die künftig personell nicht mehr besetzt wird. Sowohl in Ranstadt als auch in Stockheim gibt es nur noch Automaten.

Filialneuordnung

Sparkasse in der Wetterau: Viel Kritik und wenig Verständnis wegen Änderungen für Kunden

Filialen, in denen Sparkassenkunden nicht mehr den persönlichen Kontakt pflegen können: Vielerorts regt sich deutliche Kritik an der Neuordnung der Zweigstellen durch das Geldinstitut.

Wetterau – Zwischen Kompromiss, Konsens und Kritik am Verhalten des Führungspersonals, zwischen infrastrukturellem Frust und betriebswirtschaftlichem Verständnis verläuft die Reaktionslinie nach Bekanntwerden der Neuausrichtung im Filialnetz der Sparkasse Oberhessen in der gesamten Fläche des Geschäftsgebiets.

In einer kurzen Bekanntmachung am Dienstag informierte das Geldinstitut die Öffentlichkeit darüber, wo die Zweigstellentüren dichtbleiben, weil kein Personal mehr vorgehalten wird und nur noch Geldautomaten den Schalterraum beherrschen.

Bürgermeisterin hat Nachricht der Umstrukturierung der Wetterauer Sparkassen aus der Zeitung erfahren

Dieses Schicksal ereilt insbesondere die Standorte Ranstadt, Stockheim und Reichelsheim. Drei Kommunen, in denen die Sparkasse auch unter infrastrukturellen Gesichtspunkten immer eine Hauptrolle spielte. Die örtlichen Chefs der Filialen waren bestens verdrahtet im Ort. Die jeweiligen Bürgermeister pflegten einen kurzen Draht zu den örtlichen Sparkassenchefs - und auch zu den Vorstandsleuten des Gesamthauses.

»Das war einmal, heute gewinnt man zusehends den Eindruck, als wollten sich die Vorstände abschirmen und weit weg sein von uns«, übt Ranstadts Rathauschefin Cäcilia Reichert-Dietzel Kritik insbesondere am neuen Vorstandsvorsitzenden Frank Dehnke.

»Ihn telefonisch zu erreichen, war aktuell unmöglich. Aber auch sonst ist die Kommunikation mit der Führungsetage eher äußerst dürftig«, ließ Reichert-Dietzel gestern wissen, nachdem sie aus der Zeitung erfahren hatte, dass die Sparkasse in Ranstadt kein Personal mehr vorhält und in dieser Hinsicht die Pforten schließt.

Bürgermeisterin aus der Wetterau sucht das Gespräch mit der Sparkasse und landet in Warteschleife

So, wie es wegen der Corona-Pandemie schon seit März 2020 praktiziert wird. Kein Nachfolger von Gerhard Stroh mehr vor Ort, keiner in Sicht, weil räumlich gar nicht möglich. Ranstadts Bürgermeisterin landete indes in der Warteschleife des allgemeinen Telefonnetzes der Sparkasse und so auf Umwegen im Vorzimmer von Dehnke, wo immerhin eine freundliche Dame habe wissen lassen, ihr Chef habe so viele Termine, er könne gar nicht zeitnah zurückrufen.

Reichert-Dietzel merkte an, sie sei immerhin Sprecherin der Wetterauer Bürgermeister-Kreisvereinigung, was wohl Wirkung zeigte, denn es meldete sich dann Vorstandskollege Roman Kubla, der sie aufklärte, dass in der Vergangenheit kaum noch Termine in den Ranstädter Sparkassen-Räumlichkeiten abgewickelt wurden, was auch vor Corona Gültigkeit gehabt habe.

Kritik an Änderungen bei Wetterauer Sparkassen: Öffentlich getragenes Institut

Die Rathauschefin entgegnete ihm, dies sei wenig verwunderlich, wenn die Kunden aus Ranstadt ohnehin schon seit Langem zum Gespräch nach Nidda gebeten wurden. Und sie fügte hinzu, bei den Bürgersprechstunden in Ranstadt würden beachtliche Fallzahlen erreicht, da hätte man doch schon viel eher mal darüber reden können, ob nicht gemeinsame Angebote der Banken im Ort und des Rathauses zu realisieren gewesen seien.

Alles Überlegungen, die eine vorherige Absprache hätte sinnvoll erscheinen lassen, zumal Reichert-Dietzel eines nicht unerwähnt ließ: »Die Sparkasse ist nicht irgendeine Bank, die nur nach Gewinnmaximierung arbeitet. Unsere Sparkasse ist ein öffentlich getragenes Institut mit einem besonderen Versorgungsauftrag.«

Kritik an Kommunikationsproblem mit der Wetterauer Sparkasse

Auch Reichelsheim ist betroffen. Die dortigen Kunden sollen künftig im benachbarten Echzell beraten werden. Die Reichelsheimer Rathauschefin Lena Herget-Umsonst bedauert das sehr: »Das ist eine deutliche Verschlechterung für unsere Bewohner. Ich wurde kurz zuvor telefonisch über die Hintergründe informiert und kann die Argumentation betriebswirtschaftlich durchaus nachvollziehen. Gut finden muss ich es aber nicht und kann ich es auch nicht. Ich appelliere an die Verantwortlichen der Sparkasse, gerade für die älteren Teile der Bevölkerung Angebote zu schaffen, damit diese weiterhin vor Ort betreut und beraten werden. Das ist die Sparkasse ihren langjährigen und treuen Kunden schuldig.«

Die Wetterauer SPD-Landtagsabgeordnete und Kreispolitikerin Lisa Gnadl stellte ebenfalls ein Kommunikationsproblem mit der Sparkasse fest: »Ich finde es sehr unglücklich, dass der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse vor wenigen Wochen im Haupt- und Finanzausschuss des Kreises zu Gast war und er kein Wort zu diesen doch sehr bedeutenden Entwicklungen verloren hat.«

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